Peeling im Sommer: Genial oder gefährlich?
Ihr fragt Euch vielleicht: Hilft ein Peeling wirklich dabei, die Haut von abgestorbenen Zellen zu befreien und die Hautbarriere zu stärken – oder riskieren wir damit, unsere wertvolle Schutzschicht abzutragen, gerade wenn die Sonne am stärksten scheint? Was braucht unsere Haut in den heißen Sommermonaten wirklich – sanfte Unterstützung oder doch eine komplette Auszeit von exfolierenden Behandlungen?
Heute schauen wir uns gemeinsam die wissenschaftlichen Fakten an und klären, worauf Ihr bei Peelings während der Sommermonate wirklich achten solltet.
Video Version: Peeling im Sommer
Back to Basics: Der komplexe Aufbau unserer Hautbarriere
Um die Peeling-Diskussion fundiert zu führen, müssen wir zunächst verstehen, wie unsere Haut strukturell aufgebaut ist. Unsere Haut besteht aus mehreren funktionalen Schichten, wobei die oberste Hautschicht als Epidermis bezeichnet wird.
Der alleräußerste Teil dieser Epidermis bildet die sogenannte Hornschicht – sie trägt diesen Namen, weil sie hauptsächlich aus abgestorbenen Zellen ohne Zellkern, den Nukleus, besteht.

Diese Hornzellen sind jedoch nicht einfach nur „tote Materie“, sondern bilden zusammen mit Lipiden eine hochkomplexe Stuktur, die der Ziegel-und-Mörtel-Struktur ähnelt.
Diese ausgeklügelte Architektur sorgt dafür, dass die Haut eine effektive Barriere gegen unerwünschte äußere Einflüsse wie Bakterien, Schmutzpartikel und andere Umweltbelastungen bildet, während sie gleichzeitig den transepidermalen Wasserverlust verhindert.
Nun stellt sich die berechtigte Frage:
Wenn diese Hautschichten so wertvoll und funktional sind, warum sollten wir sie dann mit einem Peeling gezielt entfernen?
Ist das nicht völlig kontraproduktiv?
Die Antwort liegt in der Dynamik der Hauterneuerung.
Der natürliche Zellerneuerungszyklus und seine Veränderungen
In unserer Haut findet kontinuierlich ein faszinierender Zellerneuerungsprozess statt. Neue Zellen werden in den tieferen Schichten der Epidermis gebildet, wandern systematisch nach oben und sterben schließlich in der obersten Schicht ab, während bereits wieder neue Zellen in der Basalschicht entstehen.
Bei junger, gesunder Haut funktioniert dieser Mechanismus reibungslos – die abgestorbenen Zellen lösen sich in einem optimalen Tempo von selbst ab, ohne dass externe Hilfsmittel erforderlich sind.
Mit zunehmendem Alter jedoch verlangsamt sich dieser natürliche Abstoßungsprozess erheblich. Die obersten Hautzellen werden träger und bleiben länger an der Hautoberfläche haften, was zu verschiedenen ästhetischen und funktionellen Problemen führen kann.
Warum Peelings wissenschaftlich sinnvoll sind – jenseits der Ästhetik
Je älter die Haut wird, desto sinnvoller wird der gezielte Einsatz eines Peelings zur Entfernung dieser angesammelten abgestorbenen Hautzellen. Dadurch verhindert Ihr nicht nur die Bildung einer dicken, das Hautbild beeinträchtigenden Schicht, sondern adressiert auch funktionelle Aspekte der Hautgesundheit.
Ein interessanter Aspekt, der oft übersehen wird: Durch die Ansammlung von Hornzellen wird die Barrierefunktion keineswegs verbessert, sondern tatsächlich gestört.
Wenn sich beispielsweise auf der Haut Areale bilden, in denen Hornzellen aneinander kleben, wird die Haut weniger elastisch und dadurch anfälliger für Mikroverletzungen und andere Schädigungen.
Darüber hinaus schützt das regelmäßige Abfallen von Hornzellen die Haut vor Infektionen – und zwar aus einem simplen, aber effektiven Grund:
Krankheitserreger können sich deutlich schlechter an einer sich ständig erneuernden Hautoberfläche festsetzen. Die optimale Barrierefunktion hängt also nicht von der Dicke der Hornschicht ab, sondern vielmehr von deren korrekter Zusammensetzung und regelmäßiger Erneuerung.
Peelings bei Akne: Die Wissenschaft hinter der Verhornungsstörung
Ein weiterer wissenschaftlich fundierter Aspekt betrifft die Rolle von Peelings bei der Behandlung unreiner Haut und Akne. Aknehaut ist häufig durch eine spezifische Störung der natürlichen Hornzellenabstoßung charakterisiert – die sogenannte Verhornungsstörung (darüber haben wir hier bei Ursachen von Akne gesprochen).
Bei dieser Störung führt die unzureichende Abstoßung der Hornzellen dazu, dass diese die Poren verstopfen, wo bereits Sebum (Hautfett) vorhanden ist.
Das Fett vermischt sich dann mit den angestauten Zellen, kann nicht mehr abfließen, und es entstehen Unreinheiten. Chemische Peelings können hier gezielt eingreifen und helfen, verstopfte Poren zu befreien und die Talgproduktion zu regulieren.
Der UV-Schutz der Hornschicht: Ein wichtiger Sommer-Faktor
Nun kommen wir zu dem entscheidenden Punkt, der die Sommer-Peeling-Diskussion anheizt:
Die Hautbarriere schützt uns teilweise auch vor Sonnenstrahlung. Die Hornschicht bietet der Haut einen natürlichen UVB-Schutz, der einem Sonnenschutzfaktor von etwa 2 entspricht.
Wenn wir also durch Peelings diese zusätzlichen Schutzschichten entfernen, sind wir theoretisch etwas stärker der Sonnenstrahlung ausgesetzt.
Das wirft die berechtigte Frage auf, ob man Peelings in den sonnenintensiven Sommermonaten vielleicht doch pausieren sollte.
Praxiserfahrungen: Was berichten Anwenderinnen?
Aus der praktischen Erfahrung zeigt sich ein differenziertes Bild: Meine Kundinnen mit unreiner Haut berichten häufig, dass sie durch das komplette Einstellen von Peelings im Sommer eine Hautverschlechterung erleben.
Bei reiner und reifer Haut könnte hingegen durchaus eine Pause in den heißesten und sonnigsten Wochen sinnvoll sein.
Die Antwort liegt meines Erachtens nicht in der pauschalen Frage „Peeling ja oder nein“, sondern vielmehr in der gezielten Auswahl: Welches Peeling ist geeignet, und wie oft sollte es angewendet werden?
Empfehlungen für verschiedene Hauttypen im Sommer
Bei Akne würde ich ein mildes chemisches Peeling weiterhin etwa einmal wöchentlich fortsetzen, eventuell durch eine sanftere Variante ersetzen. Bei reiner, reiferer Haut kann je nach individuellem Hautgefühl eine temporäre Pause oder der Umstieg auf eine mildere Alternative sinnvoll sein.
Die Wissenschaft der Peeling-Intensität: pH-Wert als entscheidender Faktor
Ob ein Peeling mild oder intensiv wirkt, hängt nicht allein von den enthaltenen Wirkstoffen oder deren Konzentration ab. Ein oft übersehender, aber wissenschaftlich entscheidender Faktor ist der pH-Wert der Formulierung. Je niedriger der pH-Wert eines chemischen Peelings, desto wirkungsvoller ist das Abtragen der Hautschichten.
Chemische Peelings mit einem niedrigen pH-Wert dringen tiefer in die Haut ein und haben einen stärkeren Peelingeffekt, hierzu zählen beispielsweise AHA- und BHA-Peelings.
Auf der anderen Seite gibt es durchaus bereits sehr milde Peelings mit einem pH-Wert um 4,5, die deutlich sanfter wirken.
Konkrete Produktempfehlungen für milde Sommer-Peelings
Für diejenigen unter Euch, die im Sommer nicht komplett auf Peelings verzichten möchten, hier einige wissenschaftlich fundierte, milde Optionen:
Minimalist
Ein besonders sanftes Peeling ist der Toner von Minimalist mit 3% Gluconolakton und Niacinamid – Minimalist PHA Toner hier*.
Gluconolakton gehört zu den Polyhydroxysäuren (PHA) und ist bekannt für seine besonders schonende exfolierende Wirkung bei gleichzeitig hydratisierenden Eigenschaften. (pH um 4.2)
The Inkey List
Ein weiteres Beispiel für ein mildes Peeling ist der PHA Toner von The Inkey List mit einem pH-Wert von 3,6.
Diese Formulierung enthält 3% PHA-Säuren und ist durch den kontrollierten pH-Wert deutlich sanfter als viele andere Säurepeelings. (pH um 3.6)
Geek & Gorgeous
Für diejenigen, die eine Kombination verschiedener milder Säuren bevorzugen, bietet sich ein Toner mit Peeling-Effekt von Geek & Gorgeous (hier*) an, der 3,2% BHA, Gluconolakton und Laktobionsäure sowie 0,5% Salicylsäure enthält. Diese niedrig dosierte Salicylsäure kann zusätzlich bei Unreinheiten helfen, ohne zu aggressiv zu wirken. (pH um 3.7)
Medik8
5% Gluconolakton findet sich im Medik8 Press & Glow PHA Tonic – für alle, die etwas mehr Geld für Hautpflege ausgeben mögen. 🙂 (pH um 4)
Neostrata
Für intensivere Behandlungen gibt es die Creme von Neostrata mit 12% PHA, darunter 8% Gluconolakton und 4% Laktobionsäure.
Diese Formulierung ist als Abendcreme konzipiert und eignet sich besonders für ölige oder Mischhaut. Obwohl der Preis bei etwa 55€ liegt, finde ich ihn angemessen, da ähnlich formulierte Peeling-Cremes auf dem Kosmetikmarkt selten zu finden sind.
Diese Creme hatte ich vor einiger Zeit selbst verwendet und fand die Wirkung sehr gut. Sie kann etwas klebrig sein – wie viele Produkte von Neostrata – dafür ist sie effizient und kann bei einer öligen oder Mischhaut die Abendcreme ersetzen. (pH um 4)
The Ordinary
Als weitere Option bietet sich 5% Milchsäure von The Ordinary an – eine sehr leichte, gelartige Konsistenz, die sich durch ihre besonders sanfte Wirkung auszeichnet.
Milchsäure wird als die sanfteste AHA-Säure betrachtet und wird auch von empfindlicheren Hauttypen in der Regel gut vertragen. (pH um 3.6)
Absolute No-Gos: Mechanische Peelings im Sommer
Was Ihr im Sommer – und generell – definitiv vermeiden solltet, sind mechanische Peelings mit diversen Kügelchen, Körnchen oder Pulverpartikeln.
Diese Produkte sind für die Haut meist viel zu aggressiv und können sie regelrecht irritieren und sogar Mikroverletzungen verursachen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.
Bei mechanischen Peelings ist der pH-Wert nicht relevant, da es sich um eine rein physikalische und nicht um eine chemische Reaktion handelt.
Die großen Körner sind oft nicht für empfindlichere Gesichtsbereiche geeignet und können den schützenden Hydrolipidfilm der Epidermis beeinträchtigen.
Fazit: Intelligente Peeling-Strategien für den Sommer
Die wissenschaftliche Evidenz zeigt: Peelings können auch im Sommer durchaus sinnvoll und sicher sein – vorausgesetzt, Ihr wählt die richtigen Produkte und passt die Anwendungsfrequenz an Euren individuellen Hauttyp und die erhöhte UV-Belastung an.
Für unreine Haut ist ein sanftes chemisches Peeling meist weiterhin hilfreich und muss nicht komplett pausiert werden, da dies zu einer Verschlechterung des Hautbilds führen kann.
Reine und empfindliche Haut kann im Hochsommer durchaus von einer reduzierten Anwendung oder milderen Formulierungen profitieren. Falls Ihr dabei allerdings kein gutes Gefühl habt, könnt Ihr das peeling in den heißen Wochen weglassen.
Der Schlüssel liegt in der individuellen Anpassung:
- Wählt milde PHA-basierte Formulierungen mit kontrolliertem pH-Wert
- reduziert die Anwendungsfrequenz bei Bedarf
- und vergisst niemals den konsequenten Sonnenschutz mit mindestens LSF 30.
So könnt Ihr die Vorteile regelmäßiger Exfoliation auch in den Sommermonaten sicher nutzen, ohne Eure Hautgesundheit zu gefährden.
Bitte lasst mich unbedingt wissen, wie Ihr mit dem Peeling im Sommer umgehet – und falls Ihr welches verwendet, was ist Euer Liebling derzeit? Ich bin gespannt!
Eure Pia
Hallo Pia, vielen Dank für den Input. 🙂
Ich nutze ab und zu 10% Azelaic von Paulas Choice für meine Mischhaut.
Wie ist es denn mit Retinol oder andere Wirkstoffe im Sommer? Ich nutze sie aufgrund Verfärbungen (Pigmentflecken?, Melasma) im Gesicht.