Dr. Russo – Gesichtsreiniger mit UV-Schutz

Dr. Russo Gesichtsreinigung Sonnenschutz

Würde jemand Eure Fantasiekraft herausfordern wollen und Euch nach dem absurdesten Hautpflegeprodukt fragen, was würdet Ihr antworten? Ein Gesichtsreiniger mit einem eingebauten Sonnenschutz könnte in diese Kategorie schon ganz gut passen, oder?

Aber halt. Das ist (leider) keine Fantasie, sondern Realität. Es gibt nämlich auf dem Markt ein Gesichtsreiniger namens “SPF 30 Sun Protective Day Cleanser”, der vor der Kosmetikmarke Dr. Russo entwickelt und wohl mit Erfolg verkauft wird. Das Reinigungsmittel basiert auf einer modernen (was sonst?) “wash on™” Technologie , welche eingekapselte UV-Filter in die Haut einschleust, wodurch der UV-Schutz auch nach einem Abwaschen der Haut bestehen bleiben sollte. Der Cleanser kostet zwar £48.00; dafür soll er uns aber sowohl vor UVB- als auch vor UVA-Strahlen schützen. Und zwar den ganzen Tag lang. So die Theorie.

Wie kann das sein, fragt Ihr?


Wer ist Dr. Russo

Fangen wir zunächst mit der Kosmetikmarke Dr. Russo an, von der Ihr vielleicht noch nichts gehört habt. Sie wurde von einem in London praktizierenden kosmetischen und dermatologischen Chirurgen, Dr. Luca Russo, entwickelt. Über seine langjährige Praxis sowie eine angeblich beeindruckende Liste seiner Patienten, die sich aus Celebrities, Politikern und “bekannten Gesichtern” zusammen speisen, berichtet Dr. Russo bescheiden auf seiner Homepage. Seine Cosmeticeuticals fokussieren hauptsächlich auf Vorbeugung von Hautschäden und vorzeitiger Hautalterung, inkl. Photo-Schäden. Aus diesem Schwerpunkt ist auch der “Sun Protective Day Cleanser” geboren worden.


Dr. Russo – Gesichtsreiniger mit UV-Schutz

The “Wash On” Technologie

Wie funktioniert der Gesichtsreiniger mit UV-Schutz von Dr. Russo?

Die patentierte Technologie kapselt Sonnenschutz-Filter in Mikron-große Teilchen ein, die anschließend positiv geladen werden. Durch diese positive Ladung bleiben die Teilchen sowohl an der Haut als auch an dem Haar haften, die ja von Natur aus negativ geladen sind. Auf diese Art und Weise entsteht eine hohe Bindungskraft, die dafür sorgt, dass die UV-Filter auf der Haut und Haaren den ganzen Tag haften bleiben – auch nach dem Abwaschen und Abtrocknen.

Die Einkapselung von UV-Filtern erfolgt mithilfe des Inhaltsstoffes Silica. Die Kapsel kann dadurch eine beliebige Ladung erzielen. Anschließend werden die Kapsel mit UV-Filtern in ein Formulierungssystem involviert, wodurch eine langsame und kontrollierte Abgabe der UV-Filter in der Haut gewährleistet werden soll. (Frei aus dem Englischen übersetzt | die gesamte Beschreibung findet Ihr auf der Dr. Russo’s Homepage).

Was können wir nun von der “Wash-On” Technologie und der Wirksamkeit des Reinigungsproduktes von Dr. Russo halten?


SPF 30 Sun Protective Day Cleanser – INCI

Zunächst findet man auf der Website von Dr. Russo keine vollständigen INCI-Listen seiner Pflegeprodukte, wodurch die Bildung einer eigenständigen Meinung über die jeweilige Zusammensetzung verhindert wird.

Auf einer anderen Homepage (hier) fand ich allerdings die Information, auf welchen UV-Filtern der Dr. Russo’s Cleanser basiert:

  • Octocrylene
  • E. Methoxycinnamate (Octinoxate)
  • Benzophenone-3 (Oxybenzone)
  • Butyl Methoxydibenzoylmethane (Avobenzone).

Da die Kosmetikmarke Dr. Russo wohl den US-Kosmetikmarkt erobern möchte, sind das zum Großteil veraltete und in Europa teilweise nicht mehr verwendete (Oxybenzone!) Sonnenschutzfilter. Solche Filter-Zusammensetzungen in Sonnenschutzprodukten empfinde ich als, mild ausgedrückt, unfair den Kunden gegenüber, denn auf dem europäischen Markt sind inzwischen unvergleichbar bessere UV-Filter erhältlich. Ein solches UV-Filtermix würde in meiner Hautpflege sicherlich keinen Platz finden – egal ob in einem Reiniger oder einer Sonnencreme.


SPF 30 Sun Protective Day Cleanser – die Wirksamkeit

Doch kann der Gesichtsreinigungsprodukt tatsächlich einen vernünftigen UV-Schutz bieten?

Die “Wash On” Technologie basiert auf einem “pending patent” – d.h. die Technologie wurde zum Patent angemeldet, ist jedoch als solches noch nicht anerkannt.

Es könnte sein, dass dank dieser Technologie ein gewisser Schutz der Haut vor Sonnenstrahlen tatsächlich entsteht. Doch darauf würde ich mich nie verlassen.

Erinnert Ihr Euch an den Blogpost, in dem genau erklärt wurde, warum eine 20-Minutige Wartezeit nach dem Auftrag eines Sonnenschutzproduktes nötig ist? Darin wurde argumentiert, dass diese Wartezeit nicht deshalb notwendig ist, damit die UV-Filter arbeiten können. Vielmehr geht es um eine gleichmäßige, beständige, nachhaltige Verteilung der Sonnenschutzfilter auf und in der Haut, damit die Sonnencreme auch erst die Möglichkeit erhielte, einen vernünftigen, längeren UV-Schutz anbieten zu können. Wie das nach einem sofortigen Abwaschen eines UV-Schutzproduktes passieren könnte, ist schwer vorstellbar. Das ist für mich der Grund dafür, an die Wirksamkeit des Reinigungsproduktes von Dr. Russo – das, wohl gemerkt, den ganzen Tag bestehen bleiben soll – zu zweifeln.

Hier findet Ihr den Blogpost zur Wartezeit nach dem Auftrag einer Sonnencreme


Gesichtsreiniger mit UV-Schutz von Dr. Russo – mein Fazit

Selbst wenn ich anfangs von einem Absurdum in Bezug auf einen Reiniger mit einem wirksamen UV-Schutz sprach, bin ich trotzdem gespannt, was aus Dr. Russo’s “pending patent” sein wird. Wer weiß, wozu Forscher in einigen Jahren kommen werden? Vielleicht ist da etwas dran? Ich lasse mich gerne positiv überraschen.

Doch derzeit würde ich solche Produkte mit einem großen Bogen meiden. Ein Sonnenschutz ist nicht nur, bzw. nicht in erster Linie, eine kosmetische Maßnahme. Wir müssen stets daran denken, dass eine Sonnencreme hauptsächlich vor einem Hautkrebs schützen soll. Menschen mit einer hellen Haut, Kinder, diejenigen, die bereits einen Hautkrebs entwickelt haben oder auch viel draußen unterwegs sind bzw. arbeitet, müssen vor UV-Strahlen stets gut geschützt sein. Da ist kein Platz für Spekulationen, ob ein neuartiges UV-Präparat die Haut schützen könnte. Vielmehr muss man auf Sonnenprodukte setzen, welche geprüfte Sonnenschutzfilter und eine gute Gesamtzusammensetzung aufweisen. Sich in solchen Situationen auf einen Gesichtsreiniger mit einem UV-Schutz zu verlassen, ist in meinen Augen nicht nur heikel, sondern auch gefährlich.

Was meint Ihr? Oder besitzt jemand bereits den Dr. Russo Gesichtsreiniger und dann zu dessen Wirkung berichten? 🙂

Viele Grüße

Pia


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3 Comments

  1. March 31, 2019 / 7:00 am

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das funktioniert. Nicht alles, was in einem Cleanser drin ist, wird ja auch wieder abgewaschen. Allerdings bin ich da bei Dir, ich würde mich für mich (und meine Kinder) sicherlich im Augenblick nicht darauf verlassen. Aber als Zusatz, warum nicht? Selbst wenn es nur ein bisschen ist, wäre das schon mehr, als manche generell benutzen, und dann zählt jedes bisschen.
    Ich hatte schon befürchtet, es wäre eins der Produkte, die Antioxidantien als „natürlichen Sonnenschutz“ verkaufen, was manche dazu bringt, auf den richtigen zu verzichten.
    Ein weiterer Gedanke ist allerdings: Wie bekommt man den Schutz denn am Ende des Tages wieder ab? Ja, die Filter verbrauchen sich, aber der Rest? Bleibt der dann auf der Haut?

    Anne – Linda, Libra, Loca

    • [email protected]
      Author
      April 10, 2019 / 6:08 am

      Da muss man wohl ein hard core physikalisches Peeling verwenden. Dann gehen die noch haftenden Partikel weg… 🙂

  2. Yurifan
    March 30, 2019 / 11:34 pm

    Hach ja, über das Produkt bin ich irgendwann auch mal gestolpert.

    Ich kann mir schon gut vorstellen, dass das klappt. Im Endeffekt funktionieren “normale” Sonnencremes ja genauso, wenn sie wasserresistent sind: der Schutz nimmt zwar ab (mit Ausnahme von Shiseido Wetforce*), aber es bleibt noch einiges erhalten. Hier gehe ich davon aus, dass das Produkt einen UVB-Schutz von >30 hat, wovon durch das “Aufwaschen” (?) vielleicht um die 15 auf der Haut ankommen und verbleiben. Das genügt ja meist schon, um einen Sonnenbrand zu vermeiden. Die Verkapselung von UV-Filtern ist in den USA zugegebenermaßen weitaus verbreiteter als bei uns; wodurch auch Octinoxate stabilier wird.
    Die Nicht-Verwendung von Oxybenzone – immerhin dem stärksten UVB-Filter überhaupt – in der EU wundert mich tatsächlich; der Filter ist in den USA und auch Australien ziemlich populär, bei uns ja auch nicht verboten – warum wird er dann so selten eingesetzt?
    [Die Warnung “enthält Benzophenone-3” steht zumindest in Australien auch auf den Flaschen, an Unwissenheit kann es also kaum liegen]

    *Klingt genauso unlogisch wie das Auftragen-mittels-Abwaschen eines Sonnenschutzmittels, wurde aber durch eine unabhängige Messung bestätigt [https://www.regard-sur-les-cosmetiques.fr/nos-regards/un-produit-de-protection-solaire-etonnant-plus-c-est-mouille-plus-c-est-efficace-enfin-on-l-annonce-comme-tel-260/]

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