Eine der wichtigsten Fragen, die wir uns in Bezug auf einen Sonnenschutz stellen, lautet, ob man den Auftrag im Tagesverlauf wiederholen muss. Wie lange wirkt eine Sonnencreme? Hat der Sonnenschutz, den wir morgens großzügig aufgetragen haben, nachmittags immer noch eine Schutzwirkung? Und wenn ja, wie fällt der UV-Schutz aus? 

Auf einigen Sonnenschutz-Verpackungen findet Ihr die Angabe, dass der Auftrag regelmäßig wiederholt werden muss – am besten alle zwei Stunden. Dann gibt es aber auch Sonnenschutzprodukte, die mit nur einem Auftrag am Tag werben. Muss man also nachcremen oder nicht?


Muss ich den Auftrag einer Sonnencreme wiederholen?

Leider kann ich Euch diese Fragen pauschal und eindeutig nicht beantworten. Denn die Antwort hängt von zumindest zwei Faktoren ab: a) Deinem Tagesablauf und b) der Formulierung der Sonnencreme.

Wie lange eine #Sonnencreme Deine Haut ausreichend schützt hängt von: a) Deinem Tagesablauf und b) der Formulierung der Sonnencreme ab. Klick um zu Tweeten Zum einen muss man die Frage stellen, wie Dein Tagesablauf aussieht? Fährst Du mit dem Auto zum Büro, nach acht Stunden einer Büroarbeit fährst Du dann zurück, gehst anschließend einkaufen und nach Hause? Oder bringst Du morgens zwei Kinder zur Kita, radelst dann mit dem Fahrrad zur Arbeit und zurück, rennst mit den Kids anschließend zu diversen Aktivitäten, zum Spielplatz und erst dann nach Hause? Oder gehst Du gar zu einem Schwimmbad für einen halben Tag und dann zum Abendessen mit Freunden im Biergarten? Von Deinem Tagesplan hängt ab 1) Wie viel Sonne Du am Tag konsumierst 2) Wie stark Du schwitzt (bzw. sich im Wasser aufhältst) und die UV-Schutzleistung der Sonnencreme dadurch beeinträchtigst.

Zum anderen hängt die Schutzleistung einer Sonnencreme damit zusammen, wie das Sonnenschutzmittel überhaupt formuliert ist: Welche UV-Filter wurden eingesetzt? Sind sie stabil bzw. stabilisiert durch andere Inhaltsstoffe? Ist das Sonnenprodukt Wasser resistent? Außerdem weisen Forscher darauf hin, dass die Lösungsmittel für UV-Filter, bzw. dessen Verdunsten im Laufe des Tages, für den UV-Schutzverlust verantwortlich sind (Quelle). Demgegenüber sollten Nanopartikel und Polymere zu einer längeren Schutzleistung beigetragen. Auch trägt eine Einkapselung von UV-Filtern zu deren viel höheren Stabilität bei (Quelle).

Je nach dem, wie Deine Antworten ausfallen, variiert auch die Schutzwirkung eines Sonnenschutzproduktes.


Verliert mein Sonnenschutz im Tagesverlauf die Leistungskraft?

Leider fand ich keine einzige Studie, die uns klare Angaben liefern würde, wie stark die Schutzwirkung einer Sonnencreme im Verlaufe des Tages reduziert wird. Forschungsergebnisse, die ich zu diesem Thema fand, fasse ich für Euch unten zusammen. Die Schlußfolgerungen daraus müssen wir dann selbst ziehen.


Menge der Sonnencreme und Höhe des Schutzfaktors

An einem Experiment nahmen 24 Teilnehmer teil. Einige haben einen niedrigen Lichtschutzfaktor von 15, andere wiederum einen hohen SPF von 70 aufgetragen. Eine Gruppe hat die Hälfte der ausgelobten Menge und die andere Gruppe hat die vollen 2 mg/cm2 verwendet. Die Schutzwirkung wurde acht Stunden nach dem Auftrag der Sonnencreme gemessen. Während der acht Stunden konnten sich die Teilnehmer 30 Minuten bewegen und wurden für 80 Minuten Wasser ausgesetzt.

Das Resultat – acht Stunden nach dem Auftrag der Sonnencreme – sah wie folgt aus:

SPF70 2mg/cm28 Stunden später: SPF64
SPF701mg/cm28 Stunden später: SPF26
SPF152mg/cm28 Stunden später: SPF13
SPF151mg/cm28 Stunden später: SPF7

Das Forschungsergebnis gibt uns eine erste Vorstellung davon, wie lange eine Sonnencreme tatsächlich wirkt: Nach acht Stunden wurde die Wirkung des UV-Schutzes von 15% bis 40% reduziert (Quelle). Schaut Euch bitte die obige Tabelle genauer an:

  • Der höchste Sonnenschutz beim Auftrag der richtigen Menge hat nach satten acht Stunden nur sehr wenig an seiner Schutzleistung eingebüßt.
  • Je geringer der Lichtschutzfaktor und je kleiner die aufgetragene Menge der Sonnencreme, desto miserabel fällt ihre Schutzwirkung nach etlichen Stunden aus.
Je geringer der Lichtschutzfaktor und je kleiner die aufgetragene Menge der Sonnencreme, desto stärker ist der UV-Schutzverlust nach einigen Stunden. Klick um zu Tweeten

Mein Fazit daraus würde also wie folgt lauten:

Je höher der Lichtschutzfaktor, desto länger wird die Haut vor dem UV-Licht geschützt.

  Je größer die aufgetragene Menge des Sonnenschutzes, desto länger wird die Haut vor dem UV-Licht geschützt.

Je höher der Lichtschutzfaktor und je größer die aufgetragene Menge des Sonnenschutzes, desto länger wird die Haut vor dem UV-Licht geschützt. Klick um zu Tweeten Wie lange wirkt eine Sonnencreme


Formulierung der Sonnencreme

  Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Studien, die zeigten, dass die Schutzwirkung einer Sonnencreme von dem eingesetzten Lösungsmittel der UV-Filter abhängt. Beispiel: Werden UV-Filter in Propylene Glycol oder n-Decane gelöst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Schutzwirkung durch den Prozess der sog. Entnetzung (eng. dewetting) im Tagesverlauf drastisch reduziert wird. Squalane als Lösungsmittel hat hingegen besser abgeschnitten.

Sucht jetzt aber bitte in Euren Schutzprodukten nicht nach den oben genannten Inhaltsstoffen. So einfach kann man die Wirkung einer Sonnencreme leider nicht einschätzen. Forscher weisen nämlich zugleich darauf hin, dass die Beigabe diverser Zusatzstoffe die Formulierung viel stabiler macht. So tragen zum Beispiel Nanopartikel und Polymere zu einer Stabilisierung von Sonnencremes bei (Quelle).

Generell lässt sich die Leistung und die Stabilität eines Sonnenschutzes allein anhand der INCI-Liste nicht eindeutig entziffern.

Dazu ein anderes Beispiel: Es wurde gezeigt, dass die Beigabe von speziellen Nanopartikeln mit stark haftenden Eigenschaften (bioadhesive) die Schutzwirkung einer Sonnencreme dermaßen erhöht hat, dass die Menge an UV-Filtern (in diesem Fall: Zinkoxide) um 5% reduziert werden könnte, um den selben UV-Schutz zu erzielen.

Oft bekomme ich die Frage, ob die Konzentration eines Inhaltsstoffs von x% oder y% ausreichend wäre. Mit dem Einsatz von modernen Technologien ist die Antwort allerdings nicht mehr sicher. Und bei Sonnenschutzmitteln erst nicht, da der UV-Schutz durch viele anderen Faktoren zusätzlich erhöht werden kann (was aus der INCI-Liste nicht ableitbar ist).

Daher ist die Angabe der Filterkonzentrationen (meist in mineralischen Sonnencremes) in den modernsten Formulierung kein Hinweis auf ihre Schutzwirkung!  


Bewährte Hersteller von Sonnenschutzmitteln

Die obigen Studien zeigen, dass es wichtig ist, zu Sonnenschutzmitteln zu greifen, hinter welchen eine renommierte Kosmetikfirma steht. Das heißt, auf Unternehmen,

  • die sich auf Entwicklung vom Sonnenschutz spezialisieren,
  • ihre Rezepturen schrittweise verbessern
  • und auf Forschungsergebnisse sichtbar zurückgreifen bzw. diese selbst in Auftrag geben.
Beim Verkauf vom Sonnenschutz sind auch Marketing-Spielchen meines Erachtens weniger zu erwarten als etwa bei Hyaluron-Seren oder Gesichtscremes gegen „Hauterschlaffung“. Wird Deine Haut nach der Anwendung einer Creme nicht straffer (was zu 99,9% der Fall sein wird), entstehen – außer verlorener Hoffnung – keine Gesundheitsschäden (angeklagt wird der Hersteller wahrscheinlich also nicht). Etwas anderes gestaltet es sich mit unrealistischen Versprechen bezüglich einer Sonnencreme. Hier geht es ums Leben und Tot: Wird eine zu hohe Erwartung verbreitet, wird das Verhalten der Konsumenten leichtsinnig und ein Hautkrebs kann entwickelt werden. Der Ruf des Unternehmens würde dabei gewaltig beschädigt. Oder seht Ihr das nicht so dramatisch?


Wie lange wirkt eine Sonnencreme? – mein Fazit

Die Frage also, wie lange eine Sonnencreme tatsächlich wirkt und ob ein erneuter Auftrag nach einigen (?) Stunden erforderlich ist, kann pauschal nicht beantwortet werden. Meine Empfehlungen für Euch würden wie folgt lauten:

  1. Setzt auf bewährte Kosmetikunternehmen, wenn Ihr das Sonnenschutzmittel auswählt.
  2. Greift womöglich auf Produkte, die sich durch das UVA-Logo auszeichnen, damit der UVA-Schutz entsprechend garantiert werden kann. ( Zum UVA-Logo und Messung des UVA-Wertes, s. hier)
  3. Wählt den höchsten Lichtschutzfaktor (SPF50+) aus, damit – beim Auftrag einer unzureichenden Menge – die Schutzleistung einigermaßen kompensiert werden kann.
  4. Versucht den Auftrag nach etwa 8 Stunden zu wiederholen, falls Ihr euch am Tag länger in der Sonne (bzw. im Draußen) aufhält.
  5. Greift möglichst auf Wasser resistente Sonnenschutzprodukte. Diese haben viel bessere Filmbildung auf der Haut und die Wirkung hält entsprechend länger an.
  6. Wiederholt den Auftrag einer Sonnencreme bei Kindern unbedingt nach einigen Stunden – je nach dem, ob das Kind im Wasser bzw. Sand gespielt hat oder durch seine Spielbewegung den Schutz physisch abgetragen hat. Ich wiederhole den Auftrag bei meinem Kind, wenn wir im Sommer unterwegs sind, nach ca. vier Stunden ( hier findet Ihr meine Empfehlungen für Sonnencremes für Kinder).

Habt Ihr euch schon die Frage gestellt, wie lange Eure Sonnencreme wirkt? Wie handhabt Ihr das Thema Sonnenschutzwiederholung? Wiederholt Ihr den Auftrag in regelmäßigen Abständen? Hättet Ihr noch weitere Empfehlungen bzw. Tipps für einen optimalen Sonnenschutz?

Ich bin sehr gespannt, wie Ihr mit dem Thema umgeht und danke Euch herzlich für die Rückmeldungen im Voraus!

Eure Pia


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Quellen

Quelle 3: Binks, B./Brown, J. et al. (2016): Evaporation of Sunscreen Films: How the UV Protection Properties Change, in: ACS Applied Materials & Interfaces 2016 8 (21), 13270-13281 

5 Kommentare

  1. Endlich einmal vernünfige Sonnenschutz-Tipps, die sich auch in der Praxis realisieren lassen! Danke Pia! 🙂

  2. Ein sehr aufschlussreicher Post – Danke! Ich bin positiv überrascht, wie gut der Sonnenschutz sich hält, ich dachte, die Zahlen würden schlechter sein. Vor allem sind die Testpersonen ja auch länger mit Wasser in Berührung gekommen, das ist in meinem Alltag nur bei Starkregen der Fall.
    Was ich auch mega-interessant fand, ist dass es hier ganz nebenbei auch Aufschluss über die Relation von Auftragsmenge zu Sonnenschutzwirkung gibt. Nach der Tabelle oben scheint sie doch nahezu linear zu verlaufen -> halbe Menge Sonnencreme, halber Schutz. Das ändert zwar nichts an meinem Eincrem-Verhalten, beruhigt mich aber.
    Wie gesagt: Danke!

  3. Ich muss sagen, im Sommer creme (oder eher sprühe) ich nach, da ich zum Büro radel, dann zurück und dann meistens mit den Kindern draußen bin. Im Winter vergesse ich es oft, auch wenn mein Tagesablauf ähnlich ist. Allerdings ist da dann auch um 17 Uhr nicht mehr so viel Sonne am Himmel.
    Die Kinder creme ich immer ein, bevor ich sie wegbringe, im Kindergarten cremen sie dann (leider selbst) nochmal vor dem Rausgehen und ich creme noch mal beim Abholen, zumindest im Sommer. Im Winter verzichte ich auch da auf die dritte Cremung, denn um 17 Uhr ist die Sonne ja dann oft schon weg.
    Die Zahlen beruhigen mich ein bisschen, denn ich nehme sicherlich genug und immer LSF 50, da komme ich nach 8 Stunden ja nich ganz passabel weg.

    Anne – Linda, Libra, Loca

  4. Wie sieht es eigentlich bei den unterschiedlichen Hauttypen aus? Hat dies keine Wirkung auf die Wirkungsdauer?

  5. Das war ein sehr hilfreicher Artikel der viele offene Fragen für mich beantwortet hat. Danke Pia!
    Ich Frage mich, wie andere Leute das machen, die Sonnencreme unter Tags (in der Öffentlichkeit) aufzufrischen? Ich kann ja schlecht in der Arbeit am Klo mir Sonnencreme Aufträgen die weißelt und glänzt und dann 10 Minuten das ganze vorm Spiegel einarbeiten 🙁
    Liebe Grüße Elisabeth

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