Beschädigen Pflanzenöle die Hautbarriere?

Pflanzenöle gut für die Haut

Neulich hörte ich in social media eine Aussage einer Ärztin, die ungefähr so lautete: Das herkömmliche Pflanzenöl kann zur Austrocknungserscheinung der Haut führen. Der Grund dafür ist, dass ein Öl lipohil ist, das heißt: es verbindet sich mit hauteigenen Fetten und wäscht diese aus. Anschließend wurde Shea Butter als die bessere Alternative vorgeschlagen. Dabei ging es um eine Hautmassage.

Nun, diese Aussage enthält zwei interessante Punkte:

Zum einen wird damit behauptet, dass die Fettliebigkeit von Ölen automatisch dazu führt, dass hauteigene Fette – während des Kontakts mit Ölen – ausgewaschen werden (wodurch die Haut trockener wird).

Zum anderen soll aus eben diesem Grund Shea Butter als die bessere Option betrachtet werden.

Beide Punkte schauen wir uns heute genauer an. Der erste Teil klingt nämlich recht allarmierend: Es würde bedeuten, dass wir keine puren Pflanzenöle auf die Haut auftragen sollten, da Öle hauteigene Schutzfette entfernen. Kurz: Pflanzenöle beschädigen die Hautbarriere.


Weil der Beitrag recht lange geworden ist, möchte ich die Erkenntnisse daraus zunächst für Euch zusammenfassen. Diejenigen, die an dem Thema Interesse haben bzw. die wissen wollen, worauf meine Antworten basieren, lade ich zum Lesen des gesamten Textes ein. 🙂


Ist Pflanzenöl gut für die Haut?

Die Zusammenfassung:

Gefährden Pflanzenöle die Integrität der Hautbarriere?

  Pflanzenöle haben unterschiedliche Eigenschaften, je nachdem, wie sie zusammengesetzt sind. Die derzeitige Forschung suggeriert, dass Öle mit einem besonders hohen Anteil an Ölsäure und einem geringen Anteil an Linolsäure (wie etwa Olivenöl, Macadamiaöl oder Marulaöl) die Hautbarriere beeinträchtigen können. Pflanzenöle mit einem hohen Anteil an Linolsäure sollten hingegen einen positiven Einfluss auf die Organisation der Hautlipide in der Hautbarriere haben; insbesondere dann, wenn der Anteil von Linolsäure im Vergleich zu Ölsäure 3-2:1 beträgt (Beispiele von solchen Ölen sind unten aufgelistet).

Ob dabei nur die Linolsäure oder insgesamt mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu beachten sind, ist allerdings nicht eindeutig.


Ist Olivenöl schlecht für die Haut?

  Nein. Olivenöl (darin insb. Ölsäure) gilt zwar als Penetrationsverstärker für andere Substanzen, was die Lipidstruktur der Haut kurzfristig destabilisieren kann. Dies kann aber auch Vorteile haben, wenn der Kosmetikformulierer eben diese Penetrationsfähigkeit zur Einschleußung von Wirkstoffen nutzt. Außerdem zeigte Olivenöl gute wundheilende Eigenschaften (hier).

Olivenöl ist somit nur dann potenziell ungünstig für die Haut, wenn es pur auf eine beschädigte Hautbarriere aufgetragen wird (insbesondere regelmäßig und großflächig, etwa bei Körperpflege). Auch bei Babypflege bzw. Babymassage sollte man von purem Olivenöl – und weiteren Fetten mit einem hohen Anteil an Ölsäure (Shea Butter, Marulaöl oder Avocadoöl) – Abstand nehmen ( mehr zu Babypflege s. hier).


Wie können Pflanzenöle die Haut beschädigen?

Die Beeinträchtigung der Hautbarriere durch einige Pflanzenöle zeigt sich in einer Desorganisation von Hautlipiden (Fetten) in der obersten Hautschicht (Hornschicht, stratum corneum). (Eine dichte Schicht von intakten Hautlipiden ist für die Hautgesundheit essenziell – mehr dazu im Video Hautkurs zum Hautaufbau und Wirkstoffen). In einer gesunden Haut spielt eine kurzzeitige Desorganisation von hauteigenen Fetten keine entscheidende Rolle.

Je empfindlicher, kranker die Haut ist bzw. je schwächer die Hautbarriere, desto wichtiger wird es, den Prozess der Desorganisation von Lipiden zu verhindern. Eine solche Haut regeneriert sich langsamer, was zum Wasserverlust von innen und Einladung von pathogenen Bakterien von außen führen kann.


Sind Pflanzenöle in Hautpflege eine gute Idee?

Werden Pflanzenöle mit einem hohen Penetrationspotenzial (also diejenigen, die die Hornschicht penetrieren und eventuell die Organisation von Lipiden beeinträchtigen) nicht pur auf die Haut, sondern in einer Emulsion (einer Creme) bzw. in einer Mischung mit anderen Pflanzenölen (mit geringerem Anteil an penetrierenden freien Fettsäuren) aufgetragen, wird die potenziell negative Wirkung stark reduziert. Pflanzliche Öle als Teil einer kosmetischen Formulierung (etwa einer Creme) sollten somit eine weitaus geringere Rolle für die Integrität der Hautbarriere spielen.

Kurz: Keine Angst vor Gesichtscremes, die Öle enthalten, auch Olivenöl. 🙂


Sind Pflanzenöle also gut für die Haut oder nicht?

Wenn „hautfreundlich“ mit „Hautbarriere freundlich“ gleichgesetzt wird, dann hängt die Hautfreundlichkeit von dem jeweiligen Öl ab (s. den obigen Punkt). Öle können aber nicht nur die Integrität der Hautbarriere beeinflussen, sondern haben auch antioxidative und wundheilende Eigenschaften. Bei Ölen bzw. deren Mischung, die nicht pur auf die Haut, sondern in einer Emulsion (etwa einer Creme) aufgetragen werden, relativiert sich auch der direkte Einfluss auf die Barriere der Haut.


Interagieren Fettsäuren in Shea Butter mit Hautlipiden nicht?

Shea Butter hat einen hohen Anteil an Ölsäure, was theoretisch die Organisation der Hautlipide (also die Integrität der Hautbarriere) beeinflussen kann. Dies wurde allerdings meines Wissens noch in keiner Studie geprüft. Zum Zwecke einer regelmäßigen Hautmassage würde ich auf Shea Butter aufgrund des hohen Anteil an Ölsäure jedoch verzichten.

Dazu scheinen Öle mit einem niedrigen Ölsäureanteil und einem hohen Linolsäureanteil (s. oben und unten) geeigneter zu sein – insbesondere dann, wenn man unter einer geschwächten Hautbarriere leidet.


Ist Shea Butter gut für die Haut?

Ist Shea Butter also gut für die Haut oder doch nicht? Shea Butter enthält einen hohen Anteil an sog. unverseiften Bestandteilen – u. a. Phytosterole, welche sich positiv, da entzündungshemmend, auf die Haut auswirken können. Die antioxidative Wirkung fällt im Vergleich zu einigen Ölen hingegen gering aus.

Die Forschungslage zur Shea Butter, was die Anzahl an klinischen, placebokontrollierten Studien anbelangt, fällt sehr dünn aus. Der derzeitige Forschungsstand deutet auf eine positive Wirkung von Shea Butter auf die Haut hin; was in dem hohen Anteil des Unverseiften liegen kann, wodurch die Wirkung von Ölsäure relativiert wird (mehr dazu weiter unten). 


Ist Shea Butter besser als Pflanzenöle?

Diese Frage ist zu allgemein, da Pflanzenöle keine homogene Gruppe bilden und sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind. Für den Erhalt einer intakten Hautbarriere ist pure Shea Butter nicht die beste Option. Als Teil einer Gesichtscreme oder Körperpflege ist die Butter wiederum (aufgrund der wahrscheinlichen antientzündlichen und beruhigenden Wirkung) begrüßenswert.

Dasselbe betrifft pflanzliche Öle. Hier ist deren Mischung oder Beimischung in Emulsionen womöglich eine bessere Idee, solange aussagekräftigere Studien zu der Wirkung von vielen Ölen – pur auf die Haut aufgetragen – fehlen.


So. Jetzt zeigte ich Euch, worauf meine obigen Antworten basieren. Wir kommen gleich zur Forschungslage zu Pflanzenölen und Shea Butter an und am Ende werden wir hoffentlich etwas schlauer sein, was das Thema anbelangt. 🙂


Bestandteile von Pflanzenölen

Schauen wir uns zunächst an, woraus pflanzliche Öle bestehen.

Den Hauptbestandteil von Pflanzenölen – um 98% – stellen Triglyceride (auch: Triacylglycerole) dar.

Der Rest besteht aus den sog. unverseifbaren Bestandteilen. Dazu gehören z.B. Phytosterole, Tocopherole/Tocotrienole, Carotine, Phenolverbindungen (etwa Flavonoide und Isoflavonoide), Wachse, Squalen, Phospholipide und Spurenmetalle. (Quelle, Quelle) Zu den unverseiften Bestandteilen kommen wir weiter unten zu sprechen.


Öle sind nicht gleich Öle

Sowohl die einzelnen Bestandteile der jeweiligen Öle und deren Verbindungen als auch das Verhältnis, zu welchem die Bestandteile zueinander stehen, können – bei topischer Anwendung (also direkt auf die Haut) – die Hautphysiologie beeinflussen: das heißt etwa die Integrität der Hautbarriere, den Entzündungsstatus, die antioxidative Reaktion der Haut, etc. (hier)

Allein dadurch können wir alle Pflanzenöle nicht in einen Topf werfen.

Darüber hinaus unterscheidet sich nicht nur die Wirkung von unterschiedlichen Ölen auf die Physiologie der Haut. Denn auch die Zusammensetzung von zwei Ölen derselben Art kann variieren. Zwei Arganöle können unterschiedliche Spezifikationen aufweisen, je nachdem, wo sie gewachsen sind, wann sie geerntet wurden, wie sie aufgearbeitet wurden. etc.

All das müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir von „Pflanzenölen“ sprechen.

Nun kommen wir zur Besprechung des größten Teils eines jeden Pflanzenöles: der Triglyceride und dabei insbesondere darin enthaltener Fettsäuren.


Fette in Ölen und die Hautbarriere

Wie oben erwähnt, bilden Triglyceride den allergrößten Teil der jeweiligen Ölzusammensetzung. In einem Triglycerid wird Glycerin mit drei Fettsäuren verestert.

Und eben Fettsäuren stellen denjenigen Bestandteil von Ölen dar, welcher die Kohärenz unserer Hautbarriere beeinflussen kann.

Warum ist das so?

Fettsäuren haben einen hydrophoben, also wasser-meidenden, Schwanz, der in die Lipide der Hornschicht eindringt (über die lamellare Lipidstruktur der Hornschicht haben wir vor kurzem hier gesprochen).

Weil eine intakte Doppelschicht von Lipiden eine entscheidende Rolle für eine gesunde Hautbarriere spielt, wären theoretisch alle Substanzen, welche die Kohärenz der Lipide stören können, potenziell unerwünschte Elemente in der Hautpflege.

Die Forschung zeigt jedoch inzwischen deutlich, dass nicht alle pflanzlichen Öle die Lipid-Organisation der Hautbarriere beeinträchtigen. Vielmehr können Pflanzenöle einen positiven Einfluss auf die Hautbarriere ausüben und keine „Austrocknungserscheinungen“ herbeiführen. Das schauen wir uns gleich an.

Doch zuerst wollen wir erfahren, welche Fettsäuren in Ölen überhaupt drin stecken.


Freie Fettsäuren in Pflanzenölen

Welche Fettsäuren gibt es in Pflanzenölen?

  • gesättigte Fettsäuren – z.B. Palmitinsäure, Stearinsäure, Cerotinsäure
  • ungesättigte Fettsäuren:
    • einfach ungesättigte Fettsäuren – z.B. Ölsäure (Omega-9-Fettsäuren)
    • mehrfach ungesättigte Fettsäuren:
      • zweifach ungesättigte Fettsäuren – z.B. Linolsäure. (Omega-6-Fettsäuren)
      • dreifach ungesättigte Fettsäuren – z.B. Linolensäure (Gamma-Linolensäure: Omega-6-Fettsäuren; etwa in Nachtkerzenöl) + Alpha-Linolensäure: Omega-3-Fettsäuren)

Nun, wozu sollten wir die Zusammensetzung von Fettsäuren in Ölen und eventuell noch deren Verhältnis zueinander kennen?, fragt Ihr.

Das sehen wir gleich.


Fettsäuren und Hautbarriere

Studien konnten inzwischen zeigen, dass nicht jede Fettsäure auf dieselbe Art und Weise mit der Hautbarriere interagiert.

Der gravierendste Unterschied wurde dabei in der Wirkung von Ölsäure auf der einen Seite und Linolsäure und Linolensäure auf der anderen Seite beobachtet.

Während Ölsäure die Hautbarriere relativ leicht penetrieren kann und die Organisation von Hautlipiden beeinträchtigen sowie zum Wasserverlust führen kann, wirken sich Linolsäure und Linolensäure auf die Kohärenz der Hautbarriere fördernd aus.


Ölsäure und Hautbarriere

Gemessen wurde die Wirkung von Ölsäure auf die Haut sowohl in Form von isolierter Ölsäure (unter Okklusion, hier) als auch in Form von Olivenöl (da es einen sehr hohen Anteil an Ölsäure enthält). (hier) (hier Übersicht).

Etwa in einer in vivo Studie wurden zwei Probandengruppen (insg. 19 Menschen) zwei Mal am Tag mit jeweils Sonnenblumen und Olivenöl (4-5 Wochen lang) behandelt. Während in der Olivenöl-Gruppe eine signifikante Verringerung der Integrität der Hornschicht beobachtet wurde, blieb die Hautbarriere der Sonnenblumenöl-Gruppen intakt und die Hautfeuchtigkeit hat sich erhöht. (hier)

Kurz: Wenn die Hautbarriere beschädigt ist (sprich: es wird ein hoher Wasserverlust beobachtet; die Haut neigt zur Bildung von Ekzemen und Unreinheiten), wird sie stärker auf einen hohen Anteil von Ölsäuren reagieren als eine gesunde Haut.


Ölsäure und Malassezia

Olivenöl wurde zudem mit einer Vermehrung von Malassezia-Hefen in Verbindung gebracht (hier). Dies aber nicht aufgrund von Ölsäure, sondern den hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren (in diesem Fall Stearinsäure). Laut Mikrobiomforschung sollte Malassezia eben in gesättigten Fettsäuren Nahrung für seine Vermehrung finden (hier).

Bei Kopfschuppen – inkl. Kopfgneis/Wiegenkappe bei Babies – besteht das Problem wiederum darin, dass während Malassezia die gesättigte Säure auffrisst, wird die Ölsäure auf der Haut unberührt gelassen, was wiederum zu Schuppen führen kann. (hier)


Linolsäure und Linolensäure

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFAs) – insbesondere Linol- und Linolensäure – zeigten wiederum, dass deren Metabolism durch epidermale Hautenzyme mit der Bildung entzündungshemmender Moleküle zusammenhängt. (hier hier)

Auch konnte dokumentiert werden, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren hilfreich für das Aufrechterhalten einer intakten Hautbarriere sind (hier).

Linolsäure, die auch Teil der hauteigenen Phospholipid-Zellmembranen sowie Ceramiden ist, hat sich darüber hinaus als Entzündungshemmer bei Komedonen erwiesen (hier). All dies wurde allerdings in vitro gemessen.

Aber: In einer Aknehaut wurde eine geringere Menge an Linolsäure festgestellt ( mehr zu Akneursachen hier). Ein erhöhter Anteil an Linolsäure in Hautpflege könnte somit für eine unreine Haut von Vorteil sein.


Fettsäuren – Auf das Verhältnis kommt es an

Man könnte jetzt deshalb denken, dass es das beste wäre, Pflanzenöle zu wählen, die weniger Ölsäure und einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren haben.

So einfach ist es aber nicht. Zumindest dann, wenn es um eine bereits schwache Hautbarriere geht.

Eine der neuesten Studien von 2022 kam zum Ergebnis, dass das Verhältnis zwischen Ölsäuren und Linolsäuren in Triglyceriden der Pflanzenöle eine entscheidende Rolle bei der Wirkung auf die Hautbarriere spielt. 

Dabei wurden 27 klinische Studien zur Bewertung von 17 Pflanzenölen untersucht. Das Ergebnis lautete: „Wir kommen zu dem Schluss, dass bei einer von Entzündungen betroffenen Haut Pflanzenöle mit einem hohen Gehalt an Ölsäure zusammen mit einem Mangel oder einem niedrigen Gehalt an Linolsäure zusätzliche strukturelle Schäden am Stratum Corneum verursachen können, während Öle mit einem hohen Gehalt an Linolsäure und gesättigten Fettsäuren positive Wirkungen zeigen können. (hier)

Dabei verwiesen die Autoren darauf, dass eine gesunde Haut möglicherweise keine negative Wirkung von Ölsäure merken wird: „Im Gegensatz dazu reagiert eine nicht betroffene Haut möglicherweise nicht negativ auf Öle mit hohem Ölsäuregehalt. Allerdings muss die Häufigkeit und Dauer der Anwendung eines Öls als wichtiger Faktor betrachtet werden, der die negativen Auswirkungen auf die strukturelle Integrität der Haut beschleunigen oder verstärken kann.“ (hier)

In einer weiteren Übersicht habe ich hingegen eine Bemerkung gefunden, dass ein hoher Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren (etwa Ölsäure) durch ungesättigte Fettsäuren (wie Linol- und Linolensäuren) ausbalanciert werden kann (d.h. nicht durch nur Linolsäure). „Untersuchungen haben gezeigt, dass Öle, die hauptsächlich aus einfach ungesättigter Ölsäure bestehen, die Hautdurchlässigkeit stärker erhöhen als Öle, die eine nahezu gleichmäßige Mischung aus einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren enthalten.“ (hier)


Pflanzenöle – Tabelle

Pflanzenöle mit einem hohen Anteil an PUFAs (Linol- und Linolensäure) und einem niedrigen Anteil an Ölsäure (Ratio mind. 2:1)

  • Sonnenblumenöl (INCI: Helianthus Annuus Oil)
  • Nachtkerzenöl (INCI: Oenothera Biennis Oil)
  • Distelöl (INCI: Carthamus Tinctorius L.)
  • Traubenkernöl (INCI: Vitis Vinifera Seed Oil)
  • Hanföl (INCI: Cannabis Sativa Oil)
  • Leinöl (INCI: Linum Usitatissimum Oil)

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(Tabelle basiert auf Quellen hier + hierhier)


Forschungslage = Problemlage

Die Forschungslage zur Wirkung von Ölen auf die Haut gibt auf viele Fragen keine eindeutigen Antworten. Klinische kontrollierte Studien, in welchen überzeugend die Wirkung von Ölen auf die Haut gezeigt wurde, findet man selten.

1) Ein der größten Probleme liegt dabei darin, dass in den meisten Studien zur Wirkung von Pflanzenölen auf die Haut nicht der topische Auftrag von Ölen (also direkt auf die Haut), sondern die Wirkung von Pflanzenölen in Diät gemessen wird. Die Ergebnisse werden dann oft auf den topischen Auftrag übertragen. Das sind aber zweit Paar Schuhe.

Beispiel: Die positive Wirkung von Nachtkerzenöl in Form von Kapseln (Nahrungsergänzung) auf Neurodermitis (hier und hier) bedeutet nicht automatisch, dass sich das Öl nach einem topischen Auftrag auf die Haut ähnlich auswirken wird.

  2) Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Wirkung von Pflanzenölen in einer Emulsion (d.h. in einer Formulierung mit anderen Substanzen, etwa einer Creme) nicht mit einer puren Wirkung der Öle auf der Haut verglichen werden kann (wenn es sich um keine kontrollierte Studie handelt).

Etwa in dieser Studie (hier) wurde eine Salbe mit Mandelöl auf die Kinderhaut verwendet, woraus geschlußfolgert wurde, dass das positive Resultat alleine dem Mandelöl zu verdanken ist (nicht placebo-kontrolliert).

Das Ziel einer anderen Studie lag wiederum in der Messung einer Ölmischung auf die Hautgesundheit. Allerdings waren die Öle nur Teil einer Emulsion mit einem hautfreundlichen pH-Wert von 4. (hier) Daraus lässt sich beim besten Willen nicht alleine auf die Wirkung von den enthaltenen Ölen auf die Haut schließen.

  3) Und schließlich kann die Wirkung einer isolierten Fettsäure – etwa Ölsäure – auf der Haut nicht mit der Wirkung von Ölsäuren als Teil der Triglyceride in einem Öl verglichen werden.

In der Fachliteratur findet man viele solche Beispiele.


Was können noch Pflanzenöle in Hautpflege?

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass pflanzliche Öle nicht nur Einfluss auf die Hautintegrität haben können – womit wir uns heute beschäftigen –, sondern auch eine Reihe von weiteren Auswirkungen zeigen.

Dazu zählen: antioxidative Aktivitäten, entzündungshemmende und antimikrobielle Merkmale, Förderung von Wundheilung, antikarzinogene Eigenschaften, etc. (hier)

Falls Euch auch diese Aspekte im Zusammenhang mit Pflanzenölen und Haut interessieren – auch in Diät bzw. in Form von Nahrungsergänzungsmitteln –, meldet Euch dazu bitte in den Kommentaren. Das Thema ist sehr spannend und ich könnte dazu demnächst gerne mehr schreiben.


Fazit: Öle sind nicht gleich Öle

Kurz: Wenn ein Öl pur auf die Haut aufgetragen werden sollte, etwa bei Hautmassage oder regelmäßig in Hautpflege, optiert eher für diejenigen Öle, welche relativ wenig Ölsäure enthalten. Am besten – hautfreundlich – scheinen Öle zu sein, welche das Verhältnis von Ölsäure zu Linolsäure 3-2:1 haben oder wo der Anteil an PUFAs generell überwiegt (Fragezeichen, da Studienlage nicht eindeutig).

Dieser Tipp betrifft in erster Linie Hautpflege einer bereits gestörten Hautbarriere.


Nun, wo ist in der ganzen Geschichte über Pflanzenölen und Haut die Shea Butter zu positionieren?, fragt Ihr?


Die Popularität von Shea Butter

Shea Butter genießt einen äußerst guten Ruf. In vielen afrikanischen Regionen stellt sie das Hautpflegeprodukt schlecht hin. In einer Studie wurden 24 Hautprobleme definiert, in welchen Shea Butter in Subsahara-Afrika als Heilmittel zum Einsatz kommt. Laut WTO ist die Verwendung von Shea Butter mit etlichen Theorien, Überzeugungen und Erfahrungen der einheimischen Bevölkerung verbunden. (hier)

Überzeugungen & Erfahrungen und Wissenschaft klaffen aber nicht selten auseinander.

Ob das hier der Fall ist, schauen wir uns jetzt an:


Shea Butter in Hautpflege

Shea Butter – Karitébutter, Vitellaria paradoxa (INCI: Butyrospermum Parkii) – ist ebenfalls lipohil und kann somit theoretisch mit Hautbarrierefetten interagieren.

Die Behauptung, dass Öle (ohne weitergehende Ausdifferenzierung) die Haut austrocknen – eben weil sie lipophil sind und sich mit hauteigenen Lipiden vermischen können – und dass Shea Butter diese Eigenschaft nicht besitzt, ist somit (doppelt) nicht korrekt.

Eine weitere Eigenschaft von Shea Butter, welche diese Behauptung unterminiert, ist die Tatsache, dass die zweitdominierende Fettsäure in der Butter die Ölsäure darstellt. Wie haben oben gesehen, dass Ölsäure das höchste Potenzial von allen Fettsäuren besitzt, die Hautbarriere zu destabilisieren.

Anzumerken ist hier allerdings, dass der Anteil von Ölsäure in einem Olivenöl (ca. 60%) weiterhin höher ausfällt als in Shea Butter (ca. 45%).


Shea Butter und Ölsäure

  • 92% Triglyceride:
    • 43% Stearinsäure
    • 45% Ölsäure
    • 7% Linolsäure
    • 4% Palmitinfettsäure
  • 8% unverseifbare Verbindungen (hier)  (hier) (hier) (hier) (hier)
Shea Butter enthält einen vergleichsweise hohen Anteil an Ölsäure, welche als besonders hoher Hautpenetrant gilt und die Lipidbarriere stören kann (s. oben).

beschädigen Pflanzenöle Hautbarriere Shea Butter

Zur Erinnerung: Dies kann einen positiven Effekt haben, wenn Ölsäure bewusst als Penetrationsverstärker für Wirkstoffe in einer Formulierung eingesetzt wird. Eine gesunde Haut wird eine damit entstandene kurzfristige Störung der Organisation von Lipiden in der Hautbarriere nicht besonders merken.

Liegt unser Ziel hingegen darin, die Hautbarriere zu stärken, ist ein hoher Anteil an Ölsäure in Pflegeprodukten kontraproduktiv.


Vorteile von Shea Butter

Das heißt aber nicht, dass Shea Butter für die Haut per se unvorteilhaft ist.

Kommen wir jetzt zu den Vorteilen von Shea Butter für die Haut. Oben haben wir erwähnt, dass der Anteil von Triglyceriden in Pflanzenölen bei ca. 98% liegt.

Die restlichen ca. 2% (die sog. unverseifbaren Bestandteile) sind somit relativ gering konzentriert.

Bei Shea Butter liegt der Anteil von Unverseifbarem allerdings viel höher – bei ca. 8% (je nach Herkunft auch höher). In diesem Anteil finden wir eine Reihe von hautfreundlichen Substanzen – allen voran Phytosterole.


Phytosterole in Shea Butter

Von Phytosterolen wissen wir u.a. das Folgende: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Phytosterole und Ceramide die verminderte Kollagensynthese nach UV-Bestrahlung wirksam blockieren und sogar die Synthese stimulieren. Sie können eine sinnvolle Ergänzung zu Anti-Aging-Produkten sein.“ (Quelle)

Insbesondere wurde aber eine antientzündliche Wirkung von Phytosterolen in einigen Studien gezeigt; hier etwa am Beispiel einer Psoriasis Haut.

Es ist wahrscheinlich, dass eben der hohe Anteil an Phytosterolen eine positive Wirkung von Shea Butter auf die Haut zur Folge haben kann (hier).


Shea Butter und Haut – Studienlage

Doch selbst wenn Shea Butter so oft als Glanzstück der Hautpflege dargestellt wird, und in wissenschaftlichen Datenbanken auch etliche Publikationen über Vitellaria paradoxa zu finden sind, sind klinische, aussagekräftige in vivo Studien zur Wirkung von einem topischen Auftrag von Shea Butter auf die menschliche Haut äußerst rar!

Eine oft zitierte in vivo Studie ergab zwar, dass Shea Butter moderate Ekzemen reduzieren kann. Diese Studie wurde allerdings an einem Patient durchgeführt, was nicht repräsentativ ist (hier).

Aussagekräftigere in vivo Studien an Menschen habe ich nicht gefunden.

In einer in vitro Studie (hier) – die zwar schwer auf einen topischen Auftrag von Shea Butter auf die Haut zu übersetzen ist, dafür aber die potenziellen Wirkungen von Shea Butter dokumentiert – zeigte antifugale und antibakterielle Fähigkeiten der Butter – u.a. gegen staphylococcus aureus (überpräsent bei Neurodermitis und Akne).

Eine Studie an Mäusen und Ratten zeigte wiederum eine antientzündliche Wirkung von aus Shea Butter isolierten Triterpenen (aus dem unverseifbaren Teil) (hier).

Eine weitere in vivo Studie an Mauszellen haben die antientzündliche Wirkung bestätigt (hier).


Shea Butter wirkt potenziell entzündungshemmend

Aufgrund der erwähnten antientzündlichen Wirkung von Phytosterolen und Triterpenen wäre somit anzunehmen, dass Shea Butter durchaus als ein Entzündungshemmer auch in Hautpflege wirken kann.

Und weil ein entzündungshemmender Einfluss einer Substanz die Haut zugleich beruhigen wird, könnte man vorsichtig annehmen, dass Shea Butter in Hautpflege als ein durchaus begrüßungswerter Teil gesehen werden soll.

Aufgrund eines Anteils an Catechine (hier) in dem Unverseifbaren, kann Shea Butter zudem eine antioxidative Wirkung ausüben.

Da wir heute aber in erster Linie den Einfluss von Ölen und Shea Butter auf die Lipid Organisation der Hautbarriere diskutieren wollen, lassen wir die anderen Wirkungen von Fetten zunächst einmal außen vor. Dazu können wir ein anderes Mal kommen, falls Euch das Thema interessiert.


Ist Shea Butter besser als Pflanzenöle?

Ist Shea Butter somit hautfreundlicher als Pflanzenöle?

Die Frage lässt sich nicht beantworten, ohne das jeweilige pflanzliche Öl zu benennen. Der Vergleich ist genauso sinnlos als wenn wir Früchte mit Gemüse vergleichen würden, ohne auf die Eigenschaften der jeweiligen Pflanzen einzugehen.


2. Fazit: Pflanze

Bevor wir jetzt zu den besten Ölen für die Haut(barriere) bzw. zu Massageölen kommen, hier noch eine kurze Rekapitulation des Obigen.

Aus der heutigen Forschungslage resultiert, dass ein hoher Anteil an Ölsäure in Fetten (inkl. Ölen) die hauteigene Lipiden kurzzeitig destabilisieren kann.

Wenn uns somit eine Reparatur der Hautbarriere wichtig ist, sollten wir Fette mit besonders hohen Anteil an Ölsäure vermeiden.

Dabei geht es jedoch um einen Auftrag von puren Ölen/Fetten auf die Haut. Kommen Fette mit einem höhen Ölsäure-Anteil nur als Teil einer Formulierung vor, ist die Wirkung stark vermindert.

Was ich auf jeden Fall vermeiden würde, wäre der Auftrag von purem Olivenöl auf eine Babyhaut oder eine Haut mit einer geschädigten Hautbarriere. Gute Pflanzenöle für die Haut sind weiter unten aufgelistet.


Die positive Wirkung von Shea Butter resultiert nicht daraus, dass ihre Fette keine destabilisierende Wirkung auf die Lipide der Hautbarriere hat. Das wissen wir nicht (da die Forschung dazu fehlt). Doch aufgrund des hohen Anteils von Ölsäure ist dies wahrscheinlich.

Der Vorteil von topischem Auftrag von Shea Butter auf die Haut liegt eher in der antientzündlichen und beruhigenden Wirkung von Phytosterolen und Triterpenen, die Shea Butter enthält.

Ist diese entzündungshemmende Wirkung von Shea Butter stärker als etwa von Ölen, die ebenfalls als Entzündungshemmer eingestuft wurden? Das wissen wir nicht, da Vergleichsstudien fehlen.


Die beste Massagenöl?

Zum Schluß wollen wir noch kurz auf die Frage zurück kommen, welches Pflanzenöl sich am besten für eine Massage eignet.

Für eine Körpermassage (und als Babypflege) eignet sich aus meiner Sicht am besten das Sonnenblumenöl (INCI: Helianthus Annuus Oil).

Warum? Etliche Studien konnten inzwischen zeigen, dass Sonnenblumenöl (als im Gegensatz zum Olivenöl) eine Hautbarriere stärkende oder zumindest keine disruptive Wirkung hat. (hier) (Quelle) (hier)  (hier) (hier) Das würde die obige Annahme bestätigen, dass ein hoher Anteil an Linolsäure und ein niedriger Anteil an Ölsäure einen positiven Einfluss auf die Integrität der epidermalen Lipiden spielen kann. Zugleich enthält Sonnenblumenöl einen hohen Anteil an Vitamin E (hier).

Ein weiteres Öl mit einer hohen Anteil an Linolsäure und geringeren an Olivenöl und außerdem hohen Menge an entzündungshemmenden Phytosterolen ist Nachtkerzenöl (INCI: Oenothera Biennis Oil) (hier). Hier ist die Forschungslage auf einen topischen Auftrag auf die Haut allerdings begrenzt, deshalb ist meine Annahme eher theoretisch. 

Ein dritter Kandidat für einen puren Auftrag auf die Haut – auch auf eine schwache Hautbarriere – wäre Diestelöl (INCI: Carthamus tinctorius L.) mit ähnlich ausfallenden Proportionen zwischen Öl- und Linolsäure und einem hohen Anteil an Vitamin E (hier, hier).


Ich hoffe, dass Euch der Beitrag weiterhilf! Auf Eure Gedanken zu Pflanzenölen, Shea Butter und Haut bin ich schon sehr gespannt!

Eure Pia

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Ava

Liebe Pia,
wow, was für eine Recherche! Ich finde das total klasse, wie du dich aufgrund einer Einzelaussage in den Sozialen Medien so in das Thema reingefuchst und es für uns aufbereitet hast. Vielen lieben Dank dafür 🙂

Silvia

Hallo ich benutze gerne Rizinusöl fürs Gesicht. Ist das auch bedenklich?

Anne

Huhu, danke für den sehr aufschlussreichen Beitrag, weisst du wie es mit purem Squalan aussieht? Liebe Grüße, Anne

Karo

Danke mal wieder, Pia. 🙂
Schade, dass die Forschung uns keine eindeutigen Ergebnisse liefert. Mir selbst hat pure Sheabutter sehr geholfen, als ich unter perioralen Dermatitis litt. Damals konnte mir nichts helfen (über ein halbes Jahr lang! Und die Nulltherapie machte alles schlimmer). Nur die pure Sheabutter hat mich „quasi geheilt“…

Sylvia

Danke für deine ausführliche Recherche, das war sehr spannend!!
Ich massiere tatsächlich mehrmals die Woche morgens mein Gesicht. Würdest du da auch zum Sonnenblumen Öl greifen? Den habe ich tatsächlich noch nie benutzt….

Sylvia Jäger

Ich massiere seit meinen Wechseljahren, morgens, meine Schwellungen im Gesicht weg.🤣
Es hilft wirklich.
Jeden zweiten Tag , in Moment noch mit Shea Butter. Ich massiere vorsichtig mit den Fingern, selten mit GuaSha Stein.
Sonnenblumenöl muss ich jetzt suchen🤣, der aus der Küche ist wohl nicht geeignet?

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