Viele von Euch pausieren das Peeling über den Sommer – und das ist auch richtig so, vor allem wenn Ihr Euch viel im Freien aufhaltet, zu Pigmentflecken neigt und generell eine empfindliche Haut habt.
Ende September kann man mit dem Peeling schon langsam wieder beginnen.
Warum mechanische Schleifkörper im Gesicht nichts zu suchen haben
Ein chemisches Peeling enthält Substanzen, die die Hornschicht sanft dazu bringen, Platz für neue Zellen zu machen. Wir sprechen hier ganz bewusst vom chemischen Peeling, nicht von mechanischen Schleifkörpern.
Denn solche Partikelpeelings kann man in milder Form ab und zu am Körper verwenden – fürs Gesicht haben solche Produkte nichts verloren. Dazu kommen wir gleich.
Deshalb rate ich von Peelings mit Körnchen oder synthetischen Partikeln im Gesicht grundsätzlich ab. Auch diese Art von (enzymatischen) Pulverpeelings – das kennt Ihr mit Sicherheit, die mit Wasser aufgeschäumt bzw. vermischt werden (nicht alle schäumen) – kann die Haut durchaus irritieren.
Die Haut fühlt sich nachher zwar sehr glatt und angenehm an, nach einiger Zeit kann sie dadurch jedoch unnötig strapaziert werden.
Finger-weg-Beispiel: Dermalogica Daily Microfoliant
Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Daily Microfoliant von Dermalogica, das online häufig beworben wird. Das Problem bei diesem Produkt: Es reizt die Haut nicht nur mechanisch, sondern enthält zusätzlich reizende ätherische Öle wie Teebaumöl und Grapefruitöl. Auf solche Zusätze sollte man im Gesicht insgesamt verzichten. Diese Mischung aus Peeling und ätherischen Ölen ist absolut unpassend.
Die Biologie: Wie chemische Exfoliation im Verbund wirkt
Beim chemischen Peeling wird im Gegensatz dazu der Verbundstoff zwischen den Zellen – also der Kitt bzw. Klebstoff – gelöst. Das ist der Stoff, der die abgestorbenen Hautzellen auf der Oberfläche zusammenhält. Dadurch wirkt die Haut ebenmäßiger, erhält mehr Leuchtkraft und Pigmentverschiebungen können schrittweise verblassen.
Die Frage: Warum übernimmt die Haut diesen Prozess nicht komplett alleine?
Das tut sie im Grunde. Unsere Haut erneuert sich natürlicherweise in einem Zyklus von etwa 28 Tagen bei einer jungen Haut und bis zu 45 Tagen bei einer reiferen Haut. Mit den Jahren verlangsamt sich dieser natürliche Abschilferungsprozess, und manchmal lösen sich die verhornten Zellen ungleichmäßig ab, was zu verstopften Poren und einer rauen Textur führt. Zudem behindert die verdickte Hornschicht das Eindringen nachfolgender Wirkstoffe.
Liegt eine Verhornungsstörung vor, lösen sich die Zellen noch schwerer von alleine ab. In solchen Fällen profitiert die Haut von einer gezielten chemischen Exfoliation.
Die Parameter: Säureart, Konzentration und der entscheidende pH-Wert
Doch wie viel Peeling braucht eine unkomplizierte Haut?
Die Antwort habt Ihr schon geahnt: Das lässt sich nicht pauschal beziffern, denn die Intensität hängt von mehreren Parametern ab. Entscheidend sind die Art der Säure, die Konzentration und der pH-Wert.
Das heißt zum Beispiel: Ein Peeling mit 10 % Glykolsäure ist nicht automatisch stark formuliert, oder zwei Peelingprodukte mit jeweils 10 % Glykolsäure werden womöglich nicht gleich auf die Haut wirken. Liegt der pH-Wert beispielsweise bei 4,5, dann ist der Großteil der Säure neutralisiert und es bleibt nur ein geringer Anteil an biologisch aktiver Säure übrig.
Liegt der pH-Wert hingegen bei etwa 3,4, sieht das Resultat völlig anders aus: In diesem sauren Milieu liegt ein deutlich höherer Anteil freier Säure vor. Dann ist das Peeling automatisch potenter – und ein solches Peeling zweimal die Woche zu nutzen, würde die Barriere durchaus überfordern können. Einmal die Woche reicht vollkommen aus.
Die Säuren im Überblick: Milchsäure, Mandelsäure und PHA
Milchsäure (AHA): Ist etwas milder für die Haut und besitzt größere Moleküle. Allerdings ist die Auswahl an gut formulierten Milchsäurepeelings relativ überschaubar.
Mandelsäure (AHA): Wirkt durch ihr noch höheres Molekulargewicht sanfter als Glykolsäure bei gleicher Konzentration. Sie dringt langsamer ein und bringt entzündungshemmende Eigenschaften mit, was für unreine Haut oder Rosazea besonders interessant ist.
Polyhydroxysäuren (PHA): Neben den Alpha-Hydroxysäuren gibt es Polyhydroxysäuren wie Lactobionsäure und Gluconolacton. Gluconolacton ist sehr verträglich, bindet Feuchtigkeit, wirkt leicht antioxidativ und entzündungshemmend. Das ist eine Substanz, die sich hervorragend für den Einstieg in die Welt der Peelings eignet.
Mehr zur Anwendung vom chemischen Peeling zu Hause in diesem Blogbeitrag
Konkrete Produktempfehlungen für unkomplizierte Haut
Schauen wir uns konkrete Produktoptionen an. Wir beginnen mit Empfehlungen für eine unproblematische Haut – das heißt eine Haut ohne ausgeprägte Trockenheit, ohne übermäßige Sebumproduktion und ohne starke Überempfindlichkeit:
- The Ordinary – Lactic Acid 5% + HA: Bietet eine 5%ige Milchsäure mit einer relativ kurzen INCI-Liste ohne unnötige Zusätze. Für diejenigen, die eine etwas höhere Intensität suchen, gibt es auch eine Variante mit 10 % Milchsäure. Beide Produkte besitzen eine flüssig-leichte Textur und ziehen zügig ein. Generell gilt: Eine dünne Schicht genügt vollkommen. Lasst das Peeling kurz einziehen, bevor Ihr mit der Pflege fortfahrt.
- Neutrogena – 7% AHA + Panthenol: Als intensiver habe ich dieses Produkt empfunden. Neutrogena deklariert es zwar für unreine Haut, es eignet sich bei robuster Beschaffenheit aber für viele Hauttypen (ausgenommen sehr sensible Hautbarrieren). Das enthaltene Panthenol unterstützt die Hautberuhigung, was es zu einer soliden Option im Drogeriesegment macht.
- Paula’s Choice – Resist Advanced Smoothing Treatment 10% AHA: Ein Peeling mit 10 % Alpha-Hydroxysäuren, das vier Fruchtsäuren (Glykolsäure, Milchsäure, Weinsäure und Äpfelsäure) plus 0,5 % Salicylsäure enthält. Das Produkt lässt sich als vielseitiger Allrounder einsetzen und kann bei guter Verträglichkeit bis zu zweimal wöchentlich genutzt werden.
- NeoStrata – Restore Bionic Lotion (12% PHA): Eine Formulierung auf Basis von Gluconolacton und Lactobionsäure. Die Textur gleicht einer leichten Creme und ermöglicht eine sehr milde, schrittweise Verhornungslösung. NeoStrata führt viele Peelingsorten. Wenn Ihr Interesse an der Marke habt – die Produkte sind teilweise sehr gut formuliert –, lasst mich das wissen, dann besprechen wir die anderen Peelings in einem separaten Video.
Wichtige Kriterien: Reizarme Formulierung statt Duftstoff-Cocktail
Kurz zu meiner Auswahl: Alle empfehlenswerten Formulierungen in dieser Übersicht sind parfümfrei, frei von deklariertem Alkohol und verzichten auf Duftstoffe. Das heißt, sie sind weitgehend reizarm.
Es gibt aber immer noch Peelingprodukte am Markt, die mit reizenden Duftstoffen und weiteren reizenden Substanzen versetzt sind. Das ist kontraproduktiv, da exfolierende Substanzen die Haut bereits reizen können. Wendet Peelings daher bevorzugt am Abend an. Ein leichtes Kribbeln ist in Ordnung, brennen sollte kein Produkt auf der Haut – aber Ihr werdet ein chemisches Peeling auf der Haut sehr wahrscheinlich wahrnehmen.
Finger-weg-Beispiele mit reizenden Pflanzenextrakten
REN Clean Skincare – Ready Steady Glow Daily AHA Tonic: Was Ihr vermeiden solltet, sind Formulierungen wie diese. Neben Milchsäure finden sich dort diverse Zitrusschalenöle wie Mandarine, Orangenblüte und Grapefruit. Das ist absolut unpassend: Ätherische Öle dieser Art bergen ein hohes Potenzial für Irritationen und Kontaktallergien.

Sunday Riley – Good Genes: Dieses recht bekannte Produkt greift wiederum auf eines der stärksten hautallergenen – Zitronengrasöl zurück.
Empfehlungen für sensible, zu Rötungen neigende Haut
Reagiert Eure Haut ohnehin empfindlich und neigt zu Rötungen, solltet Ihr besonders schonende Formulierungen bevorzugen:
- The Inkey List – Polyhydroxy Acid (PHA) Toner: Sollte direkt nach der Reinigung aufgetragen werden (wie im Grunde alle Peelingsubstanzen). Das bietet sich bei diesem Toner geradezu an. Mit 3 % Gluconolacton und 3 % Niacinamid bietet er eine milde Exfoliation bei gleichzeitiger Entzündungshemmung.
- Geek & Gorgeous – Calm Down: Ähnlich sanft zeigt sich dieser Toner mit 3,2 % PHA und 0,8 % Salicylsäure (BHA), was ihn gerade bei leichten Entzündungen passend macht.
- The Ordinary – Lactic Acid 5% + HA: Wer eine sehr milde Steigerung wünscht, kann alternativ zu dieser bereits erwähnten 5%igen Milchsäure greifen.
Einige der erwähnten Peelings findet Ihr hier:
► https://tinyurl.com/mr2swn2a
Empfehlungen für robuste Haut mit Neigung zu Unreinheiten
Bei einer dicken, robusten Haut mit Neigung zu Unterlagerungen und verstopften Poren darf die Formulierung etwas aktiver sein:
- nerds – 12% Liquid Peeling: Eine Möglichkeit aus der Drogerie mit 10 % Glykolsäure. Die ausgelobten zusätzlichen 2 % Fruchtsäuren basieren auf einem Pflanzenextrakt-Blend aus Heidelbeere, Zuckerrohr, Orange, Zitrone und Ahorn (keine ätherischen Öle). Diese Extrakte liefern allerdings nur Spuren freier Säuren. Die Hauptarbeit leistet hier die Glykolsäure. Das Produkt zeigt eine deutliche Wirkung auf der Haut, vergleichbar mit Smooth Out von Geek & Gorgeous.
- Geek & Gorgeous – Smooth Out: Formuliert mit 10 % Glykolsäure und 2 % Milchsäure bei einem pH-Wert von 3,5 bis 3,9. Der pH-Wert ist etwas höher als bei nerds, allerdings fungiert hier die Milchsäure als vollwertiger Peeling-Partner. Welches von beiden stärker ist, lässt sich nur schwer beurteilen.
- Paula’s Choice – Skin Perfecting 6% Mandelic Acid + 2% Lactic Acid: Mit 6 % Mandelsäure, 2 % Milchsäure sowie barrierestärkenden Postbiotika. Ich habe das Produkt bereits nachgekauft. Vor allem wenn ich Unreinheiten habe, verwende ich dieses Peeling sehr gerne.
- The Ordinary – Glycolic Acid 7% Toning Solution: Für unempfindliche Haut existiert zudem dieser Toner mit Aminosäuren. Mit 7 % Glykolsäure war er für mein Gesicht allerdings deutlich zu stark. Ich habe ihn an meinen Beinen aufgebraucht.
- Medik8 – Sleep Glycolic: 10 % reine Glykolsäure bietet auch Medik8. Hier wird mit einer zeitverzögerten Freisetzung bei einem sauren pH-Wert von 3,5 gearbeitet. Das bedeutet, dass das Peeling zwar effektiv und relativ stark ist, die Penetration jedoch gleichmäßig und langsam erfolgt. Das Produkt werde ich mir demnächst definitiv zulegen.
- The Inkey List – Glycolic Acid Toner: Setzt ebenfalls auf 10 % Glykolsäure, allerdings mit einer unkomplizierten Formulierung und einem pH-Wert zwischen 3,6 und 4,0. Dieses Peeling fällt daher etwas milder aus.
Insider Tipp: Zweckentfremdung für den Körper
Ein Insider-Tipp für Euch: Wenn ein Peeling im Gesicht nicht funktioniert, kann es ideal an den Armen oder Beinen (etwa bei Reibeisenhaut / Keratosis Pilaris), bei eingewachsenen Haaren oder auf den Füßen aufgebraucht werden.
Umgekehrt könnt Ihr auch ein chemisches Peeling für den Körper nehmen und für Gesicht und Hals verwenden – das reduziert den Preis um einiges. Produkte wie das Glykolsäurepeeling von Drunk Elephant (mit vielen tollen Goodies, wie man es von der Marke kennt), von Transparent Lab oder von Paula’s Choice eignen sich genauso fürs Gesicht.
Da sie für den Körper formuliert sind, können sie dort allerdings recht stark wirken – geht daher behutsam vor.
Empfehlungen:
- Drunk Elephant – T.L.C. Glycolic Body Lotion* – gerade auf 27€ reduziert (270ml) – wie meist bei Drunk Elephant, ist die Formulierung mit etlichen Goodies gepackt – es ist also kein reines Peeling, sondern enthält auch Squalane, Shea Butter,Linol- und Linolensäure, Vitamin E, und eine Reihe von Pflanzenölen.
- Paula’s Choice – 10% AHA Body Lotion* –mit Shea Butter, Allantoin und Vitamin E 31€ (210ml)
- Transparent Labs – AHA Smoothing Body Lotion mit Ectoin
Die unverzichtbare Grundregel
Und ganz wichtig: Wer chemische Peelings verwendet, für den ist täglicher Sonnenschutz unverzichtbar – auch im Herbst und im Winter.
Bei Fragen bin ich in den Kommentaren für Euch da!
Pia
