Wie Rauchen und E-Zigaretten Eure Hautburg angreifen
Stellt Euch vor, Eure Haut wäre eine majestätische Burg mit dicken Steinmauern aus Kollagen, flexiblen Brücken aus Elastin und einem ausgeklügelten Verteidigungssystem aus Immunzellen.
Diese Burg hat Jahrhunderte überdauert und schützt Euch täglich vor allen möglichen Angreifern – UV-Strahlung, Bakterien, Umweltgiften.
Doch dann kommen ungebetene Gäste: graue Rauchwolken von herkömmlichen Zigaretten und weiße Dampfschwaden von E-Zigaretten schleichen sich wie Diebe in der Nacht heran und beginnen systematisch, diese wunderbare Festung zu schwächen.

Heute möchte ich Euch auf eine Burg-Reise mitnehmen und zeigen, was wirklich passiert, wenn diese unerwünschten Eindringlinge Eure Hautburg angreifen. Ich habe für Euch über siebzig wissenschaftliche Studien aus den letzten zwanzig Jahren durchforstet – um Euch ein vollständiges Bild zu geben.
Keine Verurteilung!
Bevor wir anfangen, möchte ich aber etwas klarstellen: Dieses Video ist nicht dazu da, jemanden zu bewerten oder zu verurteilen
Ich weiß, wie schwer es ist, von jeder Art von Abhängigkeit loszukommen (bei mir ist es zB. Schokolade).
Mein Ziel ist es, Euch wissenschaftlich fundierte Informationen zu geben, damit Ihr selbst entscheiden könnt, was Ihr mit diesem Wissen anfangt. Es geht hier um Aufklärung, nicht um Fingerzeig.
(Zum Zucker und Haut kommt auch ein Video. :))
Kollagenverlust – Wenn die Burgmauern bröckeln
Lasst uns mit dem Fundament unserer Hautburg beginnen – dem Kollagen.
Kollagen macht über 70% des Trockengewichts Eurer Dermis aus und ist sozusagen der Mörtel zwischen den Steinen Eurer Burgmauer.
Ohne stabiles Kollagen wird Eure Haut schlaff, bekommt Falten und verliert ihre Spannkraft.
Eine Studie aus Finnland hat die Kollagenproduktion von 74 aktiven Rauchern mit 51 Nichtrauchern verglichen.
Die Ergebnisse waren erschreckend: Bei den Rauchern war die Produktion des wichtigsten Kollagens, nämlich Kollagen Typ 1, um 18% reduziert. Aber das war noch nicht alles – gleichzeitig waren bestimmte Enzyme, die sogenannten Matrix-Metalloproteinasen, um 100% erhöht.
Diese Enzyme funktionieren wie kleine Sprengladungen, die gezielt das vorhandene Kollagen abbauen [1].
Weniger altes Kollagen, weniger neues Kollagen
Stellt Euch vor, Eure Burgarbeiter würden nicht nur weniger neue Steine produzieren, sondern gleichzeitig würden Saboteure die bereits verlegten Steine wieder herausbrechen. Das ist genau das, was in der Haut von Rauchern passiert.
Der Tabakrauch aktiviert diese zerstörerischen Enzyme über verschiedene Signalwege und sorgt dafür, dass die Haut schneller altert.
Bei passivem Rauchen ist der Effekt geringer, aber immer noch messbar. Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Zigarettenrauch ausgesetzt sind, eine um etwa 10-15% verminderte Kollagensynthese aufweisen – im Vergleich zu Menschen, die in rauchfreier Umgebung leben [2].
Was E-Zigaretten angeht, so ist die Forschung noch relativ jung, aber die ersten Ergebnisse sind alarmierend.
In Experimenten mit Hautgewebe zeigten nikotinhaltige E-Zigaretten praktisch dieselben schädlichen Effekte wie herkömmlicher Tabakrauch.
Die Gewebetoxizität war nahezu identisch, und auch hier starben die kollagenproduzierenden Zellen schneller ab .
Pigmentflecken – Die dunklen Schatten an den Burgmauern
Stellt Euch vor, Eure Burgmauern bekommen dunkle Schatten und Flecken, die sich hartnäckig halten und das Erscheinungsbild der gesamten Festung beeinträchtigen.
Denn neben den strukturellen Schäden – wie Kollagenabbau – hinterlässt das Rauchen auch sichtbare Spuren in Form von Pigmentflecken.
Eine faszinierende japanische Studie hat den Mechanismus, der der Pigmentflecken-Entstehung beim Rauchen zu Grunde liegt – entschlüsselt:
Bestimmte Chemikalien im Tabakrauch aktivieren einen speziellen Rezeptor in den Pigmentzellen (den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor).
Dieser Rezeptor ist normalerweise dafür da, Umweltgifte zu erkennen und zu neutralisieren.
Wird er aber durch Tabakrauch stimuliert, beginnt er, die Melaninproduktion anzukurbeln [4].
Ihr wisst: Melanin ist das Pigment, das für die Hautfarbe verantwortlich ist, aber in übermäßigen Mengen führt es zu den unschönen dunklen Flecken, die wir als Altersflecken oder Pigmentflecken kennen.
Besonders interessant ist, dass Menschen mit dunkleren Hauttypen – also Fitzpatrick-Typ III und höher – besonders stark betroffen sind, weil ihre Melanozyten von Natur aus reaktiver sind.
Betrifft der Mechanismus auch Passivraucher? Ja. Sie bleiben auch nicht verschont.
Studien zeigen, dass bereits die regelmäßige Exposition gegenüber Zigarettenrauch das Risiko für Hyperpigmentierung um bis zu 15% erhöhen kann [5].
Bei E-Zigaretten haben Forscher erst kürzlich entdeckt, dass die Trägerflüssigkeiten – also Propylenglykol und pflanzliches Glycerin – plus verschiedene Aromastoffe – die Melaninproduktion um bis zu 35% steigern können.
Interessanterweise kann Nikotin selbst diesen Effekt teilweise wieder abschwächen, bleibt aber dennoch ein Risikofaktor für Pigmentstörungen.
Bei E-Zigaretten ist die Forschung erst in Kinderschuhen, von daher werden wir erst in Zukunft mehr zu diesen Prozessen erfahren können [6].
Neurodermitis und Ekzeme – Risse im Schutzschild
Jetzt kommen wir zu einem besonders wichtigen Thema: dem Einfluss des Rauchens auf entzündliche Hauterkrankungen. Starten wir mit Neurodermitis – hier ist die Datenlage nämlich besonders umfangreich und eindeutig.
Stellt Euch vor, das Schutzschild Eurer Burg bekommt überall kleine Risse und Löcher, durch die Angreifer eindringen können.
Genau das passiert bei Neurodermitis: Die Hautbarriere wird durchlässig, Allergene und Reizstoffe können leichter eindringen, und das Immunsystem reagiert mit chronischen Entzündungen.
Eine Meta-Analyse, die 68 verschiedene Studien mit insgesamt über sechshundertfünfundsiebzigtausend (675.000) Teilnehmern ausgewertet hat, kam zu erschreckenden Ergebnissen.
Menschen, die aktiv rauchen, haben ein um 87 % erhöhtes Risiko, an Neurodermitis zu erkranken.
Aber auch Passivraucher sind betroffen – ihr Risiko steigt immer noch um 18% Prozent [7].
Besonders dramatisch ist die Situation bei Kindern. Eine koreanische Studie mit über zwanzigtausend Jugendlichen zeigte, dass bereits minimale Passivrauchexposition – nur ein Tag pro Woche – das Neurodermitis-Risiko signifikant erhöht.

Bei Kindern, die täglich Zigarettenrauch ausgesetzt sind, steigt die Rate um bis zu 30 %.
Eine deutsche Untersuchung mit über 16.000 Schulanfängern fand sogar einen direkten Dosis-Wirkungs-Zusammenhang:
Pro 100 Nanogramm Cotinin – das ist ein Abbauprodukt von Nikotin – im Urin der Kinder stieg das Neurodermitis-Risiko um 97% .
Das zeigt, wie empfindlich gerade die jungen Hautburgen auf diese Angriffe reagieren.
Bei E-Zigaretten ist die Forschung noch am Anfang, aber bereits jetzt sind mehrere Fälle von Kontaktdermatitis dokumentiert. Die Ursachen sind vielfältig:
Nickel aus den Heizspiralen, verschiedene Aromastoffe und chemische Zusätze in den Liquids können allergische Reaktionen auslösen.
Ein systematisches Review hat gezeigt, dass besonders Menschen mit empfindlicher Haut durch E-Zigaretten-Dampf neue Ekzeme entwickeln können [10].
Psoriasis – Wenn Feuer in der Burg ausbricht
Bei der Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis genannt, können wir uns das so vorstellen, als würden in verschiedenen Teilen der Burg immer wieder kleine Feuer ausbrechen, die schwer zu löschen sind und sich hartnäckig halten.

Mehrere große Meta-Analysen haben den Zusammenhang zwischen Rauchen und Psoriasis untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Aktive Raucher haben ein um 63 % erhöhtes Risiko, an Schuppenflechte zu erkranken.
Aber selbst Menschen, die das Rauchen aufgegeben haben, bleiben mit einem um 36 % erhöhten Risiko belastet [11].
Auch Passivraucher sind betroffen, ihr Risiko steigt um etwa 25 % . Das zeigt, wie aggressiv die Rauchpartikel sind, selbst wenn sie nur indirekt auf die Haut einwirken.
Der Mechanismus dahinter ist komplex:
Tabakrauch aktiviert bestimmte Entzündungskaskaden im Körper und produziert freie Radikale, die das ohnehin schon überaktive Immunsystem bei Psoriasis zusätzlich anheizen
Es ist, als würden Brandstifter durch die Burg laufen und überall kleine Feuer legen.
Besonders problematisch ist, dass Raucher auch schlechter auf moderne Psoriasis-Therapien ansprechen.
Studien zeigen, dass Biologika – das sind hochwirksame Medikamente gegen Schuppenflechte – bei Rauchern deutlich weniger effektiv sind.
Die Feuerwehr der modernen Medizin hat es also schwerer, die Brände zu löschen, wenn ständig neue Brandherde durch das Rauchen entstehen [13].
Akne – Die verstopften Burgtore
Beim Thema Akne gibt es eine faszinierende und überraschende Entdeckung in der Dermatologie.
Eine groß angelegte italienische Studie vom renommierten San Gallicano Institut in Rom hat über tausend Frauen zwischen 25 und 50 Jahren untersucht und dabei eine ganz besondere Form der Akne entdeckt, die fast ausschließlich bei Raucherinnen auftritt [14].
Die Forscher haben diese Form „APAA“ genannt – das steht für „Atypical Post-Adolescent Acne“, also atypische Erwachsenen-Akne.
In besonders schweren Fällen sprechen Dermatologen sogar von „Smoker’s Acne“ – Raucher-Akne.
Stellt Euch vor, die Tore Eurer Hautburg würden nicht durch äußere Angriffe beschädigt, sondern würden durch ständige Rostbildung und Vernachlässigung immer schwergängiger werden, bis sie schließlich komplett klemmen.
Was diese Raucher-Akne so besonders macht, ist ihr anderes Erscheinungsbild im Vergleich zur klassischen Teenager-Akne
Anstatt der typischen roten, entzündeten Pickel entstehen hauptsächlich große, geschlossene Mitesser und kleine zystenartige Knötchen.
Diese konzentrieren sich vor allem auf die Wangen und die Stirn – also genau dort, wo normalerweise bei Erwachsenen eher selten Akne auftritt.

Die Zahlen aus der Studie sind wirklich beeindruckend:
Von allen Frauen mit Erwachsenen-Akne hatten fast 75% diese atypische Form.
Und hier kommt der Clou: Von den Raucherinnen mit Akne hatten über 91% diese spezielle Akne-Form, während es bei Nichtraucherinnen nur knapp 24% waren.
Eine Folgestudie derselben Forschergruppe mit 226 Frauen bestätigte diese Ergebnisse und fand noch weitere Details:
85% aller Erwachsenen-Akne bestand hauptsächlich aus nicht-entzündlichen Mitessern. Von diesen Patientinnen waren 73% Raucherinnen, verglichen mit nur 29% bei der klassischen entzündlichen Akne [15].
Besonders dramatisch wird es bei Frauen, die erst nach dem 25. Lebensjahr zum ersten Mal Akne entwickeln: 84% von ihnen waren Raucherinnen.
Das zeigt, dass Rauchen nicht nur bestehende Hautprobleme verschlimmert, sondern sogar komplett neue Akneformen auslösen kann.
Veränderungen im Sebum von Rauchern
Der biochemische Mechanismus dahinter? Untersuchungen des Hautfetts (Sebum) von Raucherinnen zeigten dramatische Veränderungen: 50% weniger Vitamin E, halbiertes Squalen, dafür vermehrt schädliche Squalen-Peroxide. Gleichzeitig produzierten Raucherinnen mit Akne dreimal so viel Hautfett wie Nichtraucherinnen – aber es war oxidativ geschädigt und verstopfte die Poren.
Nikotin selbst greift direkt in die Hautzellen ein. Bei höheren Konzentrationen führt es zu verstärkter Verhornung der Haut.
Das ist, als würden die Torwächter Eurer Burg ihre Posten nicht mehr ordnungsgemäß wechseln und die Eingänge allmählich mit Schutt und Ablagerungen verstopfen.

Neuere molekulare Daten (doi:10.5114/ada.2024.144520) belegen ergänzend, dass bei Rauchern die Expression antioxidativer Enzyme in Keratinozyten vermindert ist, während proinflammatorische Signalwege verstärkt aktiviert werden. Damit ist oxidativer Stress ein zentraler Mechanismus für Raucher-Akne [16].
Aus all diesen Mechanismen entsteht ein sogenanntes „Raucher-Gesicht„:
blasse, verdickte Haut mit grauem Unterton, erweiterten Poren und punktförmigen Narben – ein Bild, das Dermatologen schon auf den ersten Blick erkennen können.

Wundheilung – Wenn die Reparaturwerkstätten versagen
Zum Abschluss schauen wir uns an, was passiert, wenn Eure Hautburg tatsächlich Schaden nimmt und repariert werden muss. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie sehr Rauchen die natürlichen Heilungsprozesse der Haut beeinträchtigt.
Eine kontrollierte Studie untersuchte die Wundheilung bei 48 aktiven Rauchern und 30 Nichtrauchern. Allen Teilnehmern wurden standardisierte Hautbiopsien von fünf Millimetern entnommen.
Nach einer Woche zeigte sich:
Bei Rauchern waren 72% weniger Makrophagen vorhanden – die Aufräumtrupps.
Gleichzeitig 63% weniger Fibroblasten – die Bauarbeiter, die Kollagen produzieren [17].
Die Reparaturwerkstatt lief also auf Sparflamme.
Der Grund: Nikotin und andere Tabakchemikalien verengen Blutgefäße, blockieren Sauerstoff und Nährstoffe, dämpfen die Immunantwort.
Auch Passivraucher sind betroffen: Studien zeigen, dass die Reparaturzellen um 30% reduziert sein können .
Studien an Rattenhaut zeigen: Nikotinhaltige E-Zigaretten behindern die Wundheilung ähnlich stark wie Tabakrauch. Gefäßverengung, Zellschäden und gestörter Stoffwechsel lassen die Burg-Architektur leiden .
Fazit – unsere Burg verdient Schutz
Unsere Haut ist nicht nur eine einfache Hülle, sondern ein komplexes, lebendiges Organ, das uns täglich beschützt – und im Gegenzug auch Schutz verdient.
Die zahlreichen wissenschaftlichen Studien der letzten 20 Jahre zeigen: Sowohl aktives als auch passives Rauchen schädigen die Haut auf unterschiedliche Art und Weise.
Doch das Wissen soll keine Schuld erzeugen, sondern Euch die Macht geben, Entscheidungen zu treffen.
Wenn Ihr raucht oder dampft und etwas ändern möchtet, gibt es Hilfe.
Wenn Ihr Passivraucher seid, könnt Ihr Strategien entwickeln, Eure Exposition zu minimieren.
Die Hautburg ist das einzige Zuhause, das unsere Zellen haben – und sie verdient Schutz.
Eure Pia
Ich bin soooo sehr auf eure Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema gespannt!

Liebe Pia, ein richtig interessanter Artikel (auch wenn ich und mein Umfeld nicht rauchen). Und die Burg-Analogie fand ich echt eine nette Idee 🙂
Viele Grüße, Judy
Vielen Dank Pia und auch der Kommentar von Tina, für diesen sehr interessanten Beitrag. Der sollte viel öffentlicher bekannt werden.
Liebe Grüße
Hallo Pia,
ja, ein weiterer Grund, um den Glimmstengeln endlich à dieu zu sagen.
(Wobei ich eigentlich schon genug andere hätte; habe eine sog. „Seltene Krankheit“, die erst die Leber angreift, dann die Lunge regelrecht zerstört. COPD und Lungegemphysem sind nur Symptome der eigentlichen Erkrankung. Jeder Infekt ist zu vermeiden. Wenn doch mal einer kommt, unmittelbar und sofort mit Antibiotika drauf. Sauerstoffflasche steht auch parat.)
Weit abgeschweift, sorry. Sollte kein Referat über A1AT werden. Die sog. Plisseefältchen an der Oberlippe kenne ich auch schon. Die machen es schwieriger, Lipgloss einigermaßen ohne „Fransen“ aufzubrechen. Wenn Lippenstift, geht nichts ohne Lipliner.
Störung der Wundheilung? Oh ja! Dazu trotzdem eine Anekdote aus längst vergangenen Zeiten: Mir musste relativ früh (hing auch mit dem A1AT zusammen, wusste nur keiner damals.) die Gallenblase rausoperiert werden. Am Tag nach der OP war ich immerhin schon so fit (kurz zuvor im Bad zusammengeklappt), dass ich ins Raucherzimmer regelrecht gekrochen bin. Zitat Chefarzt: „Da ist rauchen ja wenigstens zu etwas gut!“
An alle: wenn ihr das hier liest: Rauchen ist nicht cool. Überhaupt nicht. Nikotin ist ein Nervengift. Aufhören ist nicht ansatzweise so simpel, wie man es annehmen möchte. Das hat auch mit vermeintlicher „Charakterstärke“ nichts zu tun. Rauchen ist, wie Pia oben schreibt, eine Krankheit. Lasst am besten die Finger davon und fangt gar nicht erst damit an! Das hilft euch und auch anderen. Bitte!