Hautfeuchtigkeit (11): (II) Weichmacher, Silikone

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Vor einigen Wochen sind wir zum Schluß gekommen, dass physiologische Lipide (Fettsäure, Ceramide und Cholesterin) in Pflegeprodukten nicht nur den Wasserverlust (TEWL) reduzieren, sondern eine Reihe von weiteren Vorteilen für die Gesundheit unserer Haut haben (hier nachzulesen). Setzten wir jetzt also ausschließlich auf aus natürlichen Quellen stammende Weichmacher in Pflegeprodukten? Nicht zwingend.


Was können Silikone in Pflegeprodukten?

  • Zum einen können physiologische Fette auch synthetisch gewonnen werden und in dieser Form in Pflegeprodukten eingesetzt werden. Die Frage ist also nicht: natürlich versus synthetisch, sondern physiologisch versus nicht-physiologisch.
  • Zum anderen üben Silikone auch andere Funktionen in Pflegeprodukten aus: Je nach Art, können Silikone
    • den Sonnenschutzfaktor eines Produktes erhöhen:
      • die Beigabe von alkylmethysiloxanes bzw. silikone acrylate copolymers sowie cyclomethicone und polypropylsilsesquioxane erhöht die Resistenz von Sonnenschutzfiltern gegen Auswaschen/Ausschwitzen,
      • styrene/acrylates copolymers (sog. hollow sphere technologyerhöhen die Lichtspiegelung (im UVA- und UVB-Bereich) (Herstellerangaben),
      • Licht spiegelnde Eigenschaften hat ebenfalls vinyl dimethicone/methicone silsesquioxane crosspolymer, das zugleich auch für ein Soft Focus (Weichzeichner-Effekt) sorgt,
      • phenyl trimethicone verleiht einem Sonnenschutz Resistenz gegen das Haften von Sandkörnern an der Haut (dessen Abrubbeln den Schutz reduziert),
      • (AB)n silicone polyether (bis-isobutyl PEG/PPG-10/7/dimethicone copolymer) stabilisiert wiederum Pigmente in mineralischen Filtern und verhindert deren Aggregation, was eine ungleiche Pigmentverteilung nach sich ziehen und den Schutz vermindern könnte,
      • Polysilicones stabilisieren einen der wichtigsten, an sich sehr instabilen UVA-Schutzfilter: Avobenzone,
      • Durch den Einsatz von Silikonen kann auch die Gesamtmenge von Sonnenschutzfiltern reduziert werden (= weniger Irritation, Reduktion von Produktionskosten, etc.).
      • Silikonöle werden außerdem als “coating” Substanz für Titandioxid-Partikel genutzt, damit diese unter Sonnenstrahlen nicht zerfallen und somit kontinuierlich einen UV-Schutz anbieten können. (Quelle)
    • bei einer besseren  Verteilung von Inhaltsstoffen – nicht nur Sonnenschutzfiltern – helfen,
    • Produkte wasser-resistent gestalten – außer Sonnenschutz auch Foundations, Lippenstifte, etc. –, ohne dass diese dickschichtig auf der Haut liegen müssen, (diverse Dimethicon-Arten, phenyl-modifizierte Silikone, silikone acrylate copolymers),
    • die (unerwünschte) Reichhaltigkeit von Kosmetikprodukten reduzieren,
    • Pflege- und kosmetischen Präparaten einen soft focus (Weichzeichner-Effekt) verleihen (u.a. phenyl silicones und spherical silicone elastomer),
    • den Sebumausfluss absorbieren (silicone elastomer Partikel),
    • Produkte wasserfrei formulieren lassen (etwas Vitamin C Seren, die hierdurch keinen pH haben und somit viel weniger irritieren – zu Vitamin C in Pflege s. hier),
    • kosmetische Formulierungen mit unterschiedlichen Viskositätsgraden gestalten lassen (von einer dicken Creme über eine Lotion bis zu einem schnell einziehenden Gel),
    • Reinigungsprodukte ohne Einsatz von Tensiden schäumen lassen; beim Einsatz von anonischen Tensiden wurde hingegen gezeigt, dass Silikone (dimethicone copolyols) die Irritation von Augen und Haut reduzieren),
    • durch Sodiumlaurylsulfat verursachte Hautreizungen lindern (insb. Dimethicone, hier),
    • die Stabilität von Kosmetikformulierungen erhöhen, da sie Temperatur- und oxidationsbeständig (viel stabiler und haltbarer als natürliche Öle) sind.
    • Außerdem gelten Silikone als nicht komedogen (American Academy of Dermatology empfiehlt sogar ausdrücklich Silikonöle als Pflegestoffe für Akne-Haut, klick),
    • Darüber hinaus weisen Silikone ein äußerst geringes Allergiepotenzial auf sowie keine reizende, endokrine oder sonstige unerwünschte organische Wirkung (wusstet Ihr, dass Silikone auf offene Wunden zwecks Beschleunigung des Heilungsprozesses aufgetragen werden?)
    • Auch sind die allermeisten Silikonarten nicht stark okklusiv, d.h. entweder evaporieren sie aus der Haut oder bilden einen leicht bis mittel okklusiven Film (aber nein, die Haut muss nicht “atmen”).  (Quelle* u. **)
    • Dimethicon reduziert zusätzlich Rötungen, die bei Rosacea-Patienten entstehen  und wirkt entzündungshemmend. (hier)

Hinzu kommt, dass man beim Einsatz von physiologischen Lipiden inkl. Pflanzölen auf das richtige Verhältnis der eingesetzten Lipiden untereinander achten muss (s. den vorherigen Beitrag). Dies Problem entfällt beim Auftrag von Pflegeprodukten auf Basis von Silikonen, welche die hautinterne Lipidstruktur nicht beeinflussen. Silikone in Pflegeprodukten


Fazit: Physiologische versus nicht-physiologische Lipide

Weichmacher spielen in Pflegeprodukten eine wichtige Rolle. Nicht nur sorgen sie für einen höheren Wassergehalt der Haut, sondern einige davon tragen auch zu korrekt funktionierenden epidermalen Prozessen bei. Sowohl physiologische als auch nicht-physiologische Lipide haben einen Platz in Pflegeprodukten. Da physiologische Lipide klare Vorteile haben, begrüße ich sie als Weichmacher in meiner Pflege. Insbesondere essentielle Fettsäure – allen voran Linolsäure – scheinen eine besonders gute Wirkung auf die Haut zu haben. Nicht physiologische, leicht okklusive Weichmacher sind jedoch ebenfalls vorteilhaft und werden in erster Linie von öligen und Mischhäuten präferiert. Darüber hinaus üben diverse Silikonarten andere, wichtige Funktionen in Pflegeprodukten aus (oben aufgelistet).

Eines steht fest: Ein guter – effizienter, wasserabweisender, sandresistenter, mit gleichmäßig verteilten Partikeln ausgestatteter– Sonnenschutz ohne Silikone ist technologisch so gut wie nicht zu erreichen.

Ein guter Sonnenschutz ohne Silikone ist technologisch so gut wie nicht zu erreichen. Click To Tweet


Als Schlußwort eignet sich gut der folgende Satz: “A mixture of physiological and nonphysiological lipids may be ideal, because the action of physiological lipids is delayed, whereas nonphysiological lipids, such as petrolatum, provide an immediate partial restoration of the barrier.” (klickFrei übersetzt: Eine Mischung aus physiologischen und nicht physiologischen Lipiden (Weichmachern) als auch Okklusiva in einem Pflegeprodukt wäre ideal, da Weichmacher etwas Zeit brauchen, um die verdichtende Funktion auf stratum corneum auszuüben, während Okklusiva  die Hautbarriere sofort umhüllen und den Wasserverlust aus der Haut verhindern.

Bleiben wir also dabei, dass sowohl beide Arten von Weichmachern – physiologische wie nicht-physiologische – als auch Oklussiva neben Feuchthaltemitteln in unserer Pflege wichtig sind. Zu Okklusiva kommen wir nächste Woche.

Eine Liste von Weichmachern in Pflegeprodukten findet Ihr hier und als PDF hier.

Eine Übersicht über die einzelnen Beiträge der Hautfeuchtigkeit-Blogreihe findet Ihr hier.

Eure PiaFunktionen von Silikonen in Pflegeprodukten


Quellen:

* Draelos, Zoe (2009): Photoprotection in Colored Cosmetics, in: Lim, Henry/Draelos: “Clinical Guide to Sunscreens and Photoprotection”, New York.

**Van Reeth, Isabelle (2014): Silicones, A key Ingredient in Cosmetic and Toiletry Formulations, in: Barel, André O. B/Paye, Marc/Maibach, Howard I. (Hg.): Handbook of Cosmetic Science and Technology, 4. Aufl., Kapitel 28, S. 371-380.

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13 Comments

  • Replyeattraincare

    Toller Artikel Pia!!
    Da sieht man wieder: die Mischung machts. Silikone leisten so viel gutes in der Hautpflege, darauf zu verzichten bedeutet eben auch häufig, auf ein gut formuliertes Produkt zu verzichten. Daher gehören Silikone für mich definitiv zur Hautpflege. Ob für okklusive sleeping Packs, in Sonnencremes oder auch Vitamin C Seren (die sauer formuliert sonst für mich nicht verträglich sind), Silikone haben ihre Daseinsberechtigung. Den schlechten Ruf haben sie nicht verdient.

    Liebste Grüße,
    Sarah

    PS: 1000 Dank fürs verlinken :*

    July 25, 2016 at 7:08 am
    • ReplySkincareInspirations

      Danke, liebe Sarah, für Deine Einschätzung. Die ist mir wichtig. Und ja, die Mischung ist wohl das Vernünfteste!
      Ich grüße Dich lieb und wünsche Dir ein tolles WE!!!

      July 30, 2016 at 9:01 am
  • ReplyDoro

    Sehr interessant! Was bedeutet das dann für ein Produkt, wie das “Vea-Spray”, das nur aus Vitamin E und Cyclometicone besteht? Wirkt das “nur” okklusiv und sollte mit anderen Produkte kombiniert werden oder hat es auch allein verwendet eine feuchtigkeitsspendende, pflegende Wirkung?
    P.S. Wird es auch einen Artikel zu Fettsäuren in der Ernährung geben? Ich hatte Dich dazu unter Deinem letzten Bericht gefragt, aber keine Antwort bekommen. Und sorry, ich will Dich keineswegs deswegen nerven oder so, mich interessiert das Thema einfach sehr.
    LG Doro

    July 25, 2016 at 6:34 pm
    • Replysiesn

      Hallo Doro!
      Ich bin auch noch neu in der Thematik Feuchthaltemittel, Weichmacher und Okklusion und kann die einzelnen INCI vereinzelt “aus dem Stand” zuordnen. Cyclometicone ist mir noch nicht wirklich bekannt, habe aber über googlen diese http://www.haut.de/inhaltsstoffe-inci/inci-detail/4031/ Seite für die erste Anlaufstelle gefunden. Weitere Inhaltsstoffe (bezüglich Hilfsstoffe) habe ich leider nicht finden können.

      LG

      July 28, 2016 at 10:18 am
    • ReplySkincareInspirations

      Liebe Doro, welche Art von Vitamin E gibt es in dem Spray? Vitamin E ist generell fettlöslich. Cyclometicone kann aber auch als Basis dienen. Dieser Spray hätte dann sehr leichte okklusive Eigenschaften. Und Vitamin E ist eine ganze Reihe von positiven Auswirkungen auf die Haut. Könntest Du hier vielleicht einen Link zu diesem Produkt posten? Danke Dir!

      July 30, 2016 at 8:50 am
    • ReplySkincareInspirations

      Artikel zu Fettsäuren in der Ernährung? Hm, da müsste ich mich selbst gut einlesen und das Ergebnis wäre wohl mittelprächtig…. in Sachen Ernährung könnte ich Dir aber zwei Personen empfehlen: Zum einen Sarah https://www.instagram.com/eattraincare/ und zum anderen Viktoria https://www.instagram.com/green_beautyjungle/ . Frag sie mal bitte auf dem Blog oder Instagram, ob sie dazu etwas posten würden und frag mal direkt bei denen auf Instagram. Beide sind aktiv und super nett! <3

      July 30, 2016 at 8:59 am
      • ReplyDoro

        Danke für Deine Antwort! Für einen Link fehlen mir die technischen Kenntnisse, aber hier eine Kopie: Inhaltsstoffe / techn. Angaben
        cyclopentasiloxane, tocopheryl acetate
        Dabei sehe ich gerade, dass ich mich bei meinem vorherigen Kommentar verschrieben habe, sorry.
        Das Produkt gibts in der Apotheke.
        Danke für die Tips. Ich habe zwar kein Instagram, aber wenn die beiden blogs haben, kann ich dort schreiben.
        LG Doro

        July 30, 2016 at 1:46 pm
        • ReplyDoro

          Sorry, halte mich bitte nicht für seltsam, aber bei der Versandapotheke stehen die Inhaltsstoffe so DL-alpha-Tocopherol acetat, Cyclometicone
          (das im anderen Kommentar war codecheck)

          July 30, 2016 at 1:55 pm
  • Replytotalueberbewertet

    Liebe Pia,
    ich habe gerade deine beiden interessanten Artikel über die physiologischen und nicht-physiologischen Lipide gelesen und bin wirklich fasziniert, besonders, dass es auf die Mischung der physiologischen Lipide ankommt, habe ich nicht gewusst. Werde da definitiv noch ein bisschen was nachlesen müssen. Zu den Silikonen bin ich durch Sonnenschutz gekommen und ich möchte sie eigentlich nicht missen, trotz schlechter Umweltverträglichkeit. Sie erleichtern mir aber das Tragen von Sonnenschutz ungemein und besonders die hautberuhigende Wirkung von Dimethicone sorgt auch dafür, dass ich Sonennschutz deutlich besser vertrage. Mittlerweile habe ich mich auch an das Hautgefühl gewöhnt, was ich ursprünglich gar nicht leiden konnte.
    Danke dir für die neuen interessanten Informationen!
    Liebe Grüße
    Leela

    July 31, 2016 at 4:04 pm
    • ReplySkincareInspirations

      Liebe Leela, ich freue mich über Deine Rückmeldung sehr! Ja, Dimethicone hat tatsächlich eine hautberuhigende Wirkung; zumindest ist es in der Lage, den Reiz, der durch andere Inhaltsstoffe verursacht wird, zu mildern. Und das ist nicht gerade unwichtig. Ich habe gesehen, dass Du mich in Deinen neuen Beiträgen verlinkt hast. Besten dank dafür. Werde diese zeitnahe lesen!
      Wünsche Dir ein gutes Wochenende! Pia

      August 6, 2016 at 11:18 am
  • ReplyBioderma Hydrabio Perfecteur SPF 30 – Review | SkincareInspirations

    […] beiträgt (was u.a. die Menge an Sonnenschutzfiltern reduzieren kann; dazu könnt Ihr in der Besprechung von Silikonen bzw. deren Rolle in Pflegeprodukten esen). Auch der Einsatz von flüchtigen Silikonen sorgt […]

    August 21, 2016 at 9:03 am
  • ReplyHautfeuchtigkeit (1) – Einführung und Gewinnspiel | SkincareInspirations

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    September 7, 2016 at 7:52 pm
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