Wie misst man den UVA-Schutz? Teil I

Posted in Sonnenschutz
UVA UVB radiation spectrum high

In meinem einwöchigen Urlaub bin ich durch drei europäische Staaten gereist. In allen drei habe ich mir natürlich lokale Sonnenschutzprodukte angeschaut und bin dazu gekommen, dass ich mir unbedingt eine Klarheit darüber schaffen muss, wie der UVA-Schutz tatsächlich bestimmt wird. Welche Messmethoden gibt es? Wie ist die Lage rechtlich geregelt? Gibt es regionale Unterschiede, was die Bemessung und Kennzeichnung der UVA-Schutzleistung anbelangt? Da der Beitrag sonst wieder etwas länger ausfallen würde, habe ich ihn in drei Blogposts aufgeteilt:

Wie gehen wie folgt vor:

  1. In der heutigen Einführung positionieren wir die schädlichen UV-Strahlen in dem viel breiteren elektromagnetischen Spektrum. Dabei wird noch mal auf den Unterschied zwischen der UVA- und UVB-Strahlung hingewiesen sowie die Tatsache, dass die in vielen Sonnenschutzprodukten immer noch zu sehr vernachlässigte UVA-Bestrahlung den Löwenanteil des UV-Lichtes ausmacht.
  2. Im kommenden Beitrag werden wir uns zwei am meisten verwendete Methoden zur Bemessung des UVA-Schutzes: PPD in vitro und in vivo anschauen.
  3. Anschließend wird eine Frage nach der Standardisierung von den UVA-Bemessungsmethoden sowie nach der Vergleichbarkeit der Messergebnisse in vivo und in vitro aufgeworfen.
  4. Im letzten Blogpost dieser Blogreihe wird alles, was Ihr über den UVA-Schutz wissen solltet, in einigen Punkten zusammengefasst. Mir wurde mitgeteilt, dass Zusammenfassungen ziemlich beliebt sind. 🙂

Kurzer Exkurs in unterschiedliche Arten von Lichtstrahlen:

Bei der Suche nach Sonnenschutzprodukten wird gewöhnlich immer noch in erster Linie auf die Zahl hinter SPF (sun/burn protection factor) oder LSF (Lichtschutzfaktor) auf der Verpackung eines Sonnenschutzpräparates geschaut. Der Kunde denkt: “Es wird etwas wärmer, die Sonne strahlt, ich brauche eine Tagescreme mit SPF”. “Beim Regen und im Winter muss ja kein Sonnenschutz aufgetragen werden, denn die Sonne im November verbrennt ja keinen.” “Am besten wäre’s, wenn meine Foundation und Puder einen SPF hätten, so bin ich besser geschützt”. “Im Urlaub brauche ich unbedingt SPF50+.”SPF 50+ im Winter? Wozu denn?”.  Ein Unverständnis nach dem anderen. 

Die Bezeichnung SPF bzw. LSF bezieht sich dabei ausschließlich auf den Schutz vor UVB-Strahlen, die in erster Linie für den Sonnenbrand und Hautkrebs verantwortlich sind. Doch neben der UVB-Strahlung (Wellenlänge 290 bis 320 nm) erreichen die Erdatmosphäre ebenfalls UVA-Strahlen (Wellenlänge 320 bis 400 nm)UVA zerstören Kollagen und Elastinfaser (direkt und via Bildung von freien Radikalen); tragen daher zur vorzeitigen Hautalterung bei. Darüber hinaus können UVA-Strahlen ebenfalls Hautkrebs verursachen. Das habe ich bereits hier ausführlicher beschrieben.

UVA UVB radiation spectrum high

Kurz kann man sich den Unterschied zwischen UVA und UVB so merken:

  • das “B” bei UVB steht für “burning” also (Sonnen-)Brand
  • das “A” bei UVA steht für “aging”, d.h. (vorzeitige) Alterung (der Haut).

Auf dem obigen Bild könnt Ihr sehen, wo die Ultraviolett(UV)strahlung auf dem elektromagnetischen Spektrum angesiedelt ist – und zwar zwischen dem sichtbaren Licht und Röntgenstrahlung. Darüber hinaus zeigt die Darstellung der Wellenlänge, dass der UVA-Bereich deutlich größer ausfällt als der UVB-Bereich. Was das Bild nicht zeigt, ist die Tatsache, dass UVA-Strahlen 90 bis 95% der gesamten UV-Intensität an der Erdoberfläche ausmachen (Quelle).

Sobald wir also den UV-Strahlen ausgesetzt sind, erreicht uns mehr als 90% davon allein die UVA-Strahlung. Und wieso ist das so ungünstig? Weil die UVA-Strahlen – im Gegensatz zu UVB:

  • das ganze Jahr über vorhanden sind – im Sommer und Winter,
  • morgens, mittags und abends fast genauso stark ausfallen,
  • durch Wolken und Glas dringen,
  • durch Epidermis in die Dermis eindringen, wo Kollagen und Elastinfaster zerstört werden,
  • sich nicht sofort (etwa durch eine Rötung) manifestieren (Ausnahme: Allergien), sondern für Langzeitschaden sorgen,
  • um 95% des ganzen UV-Spektrums ausmachen. Davon ist der UVAI Bereich, der nur von einigen wenigen Sonnenschutzfiltern abgedeckt wird und wo die Formierung von freien Radikalen stattfindet, wiederum der größte Teil der UVA-Strahlen.

UVA-Schutz UV Licht


Da man inzwischen weiß, weil mehrfach nachgewiesen, dass die UVA-Strahlen den Hauptfaktor für eine vorzeitige Alterung der Haut darstellen (Stichwort: Photoaging), ist eine Sonnenschutzcreme mit einem guten UVA-Schutz das anti aging Produkt Nr. 1. Falls Ihr mal zwischen einem teurem Serum oder einer guten Sonnencreme wählen müsst, sollte die Zweitgenannte die klare Priorität genießen. Und während wir uns vor UVB in Europa hauptsächlich im Sommer (und an sonnigen Tagen im Winter) schützen müssen; ist ein Pflegepräparat mit UVA-Schutz das ganze Jahr, morgens bis abends, zu tragen.


Also bezieht sich der Lichtschutzfaktor (SPF/LSF) grob gesagt auf den Schutz vor Sonnenbrand. Die heutige Bemessung des SPF erfolgt durch eine in vivo Methode: Standard EN ISO 24444:2010 “Cosmetics ‐ Sun protection test methods ‐ In vivo determination of the sun protection factor (SPF)” (klick). Diese Norm wurde inzwischen in Europa, Japan, Australia und Neuseeland, Indien, Kanada, Südafrika, Mexiko, Russland, Mercosur und ASEAN akzeptiert. In den USA wird stattdessen US FDA 2011 als Referenz gesehen; an der Vergleichbarkeit der SPF-Schutzleistung ändert das aber nichts. Fazit: Die SPF-Werte sind fast überall vergleichbar.

Der ausgelobte UVB-Schutz wird hierbei nur bei Verwendung von 2 mg/cm² erreicht. (An einer in vitro Methode zur Bestimmung von SPF wird gearbeitet; dies scheint allerdings weiterhin eine Herausforderung zu sein; hier und hier). Hinzu kommt, dass je photostabiler und je wasserresistenter ein Sonnenschutzprodukt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, einen Sonnenbrand zu vermeiden.

So weit so gut. Habt Ihr aber schon darüber nachgedacht, wie eigentlich der UVA-Schutz gemessen wird? Gibt es Zahlen – wie beim Lichtschutzfaktor –, an welchen man sich orientieren kann? Ja. Aber etwas kompliziert ist die ganze UVA-Angelegenheit leider schon…. Dazu kommen wir übermorgen!

  1. Wie misst man den Schutz vor vorzeitigen Hautalterung (UVA)? Teil II 
  2. Wie misst man den Schutz vor vorzeitigen Hautalterung (UVA)? Teil III – Zusammenfassung 

Sonnige Grüße, Pia

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12 Comments

  • ReplySartrellit

    na toll. erst ködern und dann kommt der spannendste teil erst morgen 😀

    mal wieder ein toller artikel. danke für deine mühe jedes mal. ist ja doch ne andere recherche als hinter posts über dekorative kosmetik stehen.

    August 2, 2015 at 1:11 pm
    • Replyskincareinspirations

      Danke, Du Liebe. Der Beitrag kommt morgen. So ist das Ganze leichter zu verdauen und bleibt vielleicht auch länger im Kopf. 🙂

      August 3, 2015 at 11:51 am
  • ReplyWie misst man den Schutz vor vorzeitigen Hautalterung (UVA)? Teil II | SkinCareInspirations

    […] Wie misst man den Schutz vor vorzeitigen Hautalterung (UVA)? Teil I […]

    August 4, 2015 at 11:35 pm
  • ReplyBambi (@Bambi_12trees)

    Danke für die informativen UVA Artikel! Man schnappt ja immer hie und da was auf, aber alles so gebündelt und gut recherchiert beisammen zu haben ist super. *thumbs up*
    … und lieben Gruß

    August 5, 2015 at 2:06 pm
  • ReplyMineralisch oder chemisch, das ist hier die Frage! – eine Übersicht koreanischer Sonnencremes | It's K(ey)-Beauty!

    […] höher der LSF einer Creme, umso besser der Schutz” aussuchen sollten, der klickt sich -hier- bei Pia von Pia.SkincareInspirations […]

    August 7, 2015 at 6:05 pm
  • ReplyHanna

    Hallo Smile
    habe Deinen Beitrag sehr interessiert gelesen und möchte mir nun auch einen guten UVA Schutz zulegen.
    Ich hatte nun eine Probe der Anmietungen kaschierende Tagespflege Creme von Eucerin (http://www.eucerin.de/produkte/sehr-empfindliche-haut/antiroetungen-kaschierende-tagespflege-lsf-25)
    und war mit dieser recht zufrieden. Sie wurde unter anderem mit einem UVA Schutz beworben. Ich habe nun mal in den Inhaltsstoffen nachgesehen und schonmal Butyl Methoxydibenzoylmethane und Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine als UVA Filter gefunden.
    Denkst Du die Creme würde als UVA Schutz ausreichen oder sollte ich lieber auf sie verzichten und mir die Bioderma Photoderb AKN zulegen? Eucerin würde ich bevorzugen, da sie zusätzlich Rötungen kaschiert und ich schon Tagespflege und Schutz in einem Produkt hätte? Würde mich über eine Antwort sehr freuen Smile

    Hier noch die INCIS zu Eucerin:

    Aqua, Glycerin, Homosalate, Octocrylene, Butyl Methoxydibenzoylmethane, Ethylhexyl Salicylate, Pentylene Glycol, Methylpropanediol, Butyrospermum Parkii Butter, Cetearyl Alcohol, Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine, 4-t-Butylcyclohexanol (Trans-Isomer), Glycyrrhiza Inflata Root Extract, Xanthan Gum, Sodium Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Potassium Cetyl Phosphate, Trisodium EDTA, Dimethicone, Caprylyl Glycol, CI 77891, CI 77288

    September 19, 2015 at 8:37 pm
    • Replyskincareinspirations

      Danke, Hanna, für Deine Frage: der UVA-Schutz der Eucerin Creme basiert hauptsächlich auf Avobenzone, das durch Octocrylene stabilisiert ist. Tinosorb S ist zwar auch vorhanden; jedoch in einer eher kleinen Menge. Die Creme ist für den Winter okay; wenn Du etwas schwitzt, dann auch für Herbst zu wenig. Die UVA-Angabe steht zwar nicht drauf; Eucerin bemisst es jedoch nach (ehem.) COLIPA; es müsste somit 1/3 von dem SPF (25) ausmachen, also bei 8 liegen. Das ist gut, aber nicht sehr gut. Falls Du dich wenig im Freien aufhältst und nicht viel am Fenster sitzt, ist die Creme für die kühleren, dunkleren Monate in Ordnung. Beim Schwitzen und im Sommer: Bioderma.
      Wie ist denn die Konsistenz? Eher leicht oder schon etwas reichhaltig?
      Viele liebe Grüße Pia 🙂

      September 25, 2015 at 11:26 pm
  • ReplyFILORGA UV Defence – “der” Sonnenschutz für Herbst und Winter? | SkinCareInspirations

    […] und UVA-Strahlen diskutiert haben? B steht für Burning/Brand; A bezieht sich wiederum für Aging (nachzulesen hier). Im Herbst und Winter ist die Wahrscheinlichkeit, in Mitteleuropa (außer auf der Piste) einen […]

    September 25, 2015 at 11:02 pm
  • ReplyWie misst man den Schutz vor vorzeitiger Hautalterung (UVA)? Teil III – Zusammenfassung | SkincareInspirations

    […] Wie misst man den Schutz vor vorzeitiger Hautalterung (UVA)? Teil I […]

    June 29, 2016 at 10:30 pm
  • ReplySonnenschutz – Fokus auf UVA / vorzeitige Hautalterung – Teil II | SkincareInspirations

    […] Einen neueren Beitrag (bzw. dreiteilige Reihe) zur Messung von UVA-Werten findet Ihr hier hier und […]

    June 29, 2016 at 11:00 pm
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