Hautpflege für Babys und Kleinkinder – Basics

Hautpflege für Babys und Kleinkinder 1

Hautpflege für Babys und Kleinkinder

Unsere Haut erfüllt eine Reihe von wichtigen Funktionen. Sie reguliert zum Beispiel die Körpertemperatur, schützt uns vor unerwünschten Umwelteinflüssen inkl. Bakterien und Mikroorganismen sowie der UV-Strahlung, bewahrt die Hautfeuchtigkeit, etc. Die Haut besteht aus drei Schichten: 1) der am tiefsten liegenden Unterhaut (Subkutis), 2) der mittleren Dermis und 3) der obersten Epidermis. Der Schutz von Umwelteinflüssen und der Hautaustrocknung befindet sich dabei zum Großteil in der äußersten Schicht der Epidermis: dem sog. stratum corneum (= Hornschicht). Mehr zu Hautschichten und zur Rolle von stratum corneum könnt Ihr hier nachlesen.

Ältere Studien wiesen darauf hin, dass die Hautbarriere von Babys bereits in der 34. Schwangerschaftswoche vollkommen funktionsfähig ist. Demgemäß wäre diese Entwicklung noch im Mutterleib abgeschlossen. Heute wird allerdings davon ausgegangen, dass es noch mindestens zwölf Monate nach der Geburt dauert, bis die äußere Hautschicht ihre Funktion vollständig ausüben kann (Quelle, Quelle). Zumindest bis zum zweiten Lebensjahr haben Kinder weiterhin eine dünnere stratum corneum– Schicht und kleinere Korneozyte (tote Hornzellen auf der Hautoberfläche) (Quelle, Quelle Nr. 2, S. 2). Da einige Kinderpflegeprodukte erst ab dem 3. Lebensjahr empfohlen werden, würde ich also gerne daran festhalten, dass die Baby- und Kinderhaut bis zum 3. Lebensjahr besonders stark geschützt werden muss. Bewusst ausgewählte Pflegeprodukte und gut überlegtes Pflegeverhalten der Eltern sind deswegen nicht nur bei Neugeborenen, sondern auch bei Kleinkindern von großer Bedeutung.


Eigenschaften von Babyhaut

In funktionaler Hinsicht unterscheidet sich die Baby-Haut im Vergleich zu einer (gesunden) Erwachsenenhaut u.a. durch folgende Eigenschaften:

  • Erstens: Babyhaut zeichnet sich durch eine dünnere Hautbarriere aus. Das heißt: im Vergleich zur Erwachsenenhaut hat das stratum corneum weniger Schichten. Eine dünnere Barriere schützt wiederum in einem geringeren Umfang vor dem Eindringen von Bakterien und Mikroorganismen von außen. Zugleich ist sie auch anfällig für mechanische Verletzungen. Außerdem haben dadurch topisch applizierte Inhaltsstoffe einen kürzeren und einfacheren Weg, um in die Haut einzudringen.

  • Zweitens: Der Zusammenhalt zwischen Epidermis und Dermis ist in der Babyhaut lockerer als in Erwachsenenhaut (Quelle). (Diese Verbindungsstelle zwischen Epidermis und Dermis nennt man dermo-epidermale Junktionszone.) Neben vielen anderen wichtigen Funktionen, ist eine enge Verbindung zwischen den beiden Hautschichten essential für die Wundheilung. Auch stellt die dermo-epidermale Junktionszone eine Barriere für das Durchdringen von unerwünschten Molekülen von Epidermis hin zu Dermis dar. Eine undichte Barriere öffnet hingegen eine Hintertür für unwillkommene Substanzen, etwa Allergene, was zur Hautkrankheiten führen kann.

  • Drittens: Direkt nach der Geburt hat die Haut einen erhöhten pH-Wert (das Fruchtwasser ist basisch, um pH 7.15). Laut vielen Messungen sinkt der pH-Wert bei Reifgeborenen bereits einige Tage danach. Allerdings wird in der Fachliteratur zugleich darauf hingewiesen, dass der Säuremantel Wochen, wenn nicht Monate, braucht, um normalisiert zu werden (Quelle Nr. 2, S. 1). Doch selbst bei einem schwach sauren pH-Wert verfügen Babys über eine – im Vergleich zu Erwachsenen – geringere Pufferkapazität. Das bedeutet, dass die Babyhaut bei pH-Veränderungen (zum Beispiel bei einer pH-Erhöhung nach der Anwendung von harschen Reinigungsmitteln) langsamer in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Leidet das Kind unter Hautausschlägen bzw. unter krankheitsbedingt beschädigter Hautoberschicht, ist die Pufferkapazität noch geringer (Quelle). In diesem Beitrag habe ich ausführlich darüber berichtet, wie wichtig ein leicht sauer pH-Wert der Hautbarriere (um 5,5) für das optimale Funktionieren der Haut ist. Ein erhöhter pH-Wert beeinträchtigt nämlich den Zusammenhalt der Hautbarriere, erhöht das Risiko des hauteigenen Wasserverlustes und des Eindringens von Bakterien von aussen – erhöht also das Entzündungsrisiko.

  • Viertens: Babyhaut wird mit einer geringeren Anzahl an Melanozyten in der Epidermis ausgestattet. Da Melanin als hauteigener Sonnenschutzfilter fungiert, weist eine Haut mit einer reduzierten Melanozytenzahl einen geringeren hauteigenen UV-Schutz auf. Dabei wissen wir heute, dass ein Sonnenbrand in der Kindheit das Entwicklungsrisiko eines malignen Melanoms (des “schwarzen Hautkrebs”) erhöht (Quelle).

  • Fünftens: Weil die Aktivität von Talgdrüsen nach der Geburt noch gering ist, hat eine Babyhaut weniger epidermale Lipide. Da Lipide, neben proteinhaltigen Keratinozyten und Korneozyten, die Hautbarriere verdichten, hat eine reduzierte Lipidmenge eine durchlässigere Haut zur Folge (Quelle Nr. 4, S. 3). (Mehr zur Funktion von Lipiden in der Haut könnt Ihr hier nachlesen.) Bei durchlässiger (sprich: löchriger) Haut wäre wiederum zweierlei zu erwarten:
    • Einerseits könnte man von einem erhöhten Verlust des hauteigenen Wassers ausgehen (sog. transepidermalen Wasserverlusts, TEWL). In diesem puncto gehen  Forschungsergebnisse jedoch auseinander: einige weisen auf einen erhöhten, andere auf einen niedrigeren und wieder andere auf einen ähnlich ausfallenden Wasserverlust in der Babyhaut wie im Falle einer gesunden Erwachsenenhaut (Quelle). Eindeutig feuchtigkeitsarm ist eine Babyhaut daher nicht.
    • Andererseits würde eine durchlässige Epidermis auf eine erhöhte Aufnahme von Toxinen und Mikroorganismen aus der Umwelt hindeuten. Dies könnte wiederum zu Hautentzündungen führen.

  • Übrigens: Bei Frühgeborenen und Babys mit einem niedrigen Gewicht ist die Hautbarriere noch viel stärker beeinträchtigt. Das stratum corneum von Frühchen ist sehr viel dünner als die von Reifgeborenen: anstatt von 15 Zellreihen, verfügen sie anfangs nur über eine! (Quelle Nr. 2, S. 2) Zwar findet der Aufholprozess recht schnell statt: nach etwa drei Wochen sollten die Hautbarriere-Funktionen denen von reif geborenen Kindern gleichen (Quelle). Trotzdem vergehen Wochen bis Monate, bis diese Entwicklung  abgeschlossen ist (Quelle).

Hautpflege für Babys und Kleinkinder: 10 Pflegeregel!

Die oben beschriebenen Hauteigenschaften von Neugeborenen und Kleinkindern geben Euch bereits ein paar Ideen dafür, wie die zarte Haut zu behandeln ist. Daraus ergeben sich einige Pflegeregel, die wir im Folgenden besprechen werden.

1) Hauptsache: Mild!

Wie oben erwähnt befindet sich die Hautbarriere fast vollständig im stratum corneum. Dabei macht die äußerste Hautschicht lediglich einen Bruchteil der Gesamtdicke der Haut aus und ist zugleich dauernd externen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Dementsprechend kann die Verwendung von harschen Chemikalien die noch schwache Barrierefunktion zusätzlich beeinträchtigen.

Daher lautet das Pflegegebot Nr. 1: Wähle Pflegeprodukte mit milden Inhaltsstoffen, deren Verwendung kein Irritationsrisiko für die zarte Babyhaut nach sich zieht.

Beachte dabei, dass Bezeichnungen wie: “dermatologisch getestet”, “extrem sensitiv”, “natürliche Duftstoffe” oder “zertifizierte Naturkosmetik” keine Garantie für milde Zusammensetzung von Pflegeprodukten darstellen.

Nun, woher weiß man, welches Produkt mild zusammengesetzt ist?

Milde Hautpflege für Babys und Kleinkinder (inkl. Baby-Waschlappen bzw. Feuchttücher) enthält die folgenden Inhaltsstoffe nicht:

  • Alkohol denat. (Penetrationsverstärker, Konsistenzgeber, Konservierungsstoff) – Verbrennungs- und Irritationsgefahr
  • Propylenglycol (INCI: propylene glycol) (Penetrationsverstärker, Feuchthaltemittel) – Irritationsgefahr (insb. wenn höher als 5%, Quelle; bei Dermatitis-Patienten sogar ab 2%, Quelle)
  • Sodium Lauryl Sulfate (Tensid) – absolutes No-Go = bekannter Reizstoff
  • Sodium Laureth Sulfate, Ammonium Laureth Sulfate (Tenside) – Irritationsgefahr. Diese kann zwar durch die Beigabe von anderen, milderen Tensiden reduziert werden (mehr dazu findet Ihr in diesem Beitrag). Trotzdem gehören Sulfate zu den harschesten Tensiden in Pflegeprodukten und müssen daher nicht unbedingt in Babyprodukten enthalten sein.
  • Cocamidopropyl Betaine (Tensid) – gilt als deutlich weniger reizend als Sodium Lauryl Sulfate, dafür aber als stärker Allergen (Quelle Nr. 3, S. 479) – Gefahr von Kontaktdermatitis (zu Kontaktdermatitis könnt Ihr hier nachlesen). 
  • Methylisothiazolinone (Konservierungsstoff) – Gefahr von Kontaktdermatitis. Seit Juli 2015 ist die Kombination von Methylchloroisothiazolinone unMethylisothiazolinone in der Europäischen Union aus Produkten, die auf der Haut verbleiben, verboten. In abwaschbaren Pflegepräparaten können beide nicht mehr als 0.0015 % ausmachen (Quelle). Methylisothiazolinone wurde in 2013 von der Amerikanischen Gesellschaft für Kontaktdermatitis (American Contact Dermatitis Society) zum Kontaktallergen des Jahres gekürt (Quelle). Als besorgniserregend wird hierbei die Verwendung von Methylisothiazolinone insbesondere in Babyprodukten eingeschätzt (Quelle). 
  • Formaldehydabspalter: Quaternium-15, Diazolidinyl urea, DMDM hydantoin, Imidazolidinyl urea, Bronopol, Tris(hydroxymethyl)nitromethane (Konservierungsstoffe) – Gefahr von Kontaktdermatitis (Quelle Nr. 3, S. 472)
  • Parfüm – Gefahr von Kontaktdermatitis
  • Farbstoffe – Gefahr von Kontaktdermatitis
  • Ätherische Öle – Gefahr von Kontaktdermatitis (mehr zu allergenen Bestandteilen in Pflege findet Ihr hier)
  • Lanolin – Gefahr von Kontaktdermatitis (insb. in Menschen mit geschwächter Hautbarriere, inkl. Babys und Kleinkindern, Quelle)
  • Oxybenzone (INCI: benzophenone-3 / Sonnenschutzfilter) –  Gefahr von Kontaktdermatitis (Quellenübersicht)
  • Octinoxate (INCI: octyl methoxycinnamate bzw. ethylhexyl methoxycinnamate / Sonnenschutzfilter) – Gefahr von einer zu starken Hautpenetration, insb. bei geschädigter (bzw. unreifer) Hautbarriere (Quellenübersicht). (Liposomale Einkapselung kann die Penetrationstiefe zwar verringern (Quelle); dafür müsste man jedoch zunächst einmal wissen, wie die Formulierung des Sonnenschutzes in Detail aussieht.)
  • Octocrylene (Sonnenschutzfilter) – Gefahr von Kontaktallergie und Photoallergie. Neulich wird auf eine wachsende Anzahl von allergischen Reaktionen auf Octocrylene verwiesen (Quelle, Quelle).
  • Olivenöl – als Massageöl auf trockene Haut. Diese Studie von 2013 kam zum Ergebnis, dass Olivenöl zur Beschädigung der Hautbarriere führen kann, während Sonnenblumenöl einen positiven Effekt auf die Kohärenz der epidermalen Lipide hat. Drei Jahre später kam eine Forschergruppe jedoch zu einem anderen Resultat: Beide Ölarten waren im gleichen Ausmaß feuchtigkeitsspendend, beide haben die Hautbarriere von Babys (konkreter: die Lipidstruktur) leicht verändert (Quelle). Das Problem mit Olivenöl ist dabei dessen Hauptbestandteil: Ölsäure (INCI: oleic acid). Ölsäure ist nämlich in der Lage, epidermale Lipide zu fluidizieren (verflüssigen), was wiederum das Eindringen von Aktivstoffen verstärken kann (Quelle). In einer gesunden Haut ist diese vorübergehende Eröffnung von zusätzlichen Überlieferungskanälen in der Haut unproblematisch. Auf einer Babyhaut, die bereits über weniger Lipide verfügt, sollte man aber keine Penetrationsverstärker bzw. Lipidfluidizer verwenden! (mehr dazu s. Quelle 1)

Parabene und Nanopartikel in (nicht nur) Babyprodukten wird der kommende Beitrag behandeln.

Klick zum Vergrößern:


2) Keine Seife!

Pflegegebot Nr. 2: Benutze keine Seifen! Diese haben in aller Regel einen basischen pH, was hauteigene Lipide zerstört und dadurch die Hautbarriere schwächt. Verwende Produkte mit einem leicht sauren pH-Wert (um 5,5), damit die Haut sauer bleibt! (zur Relevanz von unserem hauteigenen Säuremantel gehts hier lang).


3) Kein Puder!

Pflegegebot Nr. 3: Puderpartikel auf Basis von Talk und Starch/Stärken sollten nicht eingeatmet werden!  Damit der Windelbereich trocken bleibt, ist ein regelmäßiger Windelwechsel – wie auch ein möglichst häufiger Verzicht drauf – am günstigsten. Für die Pflege des Windelbereichs eignet sich am besten eine auf Zink basierende Wundschutzcreme.


4) (Kurzes) Baden, kein Reiben!

Wann das erste Baden erfolgen sollte, ist in Fachbüchern nicht eindeutig definiert. Der allgemeine Tenor geht davon aus, dass dies erst dann der Fall sein darf, wenn die Temperatur des Neugeborenen stabilisiert ist. Das ist etwa 6 Stunden nach der Geburt. Jedenfalls ist das Baden für Babys auf Dauer definitiv besser als Reinigung mit Waschlappen, die eine Mikro-Exfoliation verursachen. Dabei sollte die Badedauer 5 Minuten (nach einigen Quellen 10 Minuten) nicht überschreiten. Da die Reste der Nabelschnur trocken gehalten werden sollen, vergesst nicht, nach dem Baden/der Reinigung diese Stelle immer gründlich abzutrocknen. Dieses Thema solltet Ihr aber unbedingt mit Eurer Hebamme und dem Kinderarzt besprechen.


5) Reinigungsmittel vs. reines Wasser

In 2016 wurden Empfehlungen aus dem Runden Tisch europäischer Experten für die Kinderhaut veröffentlicht (European Roundtable Meeting on Best Practice Healthy Infant Skin Care, Quelle). Das Treffen war durch Johnson & Johnson “unterstützt”. Dies könnte zur Vermutung führen, dass die Empfehlungen in puncto Popo-Reinigung mit Wasser versus mit frei verkäuflichen Reinigungsmitteln zu Gunsten der Letztgenannten ausfallen würde. Interessanterweise stellt das Abschlußpapier mit Verweis auf zahlreiche Quellen jedoch fest, dass die Überlegenheit einer Methode bislang nicht eindeutig bewiesen wurde.

Bei Frühchen sowie bei Babys mit einem Körpergewicht unter 1.000g sollte man zur Reinigung jedenfalls nur reines Wasser verwenden (Quelle, S. 2). Persönlich finde ich es nicht verkehrt, die Babyhaut in den ersten Lebenswochen ebenfalls nur mit Wasser zu reinigen. Danach kann eine kleine Menge eines mild zusammengesetzten Reinigungsmittels benutzte werden. Ein Spritz vom (Bade)Öl ins Wasser hilf gut gegen die Hautaustrocknung. Vorsicht: Die Badewanne kann danach rutschig werden!


6) Feuchtigkeitscreme – ja!

Meine Kleine habe ich relativ selten (ca. 1x/Woche) und sehr kurz gebadet und sie anschließend nicht immer eingecremt. Stattdessen habe ich ihre Haut beobachtet und nur dann mit einer Feuchtigkeits-Okklusiven-Pflege nachgeholfen, wo trockene Stellen zum Vorschein kamen (auch selten). Gebadet hatte ich sie immer im Wasser mit einem Spritz von milden Reinigungsmitteln und ein paar Öltropfen (Vorsicht: Rutschgefahr!). Das war wahrscheinlich der Grund dafür, dass ihre Haut nie trocken war.

In der Literatur habe ich allerdings Aufsätze gefunden, die explizit auf Babys mit einer trockenen Haut oder (genetisch bedingter) Gefahr von atopischer Dermatitis (Neurodermitis) bezogen sind. In einer Studie wurden 124 Babys ab der 3. Lebenswoche sechs Monate lang beobachtet. Die Hälfte wurde täglich eingecremt, die andere Hälfte nicht. Das Ergebnis lautete, dass tägliche Pflege das Entwicklungsrisiko von atopischer Dermatitis um 50% senkt (zum Eincremen wurden verwendet: Sonnenblumenöl, Cetaphil und Aquaphor) (Quelle). Eine andere Studie bestätigte diese Erkenntnis: Japanische Forscher ließen Säuglinge aus der Hochrisikogruppe für die Entwicklung atopischer Dermatitis täglich eincremen (mit Kontrollgruppe). Im Anschluß konnten in der Gruppe der eingecremten Babys statistisch signifikante Verbesserungen der stratum corneum-Hydratation gemessen werden. Das Ergebnis zeigte außerdem, dass durch eine tägliche Hautpflege mit Feuchtigkeitscremen in 30% der Fälle Ekzeme zurückgegangen sind (Quelle). Daraus könnte man den Schluß ziehen, dass das Eincremen von Kindern mit geschwächter Hautbarriere bzw. aus einer Risikogruppe gute Resultate nach sich ziehen würde. Ansonsten müsst Ihr die Haut Eurer Kinder beobachten und selbst entscheiden, ob Ihr sie täglich eincremen wollt.

Dennoch habe ich auch einen Verweis darauf gefunden, dass die Anwendung von Feuchtigkeitspflege mit Weichmachern auf die Haut von Frühchen umstritten ist. Einige Autoren zeigten, dass die Verwendung von topischen Salben das Risiko von Infektionen bei Frühgeborenen erhöhen kann. Prophylaktische Anwendung von Weichmachern bei Frühchen sollte demzufolge vermieden werden. Auf der anderen Seite konnten 80 Forscher eine hoch signifikante Reduktion von nosokomialen Infektionen ohne Nebenwirkungen durch den topische Auftrag von Sonnenblumenöl feststellen. Demnach bewahrt das Sonnenblumenöl die Integrität von stratum corneum und erhöht die Hautfeuchtigkeit. Dabei ist, wie oben erwähnt, das Sonnenblumenöl dem Olivenöl überlegen (Quelle).

Bei Frühchen sollte man generell besonders vorsichtig sein und das Pflegeverhalten unbedingt mit dem Kinderarzt abstimmen. An dieser Stelle würde ich mich über Eure persönliche Erfahrung sehr freuen! Bitte teilt mit uns, wie Ihr mit Euren Babys und Kleinkindern in Sachen Eincremen vorgegangen seid!


7) Keine direkte Sonnenstrahlung!

Krabbelnde Kleinkinder am Spielplatz oder am Strand ohne Schutzkleidung und Kopfbedeckung sind einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt. Keine Creme schützt zu 100% vor UVA- und UVB-Strahlen. Ferner lässt sich die ausgelobte Menge (2 mg/cm2) ohnehin selten auf ein Kind auftragen. Außerdem wird der Schutz durch Krabbeln und Planschen schnell abgetragen. Babys bis zum 1. Lebensjahr sollten unter keinen Umständen direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt werden. Ältere Kinder sollten vor UV-Strahlung möglichst geschützt werden. Braune Haut ist übrigens nicht gesund, sondern deutet auf das Gegenteil hin!

Beachtet dabei, dass auch Sand (am Meer & im Sandkasten) und Wasser die Sonnenstrahlen reflektieren und die Bestrahlung zusätzlich verstärken! Tipp: Besorgt für Eure Kinder UV-Kleidung und -Mützen!


8) Okklusion – nicht immer das Optimale!

In unserer Blogreihe zur Hautfeuchtigkeit haben wir gelernt, dass Okklusion die beste Methode zur Verhinderung vom Flüssigkeitsverlust aus der Haut darstellt. Da sich Babys und Kinder generell durch eine eher trockene Haut auszeichnen, könnte man annehmen, dass eine möglichst dichte Okklusion das A und O einer guten Pflege ist. Dem ist aber nicht immer so. Ist die Kinderhaut trocken aber ansonsten gesund, kann eine okklusivere, fettigere Pflege angewendet werden. Leiden Babys/Kinder hingegen unter entzündlichen Dermatosen oder Neugeborenenakne (acne neonatorum) bzw. Säuglingsakne / Kleinkinderakne (akne infantum), ist allzu starke Okklusion nicht angebracht. Vielmehr sollten dann leichtere Pflegemittel appliziert werden. (Eine Liste von okklusiven Inhaltsstoffen findet Ihr hier.) Das führt uns zum weiteren Pflegegebot: Konsultiere möglichst viel mit dem Kinderarzt!


9) Kinderarzt fragen!

In diesem Post beziehe ich mich auf Hautpflege für Babys und Kleinkinder mit einer gesunden Haut(barriere). Viele Säuglinge leiden allerdings unter Neurodermitis und diversen anderen Entzündungskrankheiten, wo frei verkäufliche Pflegepräparate als unzureichend gelten können. Ist Euch hinsichtlich der Haut Eurer Babys/Kinder etwas Beunruhigendes aufgefallen, solltet Ihr also unbedingt einen ärztlichen Rat aufsuchen!


An dieser Stelle sollte noch ein längerer Text zu Parabenen und Nanopartikeln in Hautpflege für Babys und Kleinkinder kommen. Dies würde den Text allerdings eindeutig sprengen. Daher kommt der Teil im kommenden Beitrag.


Hautpflege für Babys und Kleinkinder

Nach der obigen Einführung könnt Ihr jetzt losgehen und euch milde Pflegepräparate für Eure Kinder heraussuchen. Als “erste Hilfe” habe ich für Euch eine Liste von geeigneten Pflegeprodukten für Babys und Kleinkinder aus der Drogerie vorbereitet. Für eine Sonnenschutzcreme müsst Ihr euch allerdings in eine Apotheke begeben, da Drogerien derzeit nur suboptimale Produkte im Angebot haben. Dieser Teil inkl. einer PDF-Liste zum Herunterladen kommt nach dem Post zu Parabenen und Nanopartikeln.

Ich würde mich sehr freuen, könnten wir den Beitrag so interaktiv wie möglich gestalten. Bitte teilt Eure Erfahrungen mit Babypflege, Empfehlungen zu Pflegeprodukten für Baby- bzw. empfindliche  oder beanspruchte Erwachsenenhaut in den Kommentaren. Danke! 

PS. Habt Ihr eine Idee für die 10. Pflegeregel? 🙂

Eure Pia

Quelle 1: Dayan, Nava (2005): Delivery System Design in Topically Applied Formulations: An Overview, in: Rosen, Meyer: “Delivery System Handbook for Personal Care and Cosmetic Products”, New York, S. 105

Quelle 2: Lawley, Leslie (2017): Overview of Dermatologic Care in Children, in: Teng, Joyce/Marqueling, Ann/Benjamin, Latanya: “Therapy in Pediatric Dermatology”, Stanford

Quelle 3: Fonacier, Luz/Boguniewicz, Mark (2016): Contact Dermatitis, in: Leung, Donald/Szefler, Stanley/Bonilla, Francisco/Akdis, Cezmi/Sampson, Hugh: “Pediatric Allergy. Principles and Practice”, 3rd Edition, Elsvier

Quelle 4: Sarkar, Rashmi/Goel, Khushbu/Garg, Vijay (2014): Skin Care in Newborn, in: Sarkar, Rashmi/Inamadar, Arun, Palit, Aparna: “Advances in Pediatric Dermatology”, Kamataka

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15 Comments

  • Reply Sarah

    Hallo Pia,
    vielen Dank für diesen wieder mal ausführlich und gut recherchierten Artikel. Da bist du sicher ne ganze Weile drüber gesessen.
    Mich betrifft das Thema zwar nicht direkt, finde es aber sehr interessant und habe auch wieder ein paar neue Dinge dazu gelernt!!

    Liebste Grüße,
    Sarah

    http://www.eattraincare.com

    June 5, 2017 at 9:36 am
    • Reply [email protected]

      Liebe Sarah, und ich danke Dir, dass Du das überhaupt liest, meine phd lady. 🙂 Liebste Grüße!

      June 19, 2017 at 8:08 am
  • Reply Sunnivah

    Wow, ein toller Beitrag, unglaublich informativ, hab wieder was gelernt!
    Ich kann leider nix beisteuern, außer was die erwachsene, sensible Haut angeht und sagen: die Ausführung zu den LSF (speziell Octocrylene), kann ich nur bestätigen. Mit meiner Rosazea geht der gar nicht. Gut sind in der Hinsicht Sonnencremes von Avene, die fast ausschließlich ohne formuliert sind (auch das Kinderprodukt → mein Wintersonnenschutz).
    Meine Schwester allerdings hat Kinder und gerade vor einer Woche einen weiteren Sohn geboren: sie steht aber auf NK und nutzt auch gern Cremes mit Pflanzenextrakten und ath. Ölen drin, bei denen mir ganz anders wird. Reinreden kann ich ihr aber auch nicht: erhobener Zeigefinger kommt nie gut :-/

    June 6, 2017 at 6:25 am
    • Reply [email protected]

      Meine liebe Sunnivah, dass Octocrylene Allergie auslösen kann, wird nicht häufig erwähnt. Es gibt einige Sonnencremes, die gut formuliert sind – bis eben auf Octocrylene. Ich selbst habe kein Problem damit; für Babys und Kleinkinder würde ich es aber nicht empfehlen. Und Ja, Avene ist großartig. Das ist mir neulich auch eingefallen! 🙂
      Ich grüße Dich herzlich… mit einem schlechten Gewissen. Ich muss bei Dir möglichst bald wieder vorbeischauen! 🙂
      Herzlichen Glückwunsch an Deine Schwester!

      June 19, 2017 at 8:13 am
  • Reply Valerie

    Hallo Pia, obwohl ich bisher noch keine Kinder habe und das in nächster Zeit auch nicht erwarte habe ich deinen ganzen Artikel gelesen. Sehr, Sehr ausführlich und gut erklärt wie immer. Wenn ich einmal Kinder haben sollte komme ich auf den Post zurück. Da ich auch als Neugeborene schon mit Neurodermitis zu tun habe möchte ich bei meinen Kindern speziell darauf achten.

    Grüsse Valerie

    June 6, 2017 at 11:37 am
    • Reply [email protected]

      Danke Dir! Ich denke, dass der Ausschluss von vielen Inhaltsstoffen bei vielen als übertrieben vorkommt. Es ist tatsächlich in erster Linie an ganz kleine Kinder und eventuell eine Problemhaut gedacht – auch Erwachsenenhaut.
      Btw, wie sieht es aus mit einem Gastbeitrag. Erinnerst Du dich noch? ;-))

      June 19, 2017 at 8:16 am
  • Reply LindaLibraLoca

    Ich habe zwei Kinder und biel gelesen zu dem Thema. Bei Badezusätze. Und ich es gehandhabt wie Du, nur beim Sonnenwchutz war ich nie ganz glücklich mit meinen Lösungen. Vor allem die Sorge vor den Nanopartikeln in den neueren Cremes mit physikalischen Filtern hat mich da umgetrieben, dass war sowohl im Studium in Derma (lang her) als auch in der einen oder anderem Fortbildung, die ich zu dem Thema dann besucht habe, wichtig. Manchmal glaube ich, ich hätte doch Dermatologin werden sollen, aber damals war vom Beautyblog noch nichts am Horizont, da waren dann andere Bereiche interessanter.
    Ich bin gespannt auf Deine Meinung zu dem Thema!
    LindaLibraLoca kürzlich veröffentlicht…New in from pixi – The SEO dilemmaMy Profile

    June 7, 2017 at 6:05 am
    • Reply [email protected]

      Mütter haben immer etwas mehr Angst um Kinder als um sich selbst. Ich habe mir nicht großartig Gedanken um Nanopartikel gemacht, wenn es um meine eigene Produkte geht. Erst bei dem Beitrag zur Kinderpflege habe ich mir die Frage ernsthaft gestellt. Dies findest Du im part II. Bist Du letztendlich eine Ärztin geworden??

      June 19, 2017 at 8:20 am
  • Reply Lena

    Der Beitrag kommt genau zur richtigen Zeit für mich, nach diesen Infos hatte ich gesucht, vielen Dank! Die Liste von geeigneten Pflegeprodukten für Babys und Kleinkinder aus der Drogerie kommt noch oder gibt es diese schon? lg

    June 7, 2017 at 8:36 am
    • Reply [email protected]

      Liebe Lena. Herzlichen Glückwunsch! Ich würde mich freuen, wenn Du von den Informationen profitieren und hier einen Anhaltspunkt finden könntest. Im nächsten Beitrag kommen konkrete Produkte.
      Ich wünsche Dir eine ganz fantastische Zeit! 🙂
      Pia

      June 19, 2017 at 8:21 am
      • Reply Lena

        Super, vielen Dank! 🙂 lg

        June 21, 2017 at 9:31 am
  • Reply Nadine

    Vielen Dank liebe Pia für diesen sehr informativen Artikel! Ich habe ihn verschlungen. ? Besonders die Infos über Frühchen sind für mich sehr interessant! Meine Tochter (jetzt 4) ist in der 26. SSW geboren mit 620g! Ich bin sehr froh, dass ich zu der Zeit schon ein wenig über Hautpflege wusste. Zumindest was Tenside und Duftstoffe angeht. Ich war, als sie dann zu Hause war, sehr zurückhaltend mit dem Baden (1x/Woche). Ich habe sie immer trocken geföhnt danach, da ihre Haut auch auf mechanische Einwirkung sehr sehr empfindlich reagiert hat. Das ist auch heute noch so. Der Po wird noch immer geföhnt! ? Sie hatte dafür nie eine Windeldermatitis. Ihre Haut ist glaube ich einfach sehr dünn. Hat auch sehr schnell blaue oder rote Flecken schon bei leichten Stößen. Auf Duftstoffe reagiert sie sehr empfindlich. Selbst im Waschmittel darf nix drin sein! Zum Glück haben wir Ihre Haut aber sehr gut im Griff. Was das Eincremen angeht halte ich es genau wie du.

    June 10, 2017 at 6:42 am
    • Reply [email protected]

      Liebe Nadine, ganz herzlichen Dank für Deine Rückmeldung! Ich kann mir vorstellen, dass Du um das so kleine Würmchen viel Angst hattest und alles möglichst richtig machen wolltest. Und das hast Du auch offenbar auch geschafft! 🙂 Wie sieht es mit dem Sonnenschutz aus? Welchen kannst Du verwenden, ohne dass die Haut Deiner Tochter empfindlich reagiert? Hättest Du sonst auch weitere Produktempfehlungen?
      Danke und viele Grüße an Dich und Deine Familie! <3 Pia

      June 19, 2017 at 8:26 am
      • Reply Nadine

        Als Sonnenschutz verwende ich die Sonnenmilch für Kinder von Avene. Ich hatte auch schon das Spray für Kinder von Bioderma. Beides verträgt sie gut und ich würde es nachkaufen. Für Arme und Beine nehme ich neuerdings auch mal den neuen SPF für Kinder von Rossmann.
        Zur Reinigung habe ich für sie zu Anfang den Reinigungsschaum von Avene aus der Babyserie (Pediatril) benutzt. Der ist super und sehr mild. Zur Pflege gab es Trixera Creme von Avene. Die ist auch sehr zu empfehlen für trockene Haut. Inzwischen kommen wir mit dem Ultra Sensitiv Reinigungsschaum von Saubär (DM) und der Ultra Sensitiv Pflegecreme von Babylove gut zurecht. Für die Haare Kinder Shampoo von Hipp. Die Sachen von Hipp sind glaube ich auch recht mild formuliert nur leider parfümiert.

        June 19, 2017 at 8:29 pm
  • Reply Anna

    Liebe Pia,
    vielen Dank für den sehr interessanten Bericht. Dieses Thema kommt tatsächlich oft zu kurz wie ich finde. Ich kann etwas klitzekleines zur Frühchen-Pflege beitragen, da ich selbst eines war. Meine Mutter hatte sich damals für mich in der Apotheke Kamelienöl auf Anraten des Arztes besorgt. Damit wurde ich immer eingerieben. Einen nachteiligen Effekt, Hautreizungen oder Allergien gab es damit nicht. Allerdings hat sich die Empfindlichkeit meiner Haut auch nach über 30 Jahren nicht verändert, aber das hatte ich auch nie erwartet.
    Liebe Grüße,
    Anna

    July 16, 2017 at 2:11 pm
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