Ist Aluminium in Kosmetik schädlich?
Ein Deodorant ohne Aluminium – klingt erst einmal vernünftig, oder? Schließlich liest man häufig, dass Aluminium in Kosmetik krebserregend sei. Doch wie viel ist dran an dieser Sorge? Ist Aluminium tatsächlich gefährlich? Oder steckt hinter der Angst vielleicht mehr Marketing als Wissenschaft? Genau darüber sprechen wir heute.
Youtube Videoversion: Brustkrebs durch Antitranspirant? Der Stand der Wissenschaft zu Aluminium
Deodorant vs. Antitranspirant – ein wichtiger Unterschied
Wenn wir über „Aluminium in Deos“ sprechen, müssen wir zuerst unterscheiden: Es gibt Deodorants und Antitranspirante. Auch wenn beides oft unter dem Begriff „Deo“ zusammengefasst wird, handelt es sich um zwei sehr unterschiedliche Produktarten.
Wie wirkt ein Deodorant?
Ein Deodorant überdeckt oder reduziert den Körpergeruch. Es beeinflusst jedoch nicht die Schweißmenge. Manche Produkte enthalten antimikrobielle Stoffe, die die für den Geruch verantwortlichen Bakterien reduzieren. Andere setzen auf Duftstoffe oder Inhaltsstoffe, die Schweiß etwas absorbieren. Aber: Ein Deodorant blockiert keine Schweißdrüsen – und enthält deshalb auch kein Aluminium.
Wie wirkt ein Antitranspirant?
Antitranspirante hingegen kontrollieren aktiv die Schweißproduktion. Die enthaltenen Wirkstoffe – meist Aluminiumsalze – reagieren mit dem Schweiß und bilden ein Gel, das die Schweißdrüsen temporär verstopft. Dieses Gel bleibt auf der Hautoberfläche und verhindert, dass Schweiß austritt – zumindest für eine gewisse Zeit. Wichtig: Diese Aluminiumverbindungen dringen nicht tief in die Haut ein, sondern wirken oberflächlich.
„Ohne Aluminium“ – sinnvoll oder reines Marketing?
Der Hinweis „ohne Aluminium“ auf einem Deodorant wirkt oft wie ein Qualitätsmerkmal. In Wahrheit ergibt er wenig Sinn, denn Deodorants enthalten grundsätzlich kein Aluminium. Der Zusatz „ohne Aluminium“ verkauft sich trotzdem gut – warum? Weil er auf eine verbreitete Angst reagiert. Und Angst ist ein sehr effektives Marketinginstrument.
Genauso funktioniert es mit Begriffen wie „ohne Parabene“, „ohne Silikone“ oder „frei von chemischen Inhaltsstoffen“. Dahinter steckt oft nicht mehr als geschickte Emotionalisierung. Denn je weniger wir über Inhaltsstoffe wissen, desto empfänglicher sind wir für vage Gesundheitsversprechen.

Ist Aluminium in Antitranspiranten gesundheitsschädlich?
Die kurze Antwort: Nein, laut aktueller Studienlage nicht. Die verbreitete Behauptung, Aluminium in Antitranspiranten könne Brustkrebs auslösen, hat in wissenschaftlichen Untersuchungen bisher keine Bestätigung gefunden.
Studienlage: Kein Zusammenhang zwischen Aluminium und Brustkrebs
2013 untersuchten Forscher Gewebeproben von 176 Brustkrebspatientinnen. Sie stellten fest: Die Aluminiumkonzentration im betroffenen Brustgewebe war nicht höher als im gesunden Gewebe derselben Patientinnen. Ein direkter Zusammenhang ließ sich nicht nachweisen.
2016 bestätigte eine größere Studie erneut, dass es keine signifikante Korrelation zwischen der Anwendung aluminiumhaltiger Antitranspirante und einem erhöhten Brustkrebsrisiko gibt. Der Einsatz dieser Produkte wurde nicht als Risikofaktor identifiziert.
Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam in seiner Einschätzung 2023 zu dem Schluss: Bei üblicher Anwendung besteht kein Hinweis auf ein gesundheitliches Risiko durch Aluminium in Antitranspiranten.

Wie viel Aluminium nehmen wir wirklich auf?
Ein interessanter Vergleich: Wir alle nehmen Aluminium tagtäglich über Nahrung, Wasser und Luft auf – auf ganz natürliche Weise. Aluminium ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste und damit allgegenwärtig.
Laut Studien befinden sich bei Erwachsenen durchschnittlich 30 bis 50 mg Aluminium im Körper. Die tägliche Aufnahme über Lebensmittel liegt bei etwa 7 bis 9 mg. Davon wird rund 99% wieder ausgeschieden, vor allem über die Nieren.
Wer ein aluminiumhaltiges Antitranspirant verwendet, nimmt dagegen täglich nur etwa 4 bis 10 Mikrogramm Aluminium über die Haut auf – das sind weniger als 2,5 % der Menge, die über den Darm aus der Nahrung aufgenommen wird. Die zusätzliche Belastung durch kosmetische Produkte ist damit vernachlässigbar gering.
Blockieren Antitranspirante die Entgiftung des Körpers?
Ein weiteres verbreitetes Argument: Aluminiumhaltige Produkte würden die Entgiftung des Körpers blockieren, weil sie das Schwitzen verhindern. Auch das ist aus medizinischer Sicht nicht haltbar.
Richtig ist: Antitranspirante wirken lokal – sie reduzieren den Schweißfluss nur unter den Achseln. Der Großteil der Schweißdrüsen im Körper bleibt davon unberührt. Außerdem: Die Hauptwege der körpereigenen Entgiftung sind Nieren, Leber, Darm und Lunge – nicht die Haut. Der Schweiß dient der Thermoregulation, nicht der Entgiftung.
Auch Detox-Cremes oder -Masken, die angeblich „Toxine ausleiten“, beruhen auf demselben Irrtum. Die Haut ist kein Ausscheidungsorgan für Umweltgifte. Solche Werbeaussagen sind wissenschaftlich nicht belegt.
Warum Angst ein gutes Geschäft ist
Viele der kursierenden Bedenken zu Aluminium und anderen Inhaltsstoffen basieren nicht auf fundierten Studien, sondern auf gezielt gestreuter Verunsicherung. Kosmetikfirmen sind keine gemeinnützigen Organisationen. Sie handeln wirtschaftlich – und Unsicherheit lässt sich hervorragend vermarkten.
Doch anstelle von Panik sollten wir auf Aufklärung setzen. Und dazu gehört auch, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse weiterentwickeln können. Neue Studien können bestehende Annahmen infrage stellen – das ist Teil des wissenschaftlichen Prozesses. Aber bis dahin lohnt es sich, auf Fakten zu vertrauen statt auf diffuse Ängste.
Was bedeutet das konkret für Euch?
Wenn Ihr ein Antitranspirant verwendet, das für Euch gut funktioniert – bleibt dabei.
Es gibt nach aktuellem Stand keinen gesundheitlichen Grund, auf aluminiumhaltige Produkte zu verzichten. Wenn Ihr lieber ein reines Deodorant nutzt, ist das natürlich genauso in Ordnung – aber bitte nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung.
Wie steht Ihr zu dem Thema? Verwendet Ihr lieber Produkte mit oder ohne Aluminium? Und wie geht Ihr mit der Flut an Marketingversprechen in der Kosmetik um?
Hallo liebe Pia,
das Thema will nicht sterben…
Ich schwitze nach Entfernung meiner Schweißdrüsen unter den Armen nur noch sehr wenig und brauche kein Antitranspirant mehr, deswegen bin ich trotzdem ganz froh, dass die Auswahl hier wieder größer geworden ist in den letzten Jahren denn mich hat am aluminiumhaltigen Antitranspirant vor allem gestört, dass es Flecken in der Kleidung macht, die auch nicht wieder rausgehen.
Ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem „aluminiumfreien Deo“ tatsächlich nur Geschwurbel ist, denn im alltäglichen Sprachgebrauch höre ich eigentlich ausschließlich den Gebrauch des Wortes Deo und nicht Antitranspirant. Auch erinnere ich mich, dass auf den Verpackungen der aluminiumhaltigen Produkte fast immer Antitranspirant und Deodorant stand, weil eben auch Parfum enthalten ist.
Ich verstehe schon, dass die Angabe „frei von“ insgesamt ein Problem ist, aber ich war zB auch bei Octocrylen froh drum, weil ich genau den Filter nicht vertrage und davor immer INCI lesen musste.
Liebe Grüße!
Ich schwitze sehr stark und bin sehr erleichtert, inzwischen wieder auf aluminium aktive deos umgestiegen zu sein. es hilft nicht komplett, aber doch sehr viel besser.
Ja, die Wirkungsweise ist komplett anders. Bei manchen reichen Deos, andere müssen auf Antitranspiranten setzen – ohne Angst, dass sie krebserregend wirken werden.
Tja… Ich hatte Brustkrebs. Und was nach „aktueller Forschungslage“ alles nicht schädlich sein soll… (z.B. Hormone und Medikamentenrückstände im Trinkwasser)… nun ja. Man muss sich wohl einfach entscheiden, welchen Forschern man Glauben schenken mag. Ich finde es ist sehr! leicht, auch auf eventuell krebserregende Stoffe in Deos zu verzichten — warum es also nicht einfach tun… 🙂
Liebe Beate, ich verstehe 100%, wie Du es meinst… wenn man Krebs hat/hatte, ist man tausend Mal vorsichtiger. Es tut mir sehr Leid, dass dich das getroffen hat… Allerdings kann ich mit Deiner Anmerkung nicht einverstanden sein, dass man sich „einfach“ entscheiden kann „welchen Forschern man Glauben schenken mag“. Welchen Forschern schenkst Du Glauben? Es gibt keine ernsthaften Wissenschaftler, die an der Verbindung Aluminium-Krebs „glauben“ bzw. dazu etwas Glaubwürdiges gefunden haben – alle berichten über das Gegenteil! Das ist genau das Problem. (Wenn Du glaubwürdige datenbasierte Quellen zu dem Zusammenhang Krebs und Aluminium kennst – bitte unbedingt teilen.) Diejenigen, die Angst verbreiten, sind keine Forscher bzw. haben mit Wissenschaft nichts am Hut. Man könnte auf Aluminium verzichten, ja – man kann zugleich auf alles verzichten, wozu Angstmacher etwas „im Internet“ berichten… So sollte die Welt aber nicht funktionieren, da wir mehr und mehr mit Schwachsinn im Internet zu tun haben – mit immer wieder wiederholten Lügen und Halbwahrheiten, die sich gut verkaufen, da sie uns verunsichern. Und da wir uns inzwischen fast ausschließlich aus „dem Internet“ informieren (ohne nach Quellenangaben zu fragen), wird die Welt bald unerträglich… voller selbsternannter Experten und Ähnlichen, die auf der Naivität der Menschen basieren. So sehe ich es, Beate. Ich grüße Dich herzlich und hoffe sehr, dass es Dir gut geht! Pia
Voll cooler Artikel. Danke pia
Danke Dir! 🙂
Ich nehme , wenn ich zum Sport gehe, immer ein Deo mit Aluminium. Im Sommer schwitze ich doch vermehrt. Möchte nicht muffeln, ansonsten komme ich gut mit Deocreme aus . Mag von Alterra die Deo Creme. Danke, für Deinen Bericht. Ich verteufel diese Aluminium Deos nicht. ♥️
Dann bleiben wir dabei. 🙂