Vitamin C Serum – Penetration, Stabilität, Konzentration

Was ist das beste Vitamin C Serum, fragt Ihr?

Ein gutes Vitamin C Serum muss folgende Eigenschaften haben:

  • stabil sein
  • Ascorbinsäure oder ein bewährtes Vitamin C Derivat enthalten
  • eine vernünftige Konzentration des Wirkstoffs aufweisen
  • einen optimalen pH-Wert haben
  • die Haut penetrieren können.

Gibt es solche Pflegeprodukte auf dem Markt? Durchaus!

Heute kommt der zweite Teil unserer Blogreihe zu Vitamin C in Hautpflegeprodukten.

Dabei geht es um die Frage, ob und wie ein Vitamin C Serum positive Wirkung auf die Haut entfalten kann? Die gesamte Blogreihe zum Vitamin C in Hautpflege findet Ihr ganz unten.


Optimale Konzentration von Vitamin C in Gesichtspflege

Wie viel Ascorbinsäure soll ein effektives Vitamin C Serum enthalten, fragt Ihr?

Studien zeigen, dass Ascorbinsäure bereits ab einer 3%-Konzentration Faltenreduktion und Kollagenproduktion bewirken kann.

Allerdings geht man davon aus, dass die Effizienz von Ascorbinsäure auf die Haut proportional zu deren Konzentration ausfällt. Das ist aber nur bis ca. 20% der Fall. Die Konzentration von Ascorbinsäure in einer Dosierung von über 20% verstärkt die Wirkung des Wirkstoffes nicht (Quelle 1).

Weitere Studien sind meines Erachtens notwendig, um diese Behauptung zu bestätigen.

Derzeit geht die Forschung jedoch davon aus, dass ein 1520% Vitamin C Serum am effektivsten wirkt.


Kann ein Vitamin C Serum die Haut penetrieren?

Die Penetration von Vitamin C in die Haut ist von der Formulierung eines Pflegeproduktes abhängig. Hier geht es vor allem um den richtigen pH-Wert: Ein Vitamin C Serum mit Ascorbinsäure muss einen pH-Wert geringer als 3.5 aufweisen. Ein pH <2.5 kann wiederum zu einer unnötigen Irritation der Haut führen.

Ein idealer pH-Wert eines Vitamin C Serums würde sich somit zwischen 2.5 und 2.8 bewegen (Quelle).

Was passiert, wenn ein Vitamin C Serum (mit Ascorbinsäure) einen höheren pH-Wert hat?

Das Präparat wird sehr schnell oxidieren.

  Woher weißt man, dass ein Vitamin C oxidiert ist? Das kann man wahrnehmen durch:

  • eine veränderte Farbe des Gesichtsproduktes (es wird dunkler)
  • einen veränderten Geruch

Muss Vitamin C topisch auf die Haut aufgetragen werden?

Ja, die Verwendung vom Vitamin C muss topisch – d.h. durch den Auftrag auf die Haut – erfolgen, um die positive Wirkung auf die Haut zu entfalten (Quelle).

Eine orale Aufnahme von Vitamin C (z.B. in Form von Tabletten) zeigte nämlich keine signifikante Auswirkung auf den Zustand der Haut (klick).


Wie kann ein Vitamin C Serum stabil formuliert werden?

Wie erwähnt, ist ein Serum mit Ascorbinsäure sehr instabil. Sobald der Wirkstoff Luft und Licht ausgesetzt wird, beginnt ein schneller Oxidationsprozess (Quelle).

Im Zuge der Oxidierung bilden sich in der Haut freie Radikale. Im Gegensatz zu einem frischen Vitamin C Produkt, das als Antioxidans und Radikalfänger agiert, bildet ein oxidiertes Vitamin C Serum selbst freie Radikale in der Haut!

Ascorbinsäure ist die potenteste aber gleichzeitig am wenigsten stabile Form von Vitamin C.

Daher bemühen sich Kosmetikunternehmen darum, Gesichtscremes mit Vitamin C möglichst stabil zu halten.

Welche Stabilisierungsmöglichkeiten von Hautpflege mit Vitamin C gibt es denn derzeit?

  • Ascorbinsäure zeigt eine bessere Stabilität in höherer Dosierung (so wirkt das Vitamin C dann quasi auf sich selbst antioxidativ).
  • Hohe Temperaturen beschleunigen die Oxidierung von Ascorbinsäure. Ein Vitamin C Serum sollte somit kalt gelagert werden. Im Kühlschrank? In heißen, sommerlichen Temperaturen wäre das wahrscheinlich die beste Aufbewahrungsalternative.
  • Ein Vitamin C Produkt sollte lichtdicht verpackt sein. Glas und Alutuben sind Plastikverpackungen vorzuziehen, da Plastik teilweise luftdurchlässig ist.
  • Wie oben erwähnt, ist Ascorbinsäure viel stabiler in saurem pH-Umfeld.
  • Studien zeigen, dass Stabilität von Ascorbinsäure in Hautpflege durch Beigabe von dem Emulgatoren Palmitinsäure (INCI: palmitic acid) und dem Feuchthaltemittel Glycerin erhöht werden kann. Palmitic acid wäre myristic acid und stearic acid vorzuziehen. Glycerin stabilisiert Ascorbinsäure wiederum besser als andere Feuchthaltemittel wie etwa ethylene glycol oder propylene glycol.
  • Die Stabilität von einem Vitamin C Serum erhöht außerdem die Einkapselung der Ascorbinsäure in einer solid-in-oil Nano-Suspension bzw. negativ aufgeladenen Liposomen ((Majone-Silva et al (2019): Ascorbic acid encapsulated into negatively charged liposomes exhibits increased skin permeation, retention and enhances collagen synthesis by fibroblasts,  in: Sci Rep 9522)
  • Ferner kann ein Vitamin C Serum durch die Beigabe von Ferulasäure (INCI: ferulic acid) stabilisiert werden (klick klick klick klick). Diese Kombination wird allerdings durch ein Patent geschützt ( zu dem berühmten Vitamin C Serum – CEF Serum – von SkinCeuticals, s. hier). Kosmetikunternehmen, die nicht zum L’Oreal Konzern gehören und trotzdem Ferulasäure einem Vitamin C Serum beifügen wollen, nutzen daher meist weniger als 0.2% von Ferulasäure, da dies unter der Patent-Grenze liegt.

Wie soll ein Vitamin Serum gelagert werden?

Wir können aber selbst gegen eine schnelle Oxidierung von Vitamin C Pflegeprodukten arbeiten, indem diese entsprechend aufbewahrt werden.

Ein Vitamin C Serum mit Ascorbinsäure soll unbedingt in einer dunkleren Umgebung gelagert werden (z.B. in einer Schublade oder in einem Schrank). Dein Vitamin C Serum soll nach dem Öffnen der Verpackung schnell entnommen und nicht lange dem Licht ausgesetzt werden.

Eine Degradierung von Ascorbinsäure ist in dunkleren Verhältnissen 70 Mal langsamer als beim Tageslicht.


Vitamin C und Vitamin E in Kombination

Wenn wir gerade bei der Formulierung von einem Vitamin C Serum sind, muss noch unbedingt auf positive Aspekte aus der Kombination von zweier Vitaminen hingewiesen werden: C und E.

Wissenschaftliche Quellen bestätigen nämlich, dass eine Kombination von Vitamin C und E in einem Serum bzw. einer Creme die jeweils positive Wirkung beider Inhaltsstoffe auf die Haut noch zusätzlich verstärkt (klick).

  • Die Kombination von Vitaminen C und E in Hautpflege verbessert den Sonnenschutz eines Pflegeproduktes, da beide Vitaminen ein ausgezeichnetes Radikalfänger-Duo darstellen. Das ist u.a. deshalb der Fall, weil Vitamin C (Ascorbinsäure) wasserlöslich ist und somit freie Radikale innerhalb der Plasma in der Haut fängt. Demgegenüber ist Vitamin E fettlöslich und jagt daher effizient nach freie Radikalen innerhalb der Hautmembranen (Quellen: hier hier und hier). (In einer der Studien, die auf die positive Wirkung des Power-Duos hinweist, wurden 15% Ascorbinsäure und 1% Vitamin E eingesetzt, klick).
  • Außerdem verhindert die Kombination von Vitaminen C und E die Erhöhung von Metalloproteinasen, welche die Bindegeweben in der Haut schädigen (klick).

Daraus resultiert, dass unsere Haut von einem Vitamin C Serum besonders profitiert, wenn es zugleich auch eine vernünftige Dosis von Vitamin E enthält.


Sind Derivate von Vitamin C genauso potent wie Ascorbinsäure?

Wie verhält es sich mit Derivaten von Ascorbinsäure in Hautpflege? Sind Seren mit anderen Varianten von Vitamin C genauso effektiv wie solche, die mit einer reinen Ascorbinsäure formuliert sind?

Sollte dieser Frage hier nachgegangen werden, wäre der Beitrag unmöglich lang. Daher werden wir uns in ein paar Tagen mit stabilen Vitamin C Formen auseinandersetzen, u.a. mit Magnesium Ascorbyl Phosphate (MAP) und Tetrahexyldecyl Ascorbate (Tetra).

Anschließend kommt eine Zusammenfassung der beiden Beiträge für die Gemütlichen unter Euch, die sich mit langen Texten nicht anfreunden können! 🙂

Blogreihe zu Vitamin C in Hautpflege – Übersicht

Teil 1: Wirkung von Vitamin C auf die Haut (hier)

  1. Was wird gemeint, wenn von Vitamin C in Hautpflege gesprochen wird?
  2. Welche Wirkung auf die Haut hat Vitamin C (Ascorbinsäure)?

Teil 2: Konzentration, Penetration und Stabilität von Vitamin C in Hautpflege (hier)

  1. Warum ist eine Kombination von Vitaminen C und E für die Haut besonders günstig?
  2. Welche Konzentration von Ascorbinsäure in Pflegeprodukten ist wirkungsvoll?
  3. Inwiefern penetriert Vitamin C die Haut(-schichten)?
  4. Wie kann ein Vitamin C Serum stabil formuliert werden?

Teil 3: Ascorbinsäure und Vitamin C Derivate (hier)

  • magnesium ascorbyl phosphate (MAP)
  • tetrahexyldecyl ascorbate (TETRA)
  • ascorbyl palmitate (AP)
  • sodium ascorbyl phosphate (SAP)
  • ascorbyl glucoside (AA2G)  etc.

Teil 4: Zusammenfassung: Vitamin C in Hautpflege (hier)

lankFür Euer Feedback und Anregungen, was Vitamin C in Hautpflege anbelangt, bin ich wie immer offen und dankbar!

Viele Grüße  Eure Pia

Buy me a coffee


Quellen

Farris PK.: Cosmetical Vitamins, Vitamin C (2009): in: Draelos ZD, Dover JS, Alam M. (Hg): Cosmeceuticals. Procedures in Cosmetic Dermatology, 2. Auf.,  New York: Saunders Elsevier, S. 51-56

5 1 vote
Bewertung
Subscribe
Notify of
guest
26 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Ngan Kling

Liebe Pia,

ich habe gestern deinen Blog entdeckt und kann das Handy seitdem nicht weglegen!
Mir fällt es sehr leicht, deine Artikel zu lesen, da sie übersichtlich, präzise und vor allem verständlich sind. Sie lesen sich wirklich gut!
Ich finde die Zusammenfassung und Verlinkung total toll.

Bei diesem Artikel habe ich mich gefragt, warum nicht alle Unternehmen dann Patente beantragen, um ihr Produkt zu schützen. Aber das wäre eine Frage, der ich später nachgehe.
Erst einmal muss ich noch die 40+ offenen tabs durchlesen 😀

Danke für deinen Input! Ich finde es toll, einmal Informationen unabhängig von Kosmetikherstellern zu lesen. Denn das liest sich meistens so zugeschnitten auf deren Produkte.

Liebe Grüße
Nani

Nadi

Hallo liebe Pia,
in die Vitamin C Thematik lese ich mich gerade erst ein und finde es wirklich bemerkenswert wie viel Mühe du dir gibst. Vielen Dank dafür!
Es macht immer großen Spaß deine Beiträge zu lesen.
Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende für euch,
Nadi

Caro

Hallo Pia! Hach ich liebe deinen Blog so. Bin schon wieder stundenlang am stöbern.. Zum vitamin c habe ich eine Frage und zwar, was du davon hältst, bei relativ un sensibler, aber zu akne neigender haut ein Gesichtswasser aus löslichem vitamin c pulver (L-Ascorbinsäure) zu machen? (mit richtigem ph wert und immer frisch, also kurz vor der Anwendung) Ist zwar dann als wässrige Lösung potentiell irritierend /austrocknend aber mit okklusivum drüber dürfte sich die Austrocknung ja in Grenzen halten.
Ganz liebe Grüße!

Pia

Hallo Pia,
Ich bin ein absoluter Neuling im Bereich der Hautpflege. Bisher habe ich nur drauf geachtet, dass die Produkte nicht hormonell wirksam sind und möglichst natürlich. Nun lese ich in verschiedenen Foren, dass natürliche Produkte nicht gleich die besseren sind 🙂 jetzt wollte ich mir das Diadermine, welches du auf Instagram gepostet hast, zulegen. Du schreibst ja in deinen Artikeln, dass die Produkte reizen. Ich habe eine empfindliche Haut und es wird daher sicherlich auch bei mir reizen nun zu meiner Frage ? Wie genau verwende ich das Produkt. Ich trage es auf und schminke mich dann gewohnt? Benutze ich es nur abends? Und muss noch etwas anderes pflegendes nutzen? Ich bin noch total hilflos. Viele Dank für deinen tollen Blog. Ich finde es sehr gut, dass du dich auf Studien beziehst und uns an den Ergebnissen teilhaben lässt.

Liebe Grüße Pia

Warenkorb
26
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x
Scroll to Top