Oliveda und das schwarze Marketing

Oliveda Olivenöl

Vor einiger Zeit habe ich auf Instagram eine Reihe „Skincare Jokes“ initiiert. Diese ist sehr beliebt geworden, denn die Beispiele aus der Pflegewelt wecken unterschiedliche, zum Teil starke Emotionen hervor: Von stillem Kopfschütteln übers herzliche Lachen bis zum Entsetzen. Alles ist dabei. Da nicht alle von Euch verständlicherweise auf Instagram unterwegs seid, möchte ich mit Euch auch hier über Hautpflege lästern, lachen und meckern, die teilweise unmöglich schlecht zusammengesetzt sind. Ich hoffe, Ihr seid dabei!

Heute geht es um Oliveda und ein unkluges, schwarzes Marketing.


Tatsächlich dachte ich, dass das letzte Instagram Post von Oliveda mit der Firmenleitung nicht konsultiert wurde und alsbald herausgenommen wird. Aber es ist nach einer Woche immer noch zu sehen und wurde inzwischen über 11.000 Mal abgespielt (sprich: gesehen). Es einfach so stehen zu lassen, wäre falsch. Daher mein Kommentar.

Das Beschreibung des Oliveda-Posts behauptet folgendes:

Ein Blick auf die INCIs lohnt sich! Es steht Wasser/Agua an erster Stelle? Dann bedeutet das…

  • Mindestens 70 % Wasser in dem Produkt.
  • Dazu kommen meist bis zu 25 % desodorierte oder raffinierte Öle und Emulgatoren.
  • Somit sind 95 % des Produkts ohne Wirkstoffe und mitunter sogar entzündungsfördernd!

Falsche Behauptungen von Kosmetikfirmen: Oliveda

Was ist an den obigen Behauptungen falsch?

Alles.

Erstens, bedeutet “Wasser” an erster Stelle nicht zwingend, dass mindestens 70% der Formulierung Wasser enthält.

Zweitens, hat die Annahme, dass in wasserbasierten Formulierungen “25% desodorierte oder raffinierte Öle und Emulgatoren” darstellen, keine Entsprechung in der Realität. Das kann vorkommen; muss aber nicht.

Es wäre dabei interessant zu erfahren, warum unraffinierte Öle in einer wasserbasierten Formulierungen nicht vorkommen dürfen / können / sollen? An dieser Stelle könnte man schon fast schmunzeln, wäre das Ganze nicht ernsthaft genug.

Drittens, ist auch die weitere Prozentangabe – “95% von wasserbasierten Produkten enthält keine Wirkstoffe” – völlig aus der Luft gegriffen.

Abgesehen von der Definition von Wirkstoffen, ist etwa 5% Niacinamid in einem Serum nicht wenig. Doch was enthalten aber wasserbasierte Seren mit 2o% Vitamin C Derivaten und weiteren Wirkstoffen?

Ich wüsste keine Antwort darauf. Oliveda vielleicht?

Und zum Schluß noch diese erstaunliche Annahme:

“Somit sind 95 % des Produkts ohne Wirkstoffe und mitunter sogar entzündungsfördernd!” Wo kommt das “mitunder entzündungsfördernd” her?

Ist Oliveda nicht klar, dass es damit undifferenziert alle wasserbasierten Hautpflegeprodukte – oder eher deren Hersteller – diffamiert?


Die Überlegenheit von Oliveda ist… keine

Oliveda Produkte basieren auf Olivenöl, das – wie wir in dem letzten Blogbeitrag zum Thema Sind Pflanzenöle gut für die Haut?“ gesehen haben – viel Ölsäure enthält, das die Penetration von anderen Stoffen in einer Formulierung erleichtert.

Die anderen Stoffe in etlichen Oliveda Produkten sind ätherische Öle und deren Bestandteile (etwa in Neroli Face Oil Serum, Rose Face Oil Serum, Jasmin Face Oil Serum). Die meisten Formulierungen betrachte ich nicht gerade als Hautbarriere freundlich. Eine gesunde Haut muss es nicht merken. Bei einer Haut mit geschwächter Hautbarriere können solche Formulierungen zu Hautreizungen bis Hautallergien führen.


Oliveda’s Eigenvorstellung

Das sieht Oliveda wohl anders. Der zweite Teil des Instagram Eigenwerbung behauptet folgendes:

„Olive Tree People macht (sic!) es anders:

  • Statt 70 % Wasser kommt das Zellelixier unserer Bergolivenbäume in das Produkt.
  • Und statt 25 % desodorierter oder raffinierter Öle und Emulgatoren unser kaltgepresstes bioaktives Arbequina-Öl. Es ähnelt den Lipiden unserer Haut, untersützt (sic!) ihre Regenerationskraft unterstützt und wirkt Entzündungen entgegen.
  • Zusammen macht das 95 % mehr Wirkkraft!

Zum einen wird das „Zellelixier“ nicht näher spezifiziert. Hoffentlich ist das nicht die Ölsäure.

Zum zweiten stimmt nicht, dass Arbequina-Öl (Olivenöl, das in Oliveda eingesetzt wird) unseren Hautlipiden ähnelt: Im Arbequina-Öl (hier) dominiert die Ölsäure (um 60%), während die Linolsäure bei ca. 15% liegt.

In der Haut setzen sich epidermale Lipide (unterhalb der Hautbarriere, stratum corneum) aus 50% Ceramiden, 25% Fettsäuren und 10% Cholesterol. In den Fettsäuren dominiert die Linolsäure mit 22%; Ölsäure stellt hingegen lediglich 15% der gesamten Fettsäuren dar. (hier)

Die Lipideschicht im stratum corneum (die aller oberste Hautschicht) sieht noch etwas anders aus: Hier sind kaum Ölsäure zu finden. Dafür Palmitinsäure, Stearinsäure, Behensäure, Ligninsäure und Hexacosansäure. Auch die Fettsäuren des Säureschutzmantels ähneln somit der Struktur des Olivenöls nicht.

Damit ist nicht gesagt, dass wir in der Hautpflege Fettsäuren verwenden sollten, die die Kombination der Fettsäuren in der Haut abbilden. Das beste Beispiel sind Linol- und Linoleninsäuren, die laut Studien eine hautfreundliche Funktionen ausüben (mehr in dem Beitrag zu Pflanzenölen). Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Olivenöl – anders als es Oliveda behauptet – hauteigenen Lipiden nicht ähnelt.

Und zum Dritten ist schwer zu erraten, wie Oliveda darauf kommt, dass seine Produkte um 95% mehr Wirkkraft haben (als wasserbasierte Pflegepräparate).

Oder wird hier einfach mit Prozentangaben jongliert in der Hoffnung, dass keine/r sie hinterfragt? Was für eine kühne Behauptung meinerseits…


Schwarzes Marketing

Was haben die Follower von Oliveda’s Social Media gelernt?

  • Hoffentlich nicht, dass ölbasierte Hautpflege wasserbasierten Produkten überlegen ist. Das ist sie nicht, abgesehen davon, dass eine solche Generalisierung keine Sinn hat. 
  • Wohl aber, dass man die Konkurrenz auf eine geschmacklose Art und Weise und ohne weitgehende Konsequenzen diskreditieren kann.

Auf Social Media kann man fast alles behaupten. Kosmetikfirmen tun es sehr gerne… mal mehr, mal weniger geschickt.

Diesmal hat eine davon gewaltig übertrieben.  Das wollte ich nicht ohne Kommentar lassen.

Was denkt Ihr? Lasst Ihr Euch durch Prozentangaben verführen? Bleibt Ihr bei so manchen Eigenwerbungen stehen – im Erstaren, was da überhaupt behauptet wird?

Pia

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Ramona K.

Ja, man spielt mit Emotionen. Der Einkauf, egal ob im Laden oder online weckt Emotionen. Man hört OLIVE…und denkt automatisch an was gutes. Danke Pia.

Alexandra

Vielleicht auch von Interesse was Oliveda betrifft… https://konsument.at/oliveda-corrective-face-cream/67374

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