Ursachen für Hautdehydrierung: Hautbarriere und Hautlipide

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Hautfeuchtigkeit Hautbarriere Hautlipide
Im letzten Beitrag haben wir von den Hauptursachen für eine trockene sowie dehydrierte Haut gesprochen. Heute werden wir über die letzte Ursache für Hautdehydrierung – eine beschädigte Hautbarriere – sprechen. Solange es sich nicht um eine chronische Hautbeschädigung handelt (entstanden etwa durch den Mangel an spezifischen Enzymen), was vom Arzt geklärt werden müsste, lässt sich eine beschädigte Hautbarriere größtenteils reparieren.

Doch was beschädigt die Hautbarriere, fragt Ihr? Dazu haben wir bereits in dem Post zu Tensiden gesprochen. Bitte, geht mal kurz rüber und lest Euch den Teil zur Hautbarriere als Einführung in das Thema durch. Denn heute werden wir die Frage etwas anders darstellen bzw. bebildern.


Geschädigte Hautbarriere

Habt Ihr schon die Erfahrung gemacht, dass trotz des Auftrags einer immer größeren Menge an Feuchtigkeitscremes die Haut sich immer trockener fühlt und spannt? Dieses Problem habe ich unter den Augen, wo die Haut besonders feuchtigkeitsarm ist.

Falls Ihr Eure Gesichtshaut bzw. deren Parteien häufiger und dicker eincremt, die Haut jedoch weiterhin knittrig bleibt, ist das ein Hinweis auf eine gestörte Hautbarriere, die zu “löchrig” ist, um das Wasser in der Haut effizient einzuschließen. Die Hautbarriere wird “löchrig”, wenn hauteigene Lipide schrittweise zerstört werden.

Und weil hauteigene Lipide von einer so großer Relevanz für die Gesundheit und das Aussehen unserer Haut sind, wollen wir uns heute den Haut-Fetten widmen.


Bei dem Thema Hautdehydrierung werde wir wie folgt vorgehen:

  • Zunächst werden wir zwischen epidermalen Lipiden und Sebum-Lipiden ausdifferenzieren,
  • danach werden wir schauen, was sich unter der Bezeichnung „hauteigene Lipide“ überhaupt verbirgt (Ceramide, Distelöl, Squalen etc.),
  • anschließend werden wir noch kurz auf die Rolle von Sebum eingehen, damit Ihr mit dem unerwünschten Glanz auf der Stirn und Nase verständnisvoller umgehen könnt :),
  • und zum Schluß kommen noch ein paar Gedanken zum Thema Eigenlipide, bevor wir uns im nächsten Beiträgen den Bestandteilen eines Moisturizers widmen werden. Einverstanden?

Hauteigene Lipide: Epidermale Lipide & Sebum-Lipide

Auf dem u.s. Bild (eigene Kreation) seht Ihr die äußerste Schicht von Epidermis: das stratum corneum (Hornschicht).

Das stratum corneum setzt sich zusammen aus 1) biologisch toten, proteinhaltigen Zellen (Hornzellen) und 2) epidermalen Lipiden, die zwischen den Zellen positioniert sind (blau markiert).

Auf dem stratum corneum liegt noch zusätzlich das Sebum (Bestandteil des Säuremantels), das eine andere Lipid-Zusammensetzung aufweist (grün markiert).

Hauteigene Lipide Hornschicht Feuchtigkeit Hautdehydrierung

In beiden Fällen verdichten hauteigene Lipide die Hautbarriere, sodass es den Bakterien und Keimen schwer fällt, von außen einzudringen, und dem hauteigenen Wasser wiederum erschwert wird, auszudunsten.


Zusammensetzung von epidermalen Lipiden & Sebum-Lipiden

Hauteigene Lipide sind also Fettstoffe, die in – und auf – der äußersten Hautschicht
(stratum corneum) angesiedelt sind.

  1. Lipide zwischen den toten Hautzellen (Korneozyten) nennt man epidermale Lipide. 
  2. Lipide in dem Säuremantel auf der Haut nennt man Sebum-Lipide. (klick)  

Schauen wir uns nun die grobe Zusammensetzung von epidermalen und Sebum-Lipiden genauer an. Eine genauere Ausdifferenzierung seht Ihr weiter unten. (Quellen zu Lipid-Zusammensetzung, s. unter**)

Hauteigene Lipide Epidermale und Sebum Fette


Hauteigene Lipide: Sebum

Laut der Dermatologin Leslie Baumann sind es hauptsächlich Lipide zwischen den Korneozyten (epidermale Lipide) – Fettsäure, Ceramide und Cholesterin –, die in erster Linie zu der Dichte der Epidermis beitragen und die natürlichen Feuchtigkeitsfaktoren (NMF) in der Haut halten (Quelle***).

Jedoch sind Sebum-Lipide, die zu dem auf der Haut liegenden Säuremantel gehören, für das Aufrechterhalten einer gesunden Hautbarriere unerlässlich! Den Großteil des Säuremantels auf der Haut stellt das Sebum dar, d.h. eine “ölige” Substanz, die von Talgdrüsen (sebaceous glands) produziert und nach außen transportiert wird, und dessen glänzende Erscheinung auf der Stirn und Nase viele von uns auf die Palme treibt. (hier findet Ihr ausführliche Informationen über Sebum und dessen Komposition).

Dabei ist die Rolle vom (in normalen Mengen abfließenden) Sebum für die Haut (und Haare) essentiell; denn diese leicht saure Substanz schützt die Haut vor Bakterien und Pilzen (von außen) sowie vor Austrocknung (von innen) – und hält so den Wassergehalt der Epidermis auf einem gesunden Niveau.

Dabei ist der Beitrag von Sebum-Lipiden zur Hautbefeuchtung nicht nur passiver Natur. Es ist nämlich auch so, dass die Triglyceride im Sebum zu Fettsäuren und Glycerol verstoffwechselt werden. Im Ergebnis führt eine reduzierte Aktivität von Talgdrüsen zu einer reduzierten Produktion von Glycerin in der Haut. Dies hat wiederum eine verminderte Befeuchtung von stratum corneum zur Folge. (Quelle)

Also: Ein Hoch auf unsere Talgdrüsen und auf das Sebum!


Hauteigene Lipide in Pflegeprodukten

Nun, warum soll uns die Zusammensetzung von Hautlipiden überhaupt interessieren? Was hat das mit Pflegeprodukten zu tun?

topisch aufgetragene Mischung aus Fettsäuren, Ceramiden und Cholesterin nicht nur okklusiv agiert, sondern in die tiefere Schichten von Epidermis eindringen und die dort verloren gegangenen Lipide ersetzen kann. (Quelle*)

Mit anderen Worten: Es ist für unsere Haut von großem Vorteil, wenn sich in den Pflegeprodukten hauteigene Lipide befinden! Und um zu wissen, ob unsere Pflegeprodukte für die Haut wertvolle Lipide enthalten, müssen wir zunächst einmal schauen, welche davon in der Haut vorkommen.

Unten auf den Tabellen findet Ihr somit die Zusammensetzung von den Hautlipiden sowie eine Auflistung von Inhaltsstoffen und Pflanzölen, welche die hauteigenen Lipide enthalten (solche Inhaltsstoffe, die strukturell den hauteigenen Lipiden ähnlich sind, nennen wir „physiologische Lipide“. Dazu kommen wir aber in den nächsten Beiträgen):   Screen Shot 2016-03-30 at 12.07.31Screen Shot 2016-03-30 at 13.08.29Fettsäure in Pflanzölen epidermale sebum Fette Lipide


Korneobiologie

Der obige Unterschied zwischen epidermalen Lipiden und Sebum-Lipiden ist zugegebenermaßen grob, denn die Lipide können sich auch untereinander vermischen. Zum Beispiel können Fettsäure vom Sebum tiefer eindringen und mit den epidermalen Lipiden agieren (Quelle) – schaut Euch dazu noch mal das erste Bild an. Darüber hinaus ist die Zusammensetzung von Lipiden sehr individuell. Sogar eineiige Zwillinge haben eine unterschiedliche Sebum-Komposition. Insgesamt ist der Forschungszweig, der sich mit epidermalen Lipiden beschäftigt (Korneobiologie), offen für neue Entdeckungen, die durch immer modernere, weiter fortgeschrittene Analyseinstrumente in den kommenden Jahren ermöglicht werden (klick). Ich bin gespannt, Ihr?


Und zum Schluß eine Frage an Euch: Was zerstört hauteigene Lipide und beschädigt unsere Hautbarriere? Sind das hauptsächlich externe Einflussfaktoren oder tragen wir – unbewusst – selbst dazu bei? Was denkt Ihr? Dazu kommen wir im nächsten Beitrag.

Eure Pia


Quellen:

Zu Cholesterol: Draelos, Zoe Diana (2013): Modern Moisturizer Myths, Misconceptions, and Truths, in: Dermatology News 91/2013 (klick).
Zu Hautlipiden: Papas, Apostolos (2009): Epidermal surface lipids, in Dermato-Endocrinology 1(2)/2009, S. 72-76 (Full Text) u. Fettsäurewerte in pflanzlichen Ölen: Olionatura.
*Gimenez-Arnau, Ana (2014): Xerosis Means „Dry Skin“: Mechanisms, Skin Conditions, and its Management, in: Thyssen, Jacob/Maibach, Howard I.: Filaggrin: Basic Science, Epidemiology, Clinical Aspects and Management, Kapitel 22, S. 235-249.
**Sahle, F./Gebre-Mariam, T./Dobner, B./Wohlrab J./Neubert, R. (2015): Skin Diseases Associated with the Depletion of Stratum Corneum Lipids and Stratum Corneum Lipid Substitution Therapy, Skin Pharmacology and Physiology Nr. 28/1 (Full Text).
**Joke A. Bouwstra, J./Gooris, G. (2010): The Lipid Organisation in Human Stratum Corneum and Model Systems, in: The Open Dermatology Journal Nr. 4/10 (Full Text).
*** Baumann, Leslie (2009): Cosmetic Dermatology: Principles and Practice, McGraw Hill2. Aufl., S. 6.
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11 Comments

  • Replytotalueberbewertet

    Hallo Pia,
    genau so ein Post hat mir definitiv für meine nächste Rohstoffbestellung gefehlt! Die Übersicht wird mir so sehr helfen neue Rezepte auszutüfteln!
    Vielen Lieben Dank.
    Liebe Grüße Leela

    April 10, 2016 at 11:15 am
  • Replyeattraincare

    Hallo Pia,

    wieder mal ein super informativer Post! Vielen Dank für Deine Mühe 🙂

    Zu Deiner abschließenden Frage… gerade im Gesicht war bei mir die Ursache für eine gestörte Hautbarriere meist falsche Reinigung oder Pflege. Das wurde besser, als ich die für mich funktionierenden Produkte gefunden habe. Dennoch, noch dem Duschen geht bei mir der erste Griff zum Moisturizer, da meine Gesichtshaut teilweise doch sehr spannt. Aber ich glaube fast, dass ich damit im gewissen Rahmen leben „muss“. Ist nicht weiter schlimm, denke nur, dass trockene Haut da schnell an ihre Grenzen kommt und vieles auch trotz guter Pflege immernoch Prädisposition bleibt.

    Die trockene Haut an meinen Händen hingegen hat System bzw. da weiß ich genau, dass es zum Großteil äußere Faktoren sind. Chemische (Alkohol, Desinfektionsmittel) und mechanische Reize (ca. 25x mal an einem Arbeitstag wechsle ich die Handschuhe) verursachen mir so trockene und rissige Haut, dass ich mir teilweise sogar blutige Handknöchel zuziehe. Ich merke dann immer im Urlaub, wie sich meine Hände erholen und sogar mal weich sein können 😉

    Liebste Grüße,
    Sarah

    April 10, 2016 at 9:46 pm
  • Replynicole

    Hallo liebe Pia,

    zu deiner Frage: bei mir waren es bestimmt auch die verkehrten Reiniger und Pflegeprodukte. Jahrelang habe ich sehr harsche Reiniger verwendet, weil meine Haut immer fettiger wurde, sogar extra mit Alkohol, damit es auch so richtig schön austrocknet. Bei dem Gedanken könnte ich wirklich weinen. Meine arme Haut. Dann viele Produkte verwendet mit Mineralöl, Silikonen, Parabenen etc.
    Aber so langsam wird es. Habe mittlerweile auf eine Pflege umgestellt, die so gar nichts davon enthält- Auch habe ich ein Make-Up gefunden, dass ohne die ganzen Sachen auskommt. Jeden Tag wird es ein bisschen besser.
    Herzliche Grüße

    April 14, 2016 at 8:03 pm
  • ReplyNora

    Liebe Pia,
    Sehr interessanter Post. Jetzt bekomme ich langsam eine Ahnung zu welchem Zweck genau die verschiedenen Inhaltsstoffe (Lipide) in den Kosmetikprodukten enthalten sind. Hoffe, dass du in einem deiner nächsten Beiträge auch Produkte vorstellst, die eine „ideale“ Zusammensetzung für eine gute Feuchtigkeitscreme enthalten.
    Liebe Grüße
    Nora

    April 17, 2016 at 9:01 am
  • Replycupcakesberries

    Vielen Dank Pia für diesen tollen Post bzw. deine ganze Reihe zum Thema Hautfeuchtigkeit. Großes Lob für deine ausgezeichnete Recherche! Die Tabelle bezüglich Sebum und Epidermaler Lipide ist auch sehr hilfreich.Ich habe meiner Haut früher mit falscher Pflege schreckliches angetan und hatte definitiv eine äußerst beschädigte Hautbarriere 🙁 Ich habe mir damals meine schlechte Haut förmlich gezüchtet, was wirklich traurig ist. Bin froh, dass diese Zeiten vorüber sind 🙂 Liebste Grüße

    Mai 13, 2016 at 9:23 pm
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    Juli 25, 2016 at 12:26 am
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    August 5, 2016 at 6:20 pm
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