In unserem letzten  Beitrag zur Erwachsenenakne haben wir festgestellt, dass Akne im Erwachsenenalter in erster Linie Frauen betrifft. Nicht alle erwachsenen Frauen, die unter unreiner Haut leiden, haben zugleich PCO. Doch ein hoher Prozentsatz von Frauen, bei denen PCO diagnostiziert wurde, ist zugleich von Akne betroffen. Daher wollen wir uns heute den Zusammenhang zwischen Akne und PCO genauer anschauen. 

Das polyzystische Ovarialsyndrom oder Ovarsyndrom (PCO, PCO-Syndrom, PCOS, Stein-Leventhal Syndrom) ist eine der am häufigsten diagnostizierten endokrinologischen Frauenkrankheiten. Betroffen sind zwischen 5% und 10% Frauen im gebärfähigen Alter (hier hier hier). 

Laut einem deutschsprachigen Papier (s. hier) wurde die aktuellste Definition des PCO-Syndroms in 2006 durch die AE-PCOS Society („Androgen Excess and PCOS Society“) etabliert. Die neuen Diagnosekriterien erfordern das Vorhandensein von:

  1. Hyperandrogenismus (biochemisch und/oder klinisch)
  2. Ovarieller Dysfunktion (Oligo- oder Anovulation und/oder polyzystische Ovarien).

Hyperandrogenismus zeichnet sich im Fall von PCOS insbesondere durch drei Elemente:

  • Vermehrte Körperbehaarung nach männlichen Mustern (Hirsutismus)
  • Hautunreinheiten (Akne)
  • Ölige Haut und Haar
  • Haarausfall (Androgenetische Alopezie)

Dabei ist Akne ein der am häufigsten auftretenden Symptome vom polyzystischen Ovarialsyndrom. Schauen wir uns nun kurz den Zusammenhang zwischen Akne und PCO in den Fachliteratur an: 

  Wie dieser Aufsatz berichtet, sind Frauen mit PCO deutlich häufiger von Akne betroffen als der Durchschnitt der Bevölkerung (23-35% zu 12%). Auch diejenigen Frauen, die unter schwerer Akne leiden, gehören zugleich zu der von PCO betroffenen Gruppe. 

  In einer Studie wurden 100 Frauen mit dem PCO-Syndrom untersucht. Fast die Hälfte davon hatte Akne (48%) (Quelle). 

  In einer anderen Studie wurde Akne als das meist vorhandene Symptom von allen PCO-Symptomen diagnostiziert – 67,5% Frauen wurden davon betroffen (Quelle).

  Und umgekehrt: In einer Untersuchung von 33 Patientinnen mit Akne litten 45% unter dem polyzystischen Ovarialsyndrom (Quelle). 

Nun aber welcher Mechanismus steckt eigentlich hinter der Verbindung von Akne und PCO?


Akne und PCO SyndromAkne und PCO

Zwei Faktoren, die bei Frauen mit PCO auftreten, sind für die Entstehung von Akne verantwortlich:

  1. Hyperinsulinämie
  2. Eine erhöhte Aktivität von 5α-Reduktase

Besprechen wir jetzt kurz die beiden Aspekte:

1) Ein der wichtigsten Erscheinungen bei PCOS ist Insulinresistenz (Quelle). Insulinresistenz führt zur der sog. Hyperinsulinämie. Diese verursacht wiederum einen Anstieg von Androgenenspiegeln im Eierstock. Erhöhte Androgenspiegel bedeuten eine Talgdrüsenüberfunktion, d.h. mehr Sebum. Kurz: Insulinresistenz führt oft zu Akne.

2) Frauen mit PCO haben zudem eine erhöhte Aktivität von 5α-Reduktase  Wie wir bereits in unserem ersten Beitrag zu Akne gelernt haben, wandelt 5α-Reduktase Testosteron in einen noch potenteren männlichen Hormon um: Dihydrotestosteron (DHT) (Quelle). DHT trägt nicht nur zur Entstehung von Hirsutismus bei Frauen mit PCOS bei, sondern kurbelt auch die Sebumproduktion an. Nicht zuletzt ist DHT für eine Verhornungsstörung auf der Hautoberfläche zuständig ( Dazu lest Ihr auch in dem Beitrag zu Ursachen von Akne, hier).


Akne und PCO – die Behandlungsmethoden

Da PCOS eine ernstzunehmende Krankheit darstellt, ist eine adequate Behandlung unbedingt nach Absprache mit einem Arzt und unter ärztlichen Aufsicht durchzuführen. Meist ist bei dem PCO-Syndrom nicht vornehmlich Akne das am meisten störende Syndrom, sondern Insulinresistenz, Zyklusstörung oder ein unerfüllter Kinderwunsch. Dementsprechend kann auch die adequate Therapie von Akne bei PCO vom Fall zu Fall variieren.

Beispiele von Therapien bei Akne bei PCO:

Orale Therapie:

Besteht kein Kinderwunsch, werden orale Kontrazeptiva (sog. Antibabypille bzw. Pille) mit anti-androgener Wirkung zu den „Mitteln der ersten Wahl“ gezählt (Quelle 1, S. 105 ).

Bei schwerer bzw. therapieresistenter Akne kann außerdem Isotretinoin (13-cis-Retinsäure | Aknenormin) in Betracht gezogen werden. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass bei Akne mit PCO die Rückfallrate deutlich höher ausfällt als bei Akne ohne PCO-Syndrom (ca. 1/3) (Quelle 1, S. 105). Vorsicht: Vor dem Beginn einer Therapie mit Isotretinoin muss unbedingt Schwangerschaft ausgeschlossen werden!

Gute Resultate bei der Behandlung von Akne bei PCO-Syndrom zeigt zudem eine antiandrogen wirkende Medikamenten-Kombination: Cyproteronacetat (Antiandrogene) plus Ethinylöstradiol. (Quelle 1, S. 106).

Auch Antibiotika werden bei der Behandlung von Akne bei PCO eingesetzt: Dazu zählen etwa Doxycylin, Minocylin und Tetrazyklin. Hier müssen sowohl eine Schwangerschaft als auch eine gleichzeitige Einnahme von Isotretinoin (Aknenormin) ausgeschlossen werden.

Besteht Hyperinsulinämie, wird häufig Metformin verschrieben. Metformin verringert die Testosteronspiegel und trägt hierdurch zur Reduktion von Akne bei (Quelle 1, S. 106). Über Metformin wie auch alle anderen Medikamente muss Euch aber in erster Linie ein Arzt aufklären.


  Topische Therapie:

Für eine topische Anwendung werden neben Antibiotika (Erhytromyzin, Clindamyzin) auch frei verkäufliche Produkte mit folgenden Aktivstoffen empfohlen:

  • Benzoyl Proxide,
  • Azelainsäure,
  • Retinoide (Retinsäure, Retinal, Retinol).

Die Therapiemethoden in Bezug von Akne im Fall eines PCO-Syndroms unterscheiden sich nicht weitgehend davon, wie man es im Falle von Akne ohne PCO praktiziert. Einen Beitrag zu  Behandlungsformen bei Akne findet Ihr bei Skinci.

Falls Ihr Anfänger in Sachen Hautpflege seid und die Fülle von Produkten und Inhaltsstoffen nicht überblickt, findet Ihr in dem Beitrag  Gute Pflege für Hautpflege-Anfänger ein paar Beispiele dafür, wo und wie man anfängt.


PCO ist nicht nur Akne!

Da PCOS nicht nur mit gynäkologischen und dermatologischen Problemen verbunden ist, sondern auch mit metabolischen Krankheiten (Diabetes) und kardiovaskulären Risiken (Quelle 2 , S. 240), sollte man im Falle eines Verdachts auf PCOS unbedingt ärztlichen Rat aufsuchen! Daher möchte ich hier auf das Thema nicht ausführlicher eingehen, sondern Euch in erster Linie dafür sensibilisieren, dass Eure Akne vielleicht eine andere Behandlung als nur topisch aufgetragene Aktivstoffe benötigt. Leidet Ihr unter Hyperandrogenismus (s. ganz oben) und/oder unter irregulärer bzw. ausbleibender Ovulation, wäre ein Frauenarzt die erste Adresse.   

Eure Pia            


Den letzten Beitrag aus unserer Akne-Reihe zu Akne und Narben findet Ihr bei Skinci hier

  Eine Übersicht von allen Akne-Beiträgen findet Ihr hier

Hier geht es lang zu dem neuesten Update von Retinoiden

 Hier geht es lang zu dem neuesten Update von Hyaluronsäure


Quellen

Quelle Nr. 1: Keck, Christoph/Krone, Wilhelm (2011): „Das Syndrom der polyzystischen Ovarien: Interdisziplinäre Konzepte zu Diagnostik und Therapie des PCOS“, Stuttgart

Quelle Nr 2: Leidenberger, Freimut A./Strowitzki,Thomas/Ortmann, Olaf (2014): „Klinische Endokrinologie für Frauenärzte“, Springer, 5. Aufl.

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Hyperandrogenismus zeichnet sich im Fall von PCOS insbesondere durch drei Elemente: Vermehrte Körperbehaarung nach männlichen Mustern (Hirsutismus) Hautunreinheiten (Akne) Ölige Haut und Haar Haarausfall (Androgenetische Alopezie) Dabei ist Akne ein der am häufigsten auftretenden Symptome vom polyzystischen Ovarialsyndrom. Schauen wir uns nun kurz den Zusammenhang zwischen Akne und PCO in den Fachliteratur an.
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7 Kommentare

  1. Sehr guter Hinweis. Ich habe mal „im Vorbeigehen“ die Diagnose PCO von meiner Gynäkologin bekommen, weil ich einen unregelmäßigen Zyklus und Erwachsenenakne hatte. Das hat mich furchtbar geärgert, denn genau wie Du sagst gehört mehr dazu als nur Akne. Ich hab dann den Gynäkologen gewechselt und mich testen lassen, hatte natürlich keine. Es ist aber immer gut, im Zweifel nachschauen zu lassen. Nicht (nur) wegen der Akne, vor allem auch wegen den Langzeitfolgen der Insulinresistenz.

    1. Author

      Ärzte sind auch Menschen und müssen nicht alles wissen. In diesem Fall kann eine vorschnelle Diagnose tatsächlich schwerwiegende Konsequenzen haben. Gut, dass Du nun in guten Händen bist!

  2. Das kannte ich vorher nicht. Danke für den Artikel, Pia! 🙂

  3. Liebe Pia, danke für deinen Artikel. Ich habe allerdings eine andere Frage generell zum Thema bzw. zur Definition von Akne.
    Heisst es Akne, wenn die Probleme (Pickel, Zysten etc.) im Gesicht auftreten? Oder ist der ganze Körper gemeint? Ich speziell habe den Fall bei meinem Freund eine nahezu perfekte Haut im Gesicht hat. Dafür ist sein ganzer Rücken mit Pickeln und Zysten übersät.

    Liebe Grüsse Valerie

    1. Author

      Liebe Valerie, ich habe auf eine Definition verzichtet, da es viele Akne-Definitionen gibt, je nach dem, um welchen Schweregrad es sich handelt. Acne comedonica zeichnet sich durch das Auftreten von Mitessern (offen und geschlossen), bei Akne papulopustulosa kommen Entzündungen hinzu, etc. All das kann überall am Körper erscheinen (wo Talgdrüsen vorhanden sind) – selbst wenn dabei das Gesicht ausgesparrt ist, dafür aber Rücken betroffen sind. Ich würde Deinem Freund allerdings dazu raten, den Hausarzt zu konsultieren. Oder hat er das schon? Viele Grüße an Euch!

      1. Liebe Pia,
        danke für deine Antwort. Er war früher schon öfter beim Arzt, leider hatte das eher weniger mit der Ursachenbehebung zu tun. Wir versuchen es jetzt für den Anfang mit BHA und testen, ob es etwas bringt.
        Liebe Grüsse
        Valerie

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