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Welche Kosmetik Datenbanken sind glaubwürdig?

Glaubwürdige Datenbanken für Kosmetik

Inzwischen gibt es einige Webseiten, auf denen man Bewertungen von Beauty- und Hautpflegeprodukten nachlesen kann. Auch findet man heute im Internet mühelos Datenbanken, in denen Inhaltsstoffe der zum Kauf anvisierten Kosmetikprodukte nachzuschlagen sind. Doch stellen wir uns die folgende Frage: Welche Kosmetik Datenbanken sind glaubwürdig ? Habt Ihr in der Datenbank Eurer Wahl nachgeschaut, nach welchen Kriterien Hautpflegeprodukte dort bewertet werden, wer hinter der Bewertung steckt bzw. wie unabhängig die Auswertung von Hautpflege ist?

Diese Fragen beschäftigen mich seit Längerem und waren letztendlich der Auslöser dafür, eine eigene Datenbank für Hautpflegeprodukte zu erstellen – den Skincare Helper (hier). Ich hoffe, dass Ihr Skincare Helper glaubwürdig findet und mit dem schrittweisen Ausbau der Plattform auch immer mehr Spaß beim Stöbern in der Datenbank haben werdet.

Heute wollte ich allerdings auf zwei andere INCI- und Produkt-Datenbanken fokussieren: EGW und CIR.


EGW versus CIR

Den Ausgangspunkt für das heutige Thema gab ein interessanter Blogpost einer Singapurianerin mit dem Titel: “Parabens, Safety, Cancer, and Cosmetics: What does the Science say?”.

Die Blogautorin stellte sich nämlich dieselbe Frage: Welche Kosmetik Datenbanken sind glaubwürdig? Und schaute hinter zwei online Informationsquellen, die sich mit der Analyse von Inhaltsstoffen in Hautpflege und deren Kategorisierung zwischen „sicher“ und „unsicher“ befassen. Es handelt sich dabei um:

  • Environmental Working Group (EGW)
  • und Cosmetic Ingredient Review (CIR).

Die erstgenannte Datenbank, EGW, könnte einigen von Euch im Begriff sein, denn bei der Suche nach Inhaltsstoffen und Bewertungen von fertigen Pflegeprodukten kommt man um die EWG-Beschreibungen nicht herum. Die Sprache ist einfach, die Analysen graphisch dargestellt und knapp – was will man mehr, wenn eine schnelle Antwort gesucht wird?

Die Datenbank von CIR hingegen ist viel detaillierter aufgebaut und die veröffentlichten Studien und Berichte lang und ausführlich. Hat man die Zeit dafür? Kaum. Doch wenn man sich mit den eigenen Pflegeprodukten ernsthaft auseinander setzen möchte, lohnt sich die Zeitinvestition auf jeden Fall!

In ihrem sehr gut recherchierten Blogpost weist die junge Singapurianerin auf den qualitativen Unterschied in Bezug auf die glaubwürdige Expertise und die Transparenz von Entscheidungsprozessen beim CIR – und genau das Gegenteil bei der EGW hin.


Cosmetic Ingredient Review – glaubwürdige Bewertungsgrundlage

Dies habe ich selbst nachgeprüft und es stimmt, dass die Arbeitsweise von CRI in der Tat sehr transparent ist:

  • Um die Sicherheit eines Inhaltsstoffes nachzuprüfen, werden erstens sämtliche dafür relevanten Forschungsergebnisse ausgewertet.
  • Zweitens wird ein Panel von Experten ausgerufen, die über die Studienergebnisse sprechen und letztendlich entscheiden, ob die Nutzung von einem gegebenen Inhaltsstoff sicher ist. Das Experten-Panel setzt sich ausschließlich aus Wissenschaftlern mit einem Doktortitel in den relevanten Forschungsbereichen wie Medizin, Pharmakologie, Biologie, Chemie, Toxikologie etc. zusammen.
  • Nach den jeweiligen Experten-Diskussionen, die meist länger als nur einen Tag dauern, werden schließlich nicht nur Endberichte online veröffentlicht, sondern ebenfalls ein vollständiges Protokoll der während der Diskussionen geführten Gespräche. How great is this?

Zusammenfassend basiert die Glaubwürdigkeit von CIR auf drei Bausteinen:

  1. Bei den Analysen werden bisherige Forschungsergebnisse ausgewertet.
  2. Die Experten-Runde besteht aus Menschen, die tatsächlich eine entsprechende Expertise vorweisen.
  3. Die Ergebnisse sowie Protokolle aus Expertendiskussionen sind öffentlich zugänglich.

EWG als Informationsquelle? Nein, danke!

Woraus eine „safe“ und „unsafe“-Bewertung bei der EWG resultiert, weiß hingegen… keiner so richtig. Die wissenschaftlichen Studien werden selektiv ausgewertet und es wird eine arbiträre Anzahl davon zur Einsicht genommen. Die Autorin weißt auf das Beispiel Methylparaben, bei dessen „Analyse“ lediglich 15 Quellen genannt wurden, wovon nur einige als „wissenschaftlich“ qualifizierbar sind.

Dabei nimmt die EWG oftmals Bezug auf eine Zusammenfassung von wissenschaftlichen Studien anstatt die Originalergebnisse.

Darüber hinaus kommt es bei der EWG vor, die Evidenz zu manipulieren bzw. die fehlende Evidenz vorzutäuschen. Beispiel: Ein Text der Europäische Kommission von 2007 wird als „starke Evidenz“ für hormonale Störung durch Methylparabe herangezogen, während in dem Text das Wort „Parabene“ sogar nicht vorkommt (hier könnt Ihr es selbst nachprüfen).

Über das nächste Beispiel könnte man lachen, wenn nicht die Tatsache, dass die EWG Homepage für viele Laien als INCI-Orakel schlechthin verehrt wird: So macht sich ein anderer Blogger und Forscher – Colin ­–, der in dem kosmetischen Business nach Eigenangaben seit 30 Jahren (teilweise als Berater) tätig ist, über die EGW verheerende Bewertung von „Polyparaben“ lustig. Das Problem liegt darin, dass es so etwas wie “Polyparabene” überhaupt nicht gibt. Colin schreibt dazu wie folgt:

„Clearly the assessments are carried out by somebody with little idea of what they are doing. Anyone can make a mistake, but this particular mistake would only have been made by someone completely ignorant about basic science.” (Quelle)

„Diese Einschätzung kommt offenbar von einer Person, die keine Ahnung hat. Jeder kann Fehler machen; doch in diesem Fall konnte der Fehler nur von jemandem gemacht worden sein, der in Sachen Wissenschaft komplett unbewandert ist.“  (meine Übersetzung).

Auf seinem Blogpost steht immer noch das Bild von der EWG-Bewertung der “Polyparabene”; die aus der EWG-Homepage inzwischen herausgenommen wurde. Außerdem weist Colin darauf hin, dass die EWG zuweilen Studien zitiert, die gar nicht existieren.

Laut Perry Romanowski, einem im kosmetischen Bereich tätigen Chemiker, liefert EWG “junk information filled with half truths and misunderstandings of science” (Quelle). Und: “If groups like the EWG are able to shape public opinion, it’s not promising” (Quelle).

Nicht zuletzt kann sich jemand fragen, wer bei der EWG eigentlich die Daten auswertet und wie der Entscheidungsprozess aussieht? Im Gegensatz zu CIR bekommt man darauf jedoch keine öffentlich zugängliche Antwort.


EWG versus CIR

Unten seht Ihr noch mal graphisch dargestellt die (mangelnde) Transparenz der Entscheidungsprozesse beim CIR und der EWG – abgedruckt vom Musicalhouses.


Welche Kosmetik Datenbanken sind glaubwürdig? – Mein Fazit

Erstens, sollte man bei der Bewertung von Inhaltsstoffen bzw. Kosmetik durch die EWG aufpassen, da dies keine auf der Wissenschaft aufgebaute Datenbank ist, sondern eine (Lobby?)Gruppe von Menschen, die ihre Daten selektiv auswerten. Kein ernsthafter Wissenschaftler würde sich inzwischen auf die EWG als Quelle beziehen. (Bereits Wikipedia als Quelle gälte als weniger peinlich, obwohl… vielleicht doch?).

Zweitens, wäre es ideal, wenn man etwas Zeit in die Recherche investieren könnte, d.h. mehrere Quellen auswerten und am besten die Ergebnisse in peer-reviewed Fachzeitschriften zu Nutzen ziehen würden, bevor man sich für den Kauf eines Pflegeproduktes entscheidet. Jaaa, Eure immer größer werdende Augen sehe ich… „Wer hat dafür Zeit?“ Kaum einer. Daher befürchte ich, dass die EWG als “Erkenntnisquelle” weiterhin genutzt wird.

Oder was meint Ihr? Wo sucht Ihr eigentlich nach Bewertung von Hautpflege und Kosmetik im Allgemeinen? Welche Bewertungsquelle findet Ihr glaubwürdig. Erzählt bitte!

Welche Kosmetik Datenbanken sind glaubwürdig? Skincare Helper

Eure Pia   


Mehr zum Thema Hautpflege:

  Hautpflege bei Babys, Kinder und empfindlicher Haut (PDF)

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11 Comments

  1. Elisabeth P.
    October 19, 2020 / 9:11 pm

    ich kenne beide datenbanken nicht – muss ich gestehen. ich benütze immer nur incidecoder, das finde ich sehr übersichtlich

  2. August 16, 2014 / 12:09 pm

    Ein toller und informativer Bericht, vielen lieben Dank dafür.
    Würde mich über beide Themen freuen 😉 Habe mir vor kurzem auch die LRP Anthelios Ultra Leger Gesichtspflege mit LSF 50 gekauft. Bin gespannt wie Du sie findest 😉 LG

    • August 16, 2014 / 7:47 pm

      Danke Jules. Morgen kommt der Anthelios-Bericht. Meine Meinung zu dem Ultra Light Zeug wird leider nicht ganz positiv auflassen. Verträgst Du es gut? Trägst Du es täglich oder nur während des Urlaubs?
      Muss gleich schauen, was sich bei Dir auf dem Blog abspielt…

      • August 17, 2014 / 12:25 pm

        Ich habe es an sehr warmen und sonnigen Tagen verwendet. Bislang habe ich es gut vertragen. Hab es aber noch nicht soo lange im Gebrauch und werde es erstmal weiter testen 😉 Bin gespannt was Du berichtest. LG

  3. diealex
    August 13, 2014 / 11:15 am

    Ein wichtiges und leider echt kompliziertes Thema sprichst Du da an. Danke für den informativen und ausführlichen Bericht! Und im übrigen bin ich auch für Sonnencreme! Aber die Sommer-Kosmetiklieblinge sind nur aufgeschoben nicht aufgehoben, gell?!?
    Viele Grüße, die Alex

    • August 13, 2014 / 7:11 pm

      Aufgehoben, nie… 😉 Übrigens, hat sich Anna, die die UD Palette “gewonnen” hat noch nicht bei mir gemeldet. D.h., die Verlosung findet am Sonntag noch mal statt.

  4. Melin
    August 10, 2014 / 2:23 pm

    Anthelios 😉

  5. gwenhwyfar10
    August 10, 2014 / 11:19 am

    Toller Artikel! Ich wäre für LRP nächste Woche 🙂

    • August 10, 2014 / 11:22 pm

      Danke Gwen. Danach siehts aus… 🙂 Ich bin noch im Urlaub, versuche aber für den kommenden Sonntag etwas Vernünftiges vorzubereiten. Habe eine ruhige Nacht und gute nächste Woche!

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