Stabile UVA-Filter in Sonnencremes

Welche UV Filter sind stabil? Fokus auf UVA Filter

In unserem ersten Beitrag zum Thema Vorzeitige Hautalterung und UVA-Strahlen habe ich darauf hingewiesen, dass ein guter Sonnenschutz die beste Antifaltencreme darstellt.

Ein guter Sonnenschutz muss hingegen einen hohen UVA-Schutzwert aufweisen.

Der UVA-Wert hängt wiederum u.a. von der Photostabilität der eingesetzten UV-Filtern ab.

Nun, sind stabile UVA-Filter etwas, woran man sich überhaupt Gedanken machen muss?

In der Vergangenheit wurde das Thema der Photostabilität von UV-Filtern oft diskutiert. Heute gibt es eine Menge an Möglichkeiten, auch die instabile UV-Filter in einer Sonnencreme zu stabilisieren. Schauen wir uns somit die heutigen UVA-Filter an.


Stabile UVA-Filter in Sonnencremes

Chemische UVA-Filter

Chemische UV-Filter, auch organische Filter genannt, absorbieren das UV-Licht in der Haut und wandeln es in Wärme um. Zu chemischen UVA-Filtern gehören:

  • Avobenzone (INCI: butyl methoxydibenzoylmethane) – wird seit Jahren in den meisten Sonnencremes mit UVA-Schutz verwendet. Erst neulich fand man jedoch heraus, dass der Filter sehr instabil ist. Abovenzone wird unter Sonnenbestrahlung abgebaut und verursacht freie Radikalen. Die Schutzsubstanz macht also ziemlich das Gegenteil, was man von einem UV-Filter erwartet. Doch sollte Avobenzone mit Octocrylene bzw. Mexoryl oder Tinosorb gepaart werden, erhält diese Kombination seine Photostabilität.  UPDATE: Da mich die Photostabilität von Avobenzone + Octocrylene, die ja in den meisten Tagespflegen zu finden ist, beschäftigte, habe ich dazu noch einmal recherchiert. In einer Studie von 2014 wird behauptet, dass die Kombination von Avobenzon und Octocrylen die Degradation von Avobenzone (und somit die Verminderung des gesamten UVA-Schutzes) zwar reduziert, aber nicht vollkommen eliminiert:

“To manage the photostability of avobenzone, thus ensuring maximum efficiency, a variety of photostabilizers are typically combined with it, including other UV filters such octocrylene as illustrated in Fig. 1b (11), and excited state quenchers such as diethylhexyl 2,6-naphthalate and ethylhexyl methoxycrylene (2, 12). Whereas these formulation developments reduce photo-degradation, they do not completely eliminate it. ” (Quelle 1) (meine Hervorhebungen)

Sollte Euer Tagescreme mit UV-Filtern auf dem Duo: Avobenzone +  Octocrylene basieren, achte darauf, ob weitere Stabilisatoren enthalten sind (s.unten). Ob hierdurch die Formulierung photostabil ist, kann jedoch nicht garantiert werden. Avobenzone wird durch weitere Inhaltsstoffe stabilisiert:

  • diethylhexyl 2, 6-napththalate
  • Tinosorb M
  • Polisilikone
  • 4-methylbenzylidene camphor
  • Polycrylene/Polyester-8

  • Mexoryl SX (INCI: terephthalylidene dicamphor sulfonic acid aka Ecamsule) – ist ein von L’Oreal patentierter Inhaltsstoff und zugleich ein sehr stabiler UVA-Filter. Man findet ihn u.a. in Produkten von Kiehl’s, Skinceutical oder La Roche Posay (Anthelios-Serie). Der Sonnenfilter ist sehr stabil, insbesondere in Kombination mit Mexoryl XL.


  • Tinosorb S (INCI: bis-ethylhexyloxyphenol methoxyphenyl triazine) – ist mein UVA-Lieblingsfilter. Tinosorb gilt als sicher, photostabiler Sonnenfilter, der nicht in tiefere Hautstruktur eindringt und in Bezug auf welches, sofern ich weiß, bisher keine gesundheitsschädlichen Konsequenzen aufgedeckt wurden. Darüber hinaus wurden in einer Studie fünf Sonnencremes mit SPF 20 unter dem UVA-Schutzaspekt bewertet (hergestellt in 2008). Die zwei besten enthielten Tinosorb S, Tinosorb M plus Avobenzone. Das sicherste Sonnenschutzmittel enthielt: 2,5% Tinosorb S, 3% Avobenzone und 2,5% Tinosorb M. Der zweitbeste enthielt: 1,5% Tinosorb S, 1,5% Avobenzone und 1,5% Tinosorb M. (Erwähnenswert ist dabei, dass der UVA-Schutz in beiden Produkten die Hälfte anstatt ein Drittel des Gesamtschutzes ausmachte!)

  • Uvinul-A-plus (INCI: Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate) – ein relativ neuer UVA-Filter auf dem Markt mit exzellenter Stabilität (etwa hier). Uvinul A findet Ihr etwa in Sonnencremes von Klairs (Kurzreview), Eubos, Daylong.

Mineralische UVA-Filter

Mineralische UV-Filter, auch anorganische oder physikalische Filter genannt, streuen und reflektieren aber auch absorbieren das UV-Licht. Mehr dazu findet Ihr in dem Beitrag  Titandioxid, are you kidding me?

  •  Zinkoxid (INCI: zinc oxide) wird oft als der beste und “gesündeste” UVA-Filter bezeichnet. Ich habe lange Zeit nach einer guten Sonnenschutzcreme mit genügend Zinkoxid gesucht. Vergeblich. Cremes mit mehr als 15% Zinkoxid entweder weißeln zu stark oder sind zu fettig, sodass man ständig das Gefühl hat, „etwas auf der Haut zu haben“. Darüber hinaus riechen diejenigen, die ich ausprobiert habe, sehr unangenehm (subjektive Wahrnehmung, wohl gemerkt!). Außerdem ist es aus meiner Sicht völlig kontraproduktiv, auf den physikalischen Schutz eine Foundation aufzutragen (s. unten). Allerdings deckt Zinkoxid tatsächlich den gesamten UVA-Bereich ab.

  • Titandioxid (INCI: titanium dioxide) – deckt nicht das ganze UVA-Spektrum ab. Er deckt nämlich nicht den längerwelligen UVA1-Bereich ab! Doch 75% von allen UVA-Strahlen bestehen ausgerechnet aus dem UVA1-Licht (340-400mm) (Quelle Nr. 2)! Leider wird Titandioxid von einigen Kosmetikfirmen als einziger UVA-Filter eingesetzt. Die Creme werden trotzdem als “Broad Spectrum” bezeichnet, da dies mit den US-Regeln konform ist (s. hier). Wie oft wird Clarins UV Plus HP, der allein auf Titandioxid als UVA-Schutz basiert, als „Holy Grail“ bezeichnet? Wenn aber eine Sonnenschutzcreme die Haut unvollständig vor UVA-Strahlen schützt, why bother? 

Mineralische Filter und Nano-Partikel

Nachtrag: Ein neuer Beitrag zu mineralischen Filtern, die womöglich das Licht  in erster Linie absorbieren, anstatt es zu reflektieren (wahrscheinlich aber nur im Nano-Bereich) findet Ihr hier: Titandioxid, are you kidding me?!

Hier findet Ihr meine Einstellung zu Nano-Produkten.

Hier findet Ihr eine vollständige Liste von allen UV-Filtern (Stand 2012)

Eine Übersicht zu den derzeit angewandten UV-Filtern und wichtige Grundlagen zu organischen und anorganischen Filtern findet Ihr in diesem sehr empfehlenswerten Beitrag von Sarah.


PPD & Co – die Verwirrung rund um den UVA-Wert

PPD (engl. Persistent Pigment Darkening) ist quasi eine UVA-Entsprechung für den Lichtschutzfaktor (LSF/SPF), der nur den UVB-Wert misst. Sollte der PPD-Wert höher als 8 sein, wird es auf der Verpackung als PPD+++ dargestellt.

Seit einigen Jahren wird auch eine andere Methode getestet: The Immediate Pigment Darkening (IPD). Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Forschung bemüht, die lange Zeit vernachlässigte Festlegung des UVA-Schutzes in den Sonnencremen genauer zu berechnen.

Auch gehen die neuesten Bemühungen in die Richtung einer einheitlichen, regionübergreifenden Test- bzw. Bemessungsmethode für die Berechnung des UVA-Schutzes.

Allerdings werden wir das Thema hier nicht weiter vertiefen, da es auf dem Blog dazu inzwischen drei ausführliche Beiträge gibt  Wie misst man den UVA-Schutz? Alle Messmethoden im Überblick


Stabile UVA-Filter und Antioxidantien – die Grundlage einer Anti-Aging-Strategie

Nachdem wir in dem letzten Blogpost die Relevanz eines täglichen Auftrags von Sonnenmitteln besprochen haben und in diesem Beitrag auf stabile UVA-Filter diskutiert haben, kommt in dem abschließenden dritten Beitrag das Thema: Antioxidantien im Sonnenschutz vor. Da UV-Strahlen, und dabei insbesondere das UVA-Licht, zur Bildung von freien Radikalen beitragen, ist das Antidotum – Antioxidantien in Hautpflege – ein Muss. Welche Antioxidantien in der Gesichtspflege besonders empfehlenswert sind, lest Ihr   in diesem Blogpost: Antioxidantien im Schutz vor Photoaging.


Quellenangaben

Quelle Nr. 1: Zahn/Graef/Patsinakidis (2014): Ultraviolet light protection by a sunscreen prevents interferon-driven skin inflammation in cutaneous lupus erythematosus, in: Experimental Dermatology, 23(7): 516-518

Quelle 2: Wang/Smith/Tran (2014): Dermal Damage Promoted by Repeated Low-Level UV-A1 Exposure Despite Tanning Response in Human Skin, in: JAMA Dermatology, 150(4), 401-406

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Oliver

Sehr interessant,
ich suche allerdings einen reinen UVA-Filter, der UVB durchlässig ist speziell im BEreich 296-305 NM Hätten sie da ein KOsmetika?

axara09

Hallo Pia!

Eine Frage hätte ich bzgl. Avobenzone. Habe des Öfteren gelesen, dass man diesen Filter nicht mit mineralischen Filter kombinieren sollte (z.b. in Form einer BB-Cream mit Zinkoxid oder Titanium Dioxid), da diese die Stabilität von Avobenzone zerstören.
Gilt dies auch wenn Avobenzone mit z.b. Tinosorb S stabilisiert wird?
Danke dir!

Diana

Hallo liebe Pia,
erst mal vielen Dank für die großartige Arbeit die Du hier leistest! Du gehörst inzwischen zu meinen Top-Quellen, wenn ich mich über Inhaltsstoffe informieren möchte bzw leite ich Deine Artikel gerne an Freunde weiter… (Und die Serie über Akne finde ich GANZ große Klasse!)
Ich habe diesen alten Artikel jetzt ausgegraben, weil ich nach AHA und BHA nun auch Retinol in meine Pflege integrieren möchte und noch mal genauer sicher gehen wollte, dass der Sonnenschutz meines Vertrauens (von Alga Maris) ausreichend UVA-Schutz gewährleistet. Laut Deiner Infos sollte dieses so sein, ich würde mich trotzdem sehr freuen wenn Du einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen könntest 🙂 Eine entsprechende Anfrage beim Hersteller blieb leider unbeantwortet…

Momentan nutze ich den getönten SPF 30 – habe recht fettige Haut und er ist bei mir gleichzeitig Tagescreme, Sonnenschutz und Make-Up! Die Haut ölt nicht übermäßig, fühlt sich gut gepflegt an und da die Deckkraft sehr lang hält, gehe ich mal davon aus, dass der Sonnenschutz es auch tut 😉
INCI: Aqua, Coconut Alkanes, Caprylic/Capric Triglyceride, Titanium Dioxide, Sorbitan Olivate, Zinc Oxide, Talc, Silica, Glycerin**, Polyglyceryl-2 Dipolyhydroxystearate, Coco-Caprylate/Caprate, Parfum, Octyldodecanol, Alumina, Polyglyceryl-3 Diisostearate, Stearic Acid, Glyceryl Caprylate, Magnesium Sulfate, Gelidium Sesquipedale Extract, Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder*, CI 77492, Potassium Olivoyl PCA, Maris Aqua, Sodium Benzoate, CI 77491, Potassium Sorbate, CI 77499, Tocopherol, Jojoba Esters, Trihydroxystearin, Helianthus Annuus Seed Oil, Sodium Hydroxide

Will nun mit Retinol allerdings auf SPF 50 umsteigen, von dem ich schwer hoffe, dass es auch davon bald eine getönte Version gibt… Habe ihn nur mal um die Augen getestet, konnte da kein Weißeln feststellen und übermäßig klebrig ist er auch nicht; hoffentlich bleibt das in der Langzeitanwendung auch so…
INCI: Caprylic/Capric Triglyceride, Coconut Alkanes, Zinc Oxide, Aqua, Titanium Dioxide, Talc, Polyglyceryl-2 Dipolyhydroxystearate, Prunus Domestica Seed Oil*, Sorbitan Olivate, Polyglyceryl-3 Diisostearate, Helianthus Annuus Seed Oil, Glycerin**, Coco-Caprylate/Caprate, Alumina, Stearic Acid, Glyceryl Caprylate, Magnesium Sulfate, Gelidium Sesquipedale Extract, Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder*, Potassium Olivoyl PCA, Maris Aqua, Sodium Benzoate, Tocopherol, Potassium Sorbate, Sodium Hydroxide

Schon mal und nochmals herzlichen Dank und viele Grüße – Diana

Diana

Liebe Pia,
vielen Dank für Deine Antwort, Deine Tipps und Deine Expertise! 🙂 Habe die 50er Version nun einige Tage in Gebrauch und bin echt zufrieden; das Weißeln ist vernächlässigbar (ich trage nach dem Einziehen immer noch eine Schicht von der getönten 30er Version anstelle von Foundation auf) und da ich nicht so großen Wert auf mattierende Produkte lege, finde ich auch, dass es sich auf öliger Haut (zumindest meiner) ganz gut macht, die Konsistenz ist nicht zu schwer und die Haut glänzt nicht stärker als mit anderen Produkten!
Zu den von Dir empfohlenen Cremes (bedankt!): vor allem die Heliocare hat ja echt bombige Inhaltstoffe; da ich aber versuche, Silikone und Mikroplastik in kosmetischen Produkten zu meiden (außer ich finde so gar keine Alternative), kommen die leider eher nicht für mich in Frage…
Nochmals lieben Dank und viele Grüße – Diana

Tanja

Tanja

Hallo Pia!
Im Suncare SPF 30 von uncover skincare sind folgende Filter enthalten:
Uvinul-A-plus (Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate)
Uvinul T150 (Ethylhexyl Triazone)
Ensulizole (Phenylbenzimidazole Sulfonic Acid) und
Tinorb S.

Kennst du erstere drei und kannst du darüber was sagen?
Liebe Grüße
Tanja

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